Declaration of Independence: Sängerin Björk ermutigt Grönland zur Unabhängigkeitserklärung

„Ich wünsche allen Grönländern Segen für ihren Kampf um Unabhängigkeit“, schreibt die isländische Sängerin und Musikerin Björk in einem Post auf Instagram. Dazu stellt sie ein Bild mit den Umrissen Grönlands in den Farben der Flagge des Landes. Die 1965 in Reykjavik Geborene zieht zum Vergleich die Geschichte Islands heran, das seit 1944 unabhängig von Dänemark ist.
Björk schreibt, die Isländer seien sehr erleichtert über diese Befreiung von dänischer Herrschaft und hätten dadurch ihre Sprache behalten. Wäre die Geschichte anders verlaufen, würden ihre eigenen Kinder heute Dänisch sprechen. Sie erklärt aber auch ihre überbordende Sympathie mit den Grönländern, die sie „my fellow greenlanders“ nennt, sich also als deren Mitbürgerin begreift. Der Kolonialismus jage ihr „immer wieder eisige Schauder über den Rücken“, schreibt sie, und der Gedanke, dass Grönland „von einem grausamen Kolonialherrn zum nächsten wechseln könnte“, sei schrecklich.
„Mach deine eigene Marke“
Kolonialismus und Identität sind für Björk, einen der originellsten internationalen Popstars, Lebensthemen. In einem Interview hat sie vor langer Zeit erzählt, dass sie als Jugendliche in Island als „China Girl“ bezeichnet worden sei, weil ihr Aussehen als „asiatisch“ eingestuft wurde. Ihr 2007 veröffentlichter Song „Declare Independence“ ist mehrdeutig und lässt sich als individueller oder auch kollektiver Appell verstehen. „Don’t let them do that to you“, heißt es darin immer wieder. Und: „Start your own currency / Make your own stamp / Protect your language“. Der Song wurde aber auch schon vielfach als Aufruf an Grönland und die Färöer-Inseln verstanden, sich von Dänemark loszusagen. Nun wendet Björk seine Botschaft selbst ins Konkrete: „Dear Greenlanders, declare independence!“
Die Insel Grönland ist zwar mittlerweile weitgehend autonom und hat seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten, gehört aber noch zum dänischen Königreich. Donald Trump hatte in seiner ersten amerikanischen Präsidentschaft schon 2019 einen Besitzanspruch auf Grönland geäußert, den er jüngst wieder untermauert hat, während andere Mitglieder seiner Regierung sich widersprüchlich äußern – einerseits ist von einem amerikanischen Militäreinsatz die Rede, andererseits von einem Kauf der autonomen Arktisinsel. Die dänische Regierung, so Björk, behandle die Grönländer noch immer wie Menschen zweiter Klasse. Über die amerikanische äußert sie sich in ihrem Posting nicht weiter.
Source: faz.net