Der freundliche Herr Merz wohnhaft bei Donald Trump

Donald Trump und Friedrich Merz im Weißen Haus


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Stand: 04.03.2026 • 01:44 Uhr

Eigentlich sollte der Besuch des Kanzlers in Washington Antworten auf Trumps Iran-Strategie bringen, doch am Ende war es vor allem wieder viel Trump-Getöse, während Merz lächelnd neben ihm saß.

Völkerrecht? War da was? Stärke des Rechts? Zweifel am Erfolg eines Militärschlags als probates Mittel zum Regimewechsel? Leerstellen allesamt. Im Oval Office saß der deutsche Kanzler überwiegend schweigend und lächelte. Ein stummer Gast eines wie stets gedanklich mäandernden US-Präsidenten, der ansonsten genau weiß, dass er das Recht des Stärkeren definiert.

Das Beste am Auftritt von Friedrich Merz aus Sicht von Friedrich Merz: Dieser Donald Trump mag ihn immer noch. Lobt Deutschland, schmeichelt dem Kanzler. Reicht das für einen Mann, der in Europa führen will?

Es muss wohl reichen, weil es zu den USA als Sicherheitsgarant auch für Deutschland bis auf Weiteres keine Alternative gibt. Trump jedenfalls redete fast ununterbrochen, beleidigte den britischen Premier Starmer. Der sei eben kein Churchill.

Spanien? Immerhin NATO- und EU-Partner des deutschen Kanzlers. „Schrecklich“ sei das Land, poltert Trump und kündigt an, den Handel mit Spanien zu beenden. Und der Kanzler: Er sitzt daneben. Schweigt zu alledem und wird – zumindest öffentlich – europäischer Statist für die übliche Trump-Show. Hinter verschlossenen Türen habe er dann widersprochen – sagt Merz.

Merz setzt auf Beschwichtigen

Der öffentliche Eindruck aber bleibt ein anderer. Als der Präsident aufzählt, wen und was die beste Armee der Welt im Iran bisher ausgeschaltet habe, im Grunde nämlich eigentlich alles, lacht Merz sogar kurz auf. Es sind diese Momente, in denen durchscheint, was der Kanzler wohl meinte, als er einen „prinzipienfesten Realismus“ als Marschroute für sich und Europa im Umgang mit Trump angekündigt hatte.

Merz setzt öffentlich auf das feste und vermutlich realistische Prinzip des Beschwichtigens. Der Grat zwischen Realismus und Rückgratlosigkeit allerdings scheint schmal. Denn die Reise nach Washington sollte eigentlich Antworten bringen, auf die Frage, welche Strategie die USA im Iran verfolgen. „Wir sind gespannt, wie es am Tag danach im Iran weitergehen soll“, war alles, was Merz dazu öffentlich zum US-Präsidenten sagte.

Drei Sätze zur Ukraine

Dass er dann mit dem Eindruck nach Hause fuhr, das es in den USA keine Strategie dafür gibt, macht die Sache nicht besser. Und dass der eigene Koalitionspartner zu Hause zeitgleich den Bruch des Völkerrechts kritisiert, scheint da nur noch Fußnote zu sein.

Ach ja, die Ukraine: Merz wollte Trump eigentlich daran, erinnern, dass dieser Krieg genauso verheerend, Russlands Vorgehen genauso brutal sei, wie das Regime in Teheran. Am Ende blieben drei Sätze von Merz dazu im goldenen Hauptquartier eines US-Präsidenten, der lediglich versicherte: Der Frieden in der Ukraine stehe bei ihm auch oben auf der Prioritätenliste. Wie beruhigend.

Trump lässt sich von Merz nicht in die Karten gucken

Was also bleibt von diesem Kurztrip in – so sagte es Merz – „herausfordernden Zeiten“? Trump mag Merz. Trump agiert in Sachen Europa weiter nach dem Prinzip: Teile und herrsche und Trump lässt sich öffentlich auch von Merz nicht in die Karten gucken, wohin er in Sachen Iran eigentlich will. Falls er es selbst überhaupt weiß.

Und die Zölle? Schauen wir mal. Ansonsten ist in den paar Stunden des Kanzlers im Weißen Haus immerhin nichts eskaliert und nichts zu Bruch gegangen. Wenn das alles schon ein Erfolg ist, dann war der dritte Besuch des Kanzlers im Weißen Haus sehr erfolgreich. Wer mehr erwartet hatte, der hat die Sache mit dem „prinzipienfesten Realismus“ des Kanzlers einfach noch nicht verstanden.

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Source: tagesschau.de