DB-Finanzchefin muss möglich sein: Jetzt hat Palla ein Problem mehr

Vorstandspositionen bei der Deutschen Bahn werden in diesen Zeiten zu Schleudersitzen. Drei Monate lang hatte Karin Dohm den wichtigen Posten des Finanzvorstands beim Staatskonzern inne. Jetzt soll sie gehen, wie mehrere mit der Personalie vertraute Personen der F.A.Z. am Freitag bestätigten. Gerade wird hart um die konkrete Ausgestaltung der Trennung gerungen. So kontrovers die vergangenen Monate verliefen, so kontrovers gestaltet sich offenbar auch das Ende. Noch dazu dürfte es für den Konzern teuer werden: Sollte keine Einigung erzielt werden, würden zwei Jahresgehälter fällig werden.

Die Deutsche Bahn wollte die Information nicht bestätigen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu derlei Spekulationen nicht äußern“, hieß es aus dem Konzern lediglich. Auch das zuständige Bundesverkehrsministerium kommentierte die Nachricht nicht. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet.

Die Auseinandersetzungen laufen demnach schon seit Monaten. Im Konzern wird Dohm als uninformiert, spröde und unempathtisch beschrieben, die die Rolle der Arbeitnehmervertreter nicht ernst nimmt. Die mächtigen Arbeitnehmervertreter soll sie im Zusammenhang mit der Tochtergesellschaft DB Services gegen sich aufgebracht haben, aber die ständigen Streitereien sollen auch den Vorstand erreicht haben.

Dennoch gibt die Frage, warum die Trennung jetzt so abrupt erfolgte, Rätsel auf und deutet auf einen schweren Vertrauensverlust hin. Für Dohm selbst schien die Trennung jedenfalls überraschend zu kommen. Ein für Freitag angesetzter Termin mit der F.A.Z. wurde erst in den Morgenstunden abgesagt, nachdem er am Donnerstag noch bestätigt worden war.

Nur Tarifabschluss mit GDL geräuschlos

Die neue Bahnchefin Evelyn Palla stellt diese Entwicklung vor neue gravierende Probleme – von denen es bereits viele in dem kriselnden Konzern gibt. Erst am Donnerstag hatte die Nachricht für Schockwellen gesorgt, dass sich die Eröffnung von Stuttgart 21 womöglich bis in die dreißiger Jahre hinziehen könnte – nachdem man vor ein paar Monaten noch davon ausgegangen war, die Jahrzehnte währende Misere um das Infrastrukturprojekt rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof im kommenden Jahr beenden zu können.

Nur der Tarifabschluss mit der notorisch streitlustigen Lokführergewerkschaft GDL lief diesmal geradezu geräuschlos ab. Kurz nach Mitternacht vermeldeten beide Seiten, dass man zu einer gütlichen Lösung gekommen sei. Damit endet eine Tarifauseinandersetzung mit der GDL zum ersten Mal seit 2018, ohne dass die Kunden einen Streik erdulden mussten.

Die Tarifverhandlungen mit dem neuen GDL-Gewerkschaftsboss Mario Reiß führte der erfahrene Personalvorstand Martin Seiler. Er gehört zu den wenigen Vorständen, der der großflächigen Rochade der vergangenen Monate nicht zum Opfer fiel. Dort hat die neue Bahnchefin Evelyn Palla in den vergangenen Monaten für einen kräftigen Umbau gesorgt und dabei zwar viel Durchsetzungskraft gezeigt, aber wenig konkrete Erfolge.

Nicht nur für Pallas Personalpolitik bedeutet das Dohm-Aus einen herben Rückschlag, sondern auch für die Zusammenarbeit mit dem Bund, der dem Konzern Milliardenbeträge für die Sanierung des Schienennetzes zur Verfügung stellen muss. Ironischerweise hat ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Anlass für die neue Unsicherheit gesetzt: Direkt nach seinem Amtsantritt beförderte er den damaligen Finanzvorstand Levin Holle von der Bahn in das Kanzleramt. Dort ist er seitdem Abteilungsleiter und für die internationale Wirtschaftspolitik zuständig.

Verhandlungsgeschick mit dem Bund gefragt

Im Anschluss war seine Stelle lange vakant, obwohl es mit Sebastian Stern einen internen Kandidaten gegeben hätte, dem die anspruchsvollen Verhandlungen mit dem Bund durchaus zugetraut wurden. In seiner Amtszeit hat Holle nicht nur den milliardenschweren Verkauf der DB-Tochtergesellschaft Schenker gemanagt, sondern führte auch die schwierige Auseinandersetzung mit dem Bund über zusätzliche Milliardeninvestitionen in das marode Schienennetz. In dem zentralen Job beim Staatskonzern ist nicht nur Fachkenntnis gefragt, sondern auch politisches Gespür.

Nach rund einem halben Jahr entschieden sich Palla und der Aufsichtsratschef Werner Gatzer allerdings für die Diplom-Volkswirtin und frühere Wirtschaftsprüferin Karin Dohm, die zuvor als Finanzchefin bei dem börsennotierten Baukonzern Hornbach-Gruppe tätig war. Dann folgte ein Wechsel zum Automobilzulieferer Continental, der allerdings nicht lange währte. Schon nach zwei Monaten verließ sie den Konzern wieder. Der abrupte Abgang dort sorgte für Stirnrunzeln; trotzdem holte Palla sie in den Vorstand der Deutschen Bahn.

Palla selbst steht erst seit Oktober an der Spitze des Konzerns; vorher war sie im Vorstand zuständig für den Regionalverkehr. Seit ihrer Berufung baut sie den Konzern kräftig um. Im Auftrag von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat sie den Vorstand von acht auf sechs Posten reduziert. Die beiden fachlich versierten Bahnmanager Berthold Huber und Daniela Gerd tom Markotten mussten gehen, es entfielen die beiden Ressorts Infrastruktur und Digitalisierung. Schon das waren Abgänge, die auf breites Bedauern stießen.

Ruppiger ging Palla mit der DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta um, die nach einer langen Zeit intensiver Auseinandersetzungen mit der Eisenbahnergewerkschaft EVG der strauchelnden Güterverkehrssparte vor die Tür setzte. Die Tochtergesellschaft ist schon seit Jahren in finanziellen Turbulenzen, auf Druck der Europäischen Kommission muss die Tochtergesellschaft hart auf Profit getrimmt werden. Nikutta hatte deshalb dem Unternehmen ein hartes Sparprogramm verordnet, das allerdings bei einer Beratungsgesellschaft durchfiel.

Palla nahm dies zum Anlass, sich von Nikutta zu trennen und den Manager Bernhard Osburg auf den Posten zu setzen. Osburg kündigte erst kürzlich ein deutlich härteres Sparprogramm an. Er will das Personal bei DB Cargo in den nächsten Jahren um fast die Hälfte kürzen.

Für den Vorstand des Staatskonzerns bedeutet diese Rochade so viel Veränderung wie schon lange nicht. Von den ursprünglichen acht Vorständen sind nur noch drei da – und die Personalsuche wird nun noch weitergehen.