Dax-Rekordhoch: US-Intervention in Venezuela lässt die Börsen kalt

Es war erst der zweite Handelstag dieses Jahres, und auf dem Parkett der Frankfurter Börse konnte schon wieder gefeiert werden. Um 9.39 Uhr stieg der deutsche Leitindex Dax auf ein Rekordhoch: 24.777 Punkte und damit sechs Punkte mehr als der bisherige Höchststand, der im Oktober vergangenen Jahres erreicht wurde. Dass die USA am Wochenende den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gewaltsam aus dem Land entführt haben und ihm in New York wegen Drogenterrorismus den Prozess machen wollen, konnte die Märkte nicht erschüttern – offenbar im Gegenteil.
„So außerordentlich die Ereignisse auch sein mögen, Anleger können sich vielleicht mit einem einmaligen Event arrangieren. Was jetzt allerdings niemand gebrauchen kann, ist eine geopolitische Kettenreaktion“, schreibt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst Consorsbank , in seiner morgendlichen Einordnung der Marktlage. Dass der Dax nach der ausgefallenen Jahresendrally zu neuen Höhen strebt, hat allerdings auch hausgemachte Gründe. „Anleger scheinen fest entschlossen zu sein, die fundamentale Neuausrichtung der deutschen Wirtschaft – getragen von den Reformhoffnungen unter der Regierung Merz – in die Kurse einzupreisen“, schreibt Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus Activ Trades. Dennoch bleibe die Marktdynamik vorerst fragil, da das Handelsvolumen nach den Feiertagen erst allmählich wieder anziehe.
Rüstungswerte mit starken Gewinnen
Der Rekord des Dax hat aber auch seine Schattenseiten. Am Montagmittag standen bei gerade mal gut der Hälfte der Aktien der 40 Unternehmen der ersten Börsenliga positive Vorzeichen vor den Kursen. Einsam an der Spitze befand sich dabei der Rüstungskonzern Rheinmetall mit einem Kursplus von mehr als sieben Prozent. Unter den besten Werten im Mittelwerteindex M-Dax zogen die Aktien des Panzergetriebeherstellers Renk um knapp sieben und die des Rüstungselektronikspezialisten Hensoldt um fast acht Prozent im Kurs an. Damit holten die Rüstungswerte ihre Verluste des vierten Quartals weiter auf. Da hatten viele Anleger die zuvor starken Kursentwicklungen genutzt, um Gewinne mitzunehmen – auch in der Hoffnung auf ein mögliches Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Rüstungswerte profitieren aktuell davon, dass es nach wie vor keine Lösung für den Ukrainekrieg gibt. Hinzu kommt nun noch die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Venezuela. Zudem drohte US-Präsident Donald Trump nach dem Angriff auf Venezuela nun auch Kolumbien.
Gefragt waren aber auch die Aktien anderer Dax-Unternehmen wie Infineon , Siemens Energy und Daimler Truck, die um jeweils rund 2,5 Prozent im Kurs kletterten. Schwach präsentierten sich indes etwa die Rückversicherer Munich Re und Hannover Rück wie auch der Chemiekonzern BASF. Nicht nur in Frankfurt, auch in Asien zeigten sich die Anleger von der US-Intervention in Venezuela unbeeindruckt. In Tokio legte zum Beispiel der 225 Werte umfassende Nikkei-Index drei Prozent auf 51.833
Punkte zu. Die Börse Shanghai gewann 1,4 Prozent. Kauflaune herrschte vor allem bei Technologiewerten vor.
Nur auf den ersten Blick überraschend ist die Reaktion auf die Festnahme Maduros an den Ölmärkten. Diese zeigten sich kaum bewegt. Rohöl der Nordseesorte Brent war am frühen Montagmorgen sogar gut ein Prozent preiswerter als noch zum Wochenschluss kurz vor der Intervention der USA in dem südamerikanischen Land. Zwar hat Venezuela mit geschätzten knapp 300 Milliarden Barrel (159 Liter) die größten bekannten Erdölreserven der Welt – noch vor Saudi-Arabien und Kanada, jedoch handelt es sich vornehmlich um Schweröl, das zudem noch einen hohen Schwefelanteil hat und darum wirtschaftlich nur schwer zu nutzen ist. Zudem würde selbst ein Totalausfall Venezuelas die internationalen Ölmärkte nur peripher tangieren. Mit einer Million Barrel am Tag fördert Venezuela gerade mal ein Hundertstel der täglichen Menge auf der Welt von knapp 100 Millionen Barrel. Hinzu kommt, dass Öl aus Venezuela aufgrund seiner Beschaffenheit nur in wenigen Raffinerien in den USA und China verarbeitet werden kann, wobei das asiatische Land das meiste des in Venezuela geförderten Erdöls abnimmt.
Die Ankündigung von US-Präsident Trump vom Wochenende, die Ölindustrie in dem südamerikanischen Land mithilfe von US-Konzernen wiederbeleben zu wollen, könnte die Situation mittelfristig ändern und dann zu einem steigenden Angebot und damit niedrigeren Preisen führen. Einige Analysten weisen auch darauf hin, dass die durch das sogenannte Fracking geförderten Ölmengen in den USA nach dem Jahr 2030 wieder zurückgehen würden, „Nachschub“ aus Venezuela also gebraucht würde.
Am deutlichsten reagierten am Montag die Edelmetallmärkte auf die US-Intervention in dem südamerikanischen Land. Der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) etwa stieg um mehr als zwei Prozent auf 4424 Dollar. Damit steuert das gelbe Edelmetall auch am zweiten Handelstag des Jahres auf ein Plus zu. Der bisherige Höchststand von 4550 Dollar je Feinunze wurde am 26. Dezember erreicht. Derweil zog der Silberpreis sogar um fast vier Prozent auf 75,50 Dollar an.
Abschläge musste indes der Euro hinnehmen. Die europäische Gemeinschaftswährung verlor 0,3 Prozent an Wert und kostete am Montag zeitweise 1,1687 Dollar. Der Dollarindex, der den Wert der US-Währung gegenüber denen der wichtigsten Handelspartner darstellt, stieg um 0,2 Prozent auf 98,63.
Source: faz.net