„Das ist mir was auch immer zu wenig“ – Söder bezeichnet Rückholaktion welcher Bundesregierung wie unzureichend
Zehntausende Deutsche sind in der Golf-Region gestrandet. Erste Rückholaktionen sind heute gestartet, doch CSU-Chef Söder genügt das nicht. Er bringt gar den Einsatz von Bundeswehrmaschinen ins Spiel.
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder hält die Maßnahmen der Bundesregierung zur Rückholung von deutschen Staatsbürgern aus dem Nahen Osten für unzureichend und fordert die Prüfung des Einsatzes von Bundeswehrmaschinen.
Söder sagte am Donnerstag in einem Interview mit dem Nachrichtensender WELT: „Die oberste Pflicht eines Staates ist, die eigenen Bürger zu schützen und ihnen in Krisensituationen zu helfen.“ Konkret forderte er: „Ich würde jetzt unsere Kräfte darauf konzentrieren, unsere Urlauber heimzuholen. Das ist mir noch alles ein bisschen zu wenig. Das könnte noch verstärkt werden. Es sind zu wenig Maschinen im Einsatz.“
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Söder weiter: „Deutschland sollte selbst noch einmal prüfen, ob es nicht mehr eigene Möglichkeiten gibt, zum Beispiel auch mit Bundeswehrmaschinen zu helfen.“ Er höre, dass Italien, England und Frankreich da stärker selber im Einsatz seien. Und er wisse aus Anrufen von Deutschen aus der Region, dass die Situation sehr belastend sei. So müssten Urlauber aus ihren Urlaubsorten selbstständig mit eigenen Autos zu den wenigen Stützpunkten fahren, von denen aus zurückgeflogen werde.
„Es war am Anfang ein bisschen zäh“, sagt Söder über Wadephul
Der bayerische Regierungschef machte zudem deutlich, dass aus seiner Sicht Bundesaußenminister Johann Wadephul zu Beginn der Krise beim Thema Evakuierungsflüge zu wenig getan habe: „Es war am Anfang ein bisschen zäh, muss man dazu sagen.“
Nicht gelten lassen wollte Söder das Argument, dass die Urlauber auch eine Selbstverantwortung hätten: „Wir sind indirekt natürlich in diesem Krieg involviert, weil unsere deutschen Urlauber betroffen sind. Und das Argument, das ich höre: Naja, wer jetzt in den Urlaub fährt, ist selber schuld – sorry, was für ein Quatsch. Das sind deutsche Staatsbürger“.
Am Morgen ist der erste Evakuierungsflug der Bundesregierung mit Reisenden aus dem Nahen Osten am Flughafen in Frankfurt/Main gelandet. An Bord des Fluges LH345 waren Menschen, die von der Bundesregierung ausgewählt worden sind.
Zudem sollen heute zunächst 500 Kreuzfahrtgäste aus der Krisenregion ausreisen können. Von Tui Cruises liegen die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ mit einer Kapazität für insgesamt gut 5.000 Reisende wegen des Iran-Krieges in der Region fest.
Seit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran am Wochenende sind viele Reisende im Nahen Osten und anderen Weltregionen gestrandet. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind in der Region mindestens rund 30.000 deutsche Touristen gestrandet. An Flughäfen und auch auf Kreuzfahrtschiffen vor allem in der Golf-Region ging zeitweise nichts mehr.
rct/dpa/AP
Source: welt.de