Das pikante Geständnis von Christian Ulmen in einem acht Jahre alten Podcast
Es sind 2 Minuten und 56 Sekunden, in denen Schauspieler Christian Ulmen 2018 in einem „Zeit“-Podcast über eine vermeintlich lustige Anekdote aus seiner Jugend berichtet. Heute jedoch, einen Tag nach Bekanntwerden schwerer Vorwürfe gegen ihn, wirken seine Aussagen in einem anderen Licht.
Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes hatte im „Spiegel“ behauptet, Ulmen habe über zehn Jahre lang bereits existierende Deepfake-Pornografieaufnahmen von Fernandes an Männer verschickt. Die Schauspielerin soll dabei in erniedrigenden Posen gezeigt worden sein. In ihrem Namen soll er dann mit KI-generierter Stimme Telefonsex gehabt haben, angeblich habe Ulmen das sexuell befriedigt. Fernandes beschreibt die Taten als „virtuelle Vergewaltigung“, hat Strafanzeige gegen Ulmen in Spanien gestellt. Die Vorwürfe wurden unter anderem mit eidesstattlichen Versicherungen, Audioaufnahmen und Textnachrichten untermauert.
Ulmen hat sich bislang nicht geäußert, sein Anwalt teilt nach der Veröffentlichung mit: „Es handelt sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Zum anderen werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet.“
„Auf diesen Plattformen waren aber nur Männer“
Das, was Ulmen 2018 im „Zeit“-Podcast „Frisch an die Arbeit“ über seine Jugend erzählt, hat erstaunliche Parallelen zu den Vorwürfen von Collien Fernandes. In dem Podcast erzählt Ulmen: „Ich habe mein erstes Geld mit Telefonsex verdient.“ In den 1990er-Jahren, da sei er 15 gewesen, habe es Telefon-Plattformen gegeben, auf denen man sich über eine 0190-Telefonnummer einwählen und auf denen man sich als Mann mit Frauen und als Frau mit Männern verabreden konnte. „Auf diesen Plattformen waren aber nur Männer. Keine einzige Frau hat da je angerufen wahrscheinlich. Ich habe mir mit Freunden überlegt, lass uns doch da anrufen und einfach mit verstellten Stimmen Frauen spielen und mit Männern flirten. Einfach aus Spaß.“
Das habe immer funktioniert, so Ulmen weiter. „Irgendwann haben wir den Männern Telefonsex angeboten. Aber gegen Geld. Wir haben dann für 30 Mark Telefonsex gemacht.“ Er habe damals ein Konto bei der Deutschen Bank gehabt, wo das Geld hin überwiesen wurde. Viele Männer hätten nicht überwiesen.
„Du musst auch nicht gut stöhnen“
Es sei „wahnsinnig einfach“ gewesen, eine Frau nachzumachen, sagt Ulmen auf Nachfrage. „Die Männer wollten es.“ Am lustigsten seien die Männer gewesen, die devot gewesen seien und von Frauen dominante Befehle erbeten hätten. „Wir haben dann ‚Wieher wie ein Pferd‘ von den Männern verlangt“, was diese auch gemacht hätten. Das sei unfassbar lustig gewesen. „Und du musst auch nicht gut stöhnen, man hätte auch in den Hörer reinatmen können.“ Das hätte die Männer genauso erregt. „Die brauchten einfach die Vorstellung, da ist einer am anderen Ende, der all das tut, was man sich wünscht.“
Was er dabei gedacht habe, sagt er nicht und wird auch nicht gefragt. Ulmen habe damit aufgehört: „Irgendwann war das langweilig, weil es so einfach gewesen ist. Weil man nie aufgeflogen ist.“
Lars Petersen ist Leiter National im Investigativ-Team von WELT, Business Insider Deutschland und Politico Deutschland und kümmert sich seit Jahren um Machtkämpfe und Affären hinter den Kulissen von Wirtschaft und Politik. Sie haben Hinweise für ihn? Dann melden Sie sich gerne beim Autor, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (WTJPZ7PN)
Source: welt.de