Corona: Impfung senkt Risiko für Long Covid um 40 Prozent

Impfungen gegen Covid: Die Spritze schützt nicht nur vor schweren Erkrankungen, sondern senkt offenbar auch das Risiko für langfristige Beschwerden


Foto: Sven Hoppe / dpa

Für viele ist Corona mit der überstandenen Infektion noch nicht vorbei, die Betroffene plagen chronische Erschöpfung, Schmerzen, Herzrasen, teilweise über Wochen oder Monate hinweg. In Europa sind etwa 17 Millionen Menschen von Long Covid betroffen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation. Selbst Kinder und Jugendliche können daran erkranken, wenn auch deutlich seltener als Erwachsene.

Eine neue Studie  im Fachmagazin »Jama Internal Medicine« zeigt nun, wer ein besonders großes Risiko für Long Covid hat und wie man sich am besten dagegen schützt. Die Auswertung gilt als die bisher umfangreichste ihrer Art.

Demnach senkt eine Impfung das Risiko um 40 Prozent, vorausgesetzt, die Betroffenen haben zwei Dosen erhalten. In der Analyse wurde nicht unterschieden, ob die Menschen mit einem Vektorimpfstoff wie dem von AstraZeneca oder einem mRNA-Impfstoff wie von Biontech oder Moderna geimpft wurden.

Erschöpfung, Schwindel, Schmerzen

Für die Untersuchung hat ein britisches Forschungsteam 42 Studien zu Long Covid ausgewertet. Solche Metaanalysen gelten als besonders robust, weil sie nicht nur auf einzelnen Untersuchungen basieren, sondern Forschungsergebnisse bündeln. Die aktuelle Analyse berücksichtigt die Daten von insgesamt 860.000 Patientinnen und Patienten.

Aus den Informationen konnte das Forschungsteam mehrere Risikofaktoren für Long Covid herausfiltern:

  • Demnach steigern etwa Übergewicht und Rauchen das Risiko.

  • Frauen und Menschen ab 40 Jahren sind häufiger betroffen.

  • Patienten, die mit Covid-19 ins Krankenhaus mussten, bekamen später ebenfalls häufiger die Diagnose Long Covid. Allerdings sind auch Menschen betroffen, deren Infektion symptomlos verlaufen war.

  • Auch Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Depressionen gingen häufiger mit Long Covid einher.

Medizinerinnen und Mediziner stellt Long Covid noch immer vor ein Rätsel : Weil die Symptome so unterschiedlich sind, fehlt ein einheitliches Krankheitsbild. Einen Test, mit dem sich Long Covid nachweisen lässt, gibt es nicht. Ebenso wenig eine einheitliche Therapie.


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»Atemnot, Husten, Herzrasen, Kopfschmerzen, starke Müdigkeit gehören zu den häufigsten Symptomen«, sagt Kardiologe Vassilios Vassiliou von der University of East Anglia, der an der aktuellen Studie mitgearbeitet hat. Das Erschöpfungssyndrom Fatigue, ist auch von anderen Virusinfektionen bekannt wie dem Epstein-Barr-Virus.

Betroffene von Long Covid berichten  zudem von Brustschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Gelenkschmerzen, Angstzuständen, Appetitlosigkeit, Tinnitus, anhaltende Veränderungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Einige sagen, in ihrem Gehirn ziehe eine Art Nebel auf.

Ursachen noch immer unklar

Bei vielen klingen die Beschwerden von allein ab. Einige Long-Covid-Patienten haben wiederum eine extreme Belastungsintoleranz. Selbst Zähneputzen kann in solchen Fällen zu anstrengend sein . In der aktuellen Studie berücksichtigte das Forschungsteam Beschwerden, die auch mehr als drei Monate nach der Infektion noch akut waren. Im Fachjargon ist in solchen Fällen von Post-Covid die Rede.

Als Long Covid werden Beschwerden zusammengefasst, die im Anschluss an eine Coronainfektion auftreten, die über die akute Krankheitsphase von vier Wochen hinausgehen.

Vom Post-Covid-Syndrom ist die Rede, wenn Beschwerden mindestens 12 Wochen und länger nach der akuten Infektion entweder noch vorhanden sind oder nach diesem Zeitraum neu auftreten und nicht anderweitig erklärt werden können.

»Es war beruhigend zu sehen, dass geimpfte Personen im Vergleich zu Ungeimpften ein deutlich geringeres Risiko hatten an Post-Covid zu erkranken«, sagt Vassiliou weiter. Schon vorherige Studien hatten gezeigt, dass eine Impfung das Risiko senken kann.

Allerdings gibt es Hinweise, dass eine erneute Impfung nach einer Durchbruchsinfektion nur einen teilweisen Schutz vor Long Covid bietet. Von Durchbruchsinfektion ist die Rede, wenn sich ein Geimpfter ansteckt. Ob die Impfungen also auch langfristig das Risiko für Long Covid senken, muss sich zeigen.

Die genauen Ursachen für Long Covid sind bislang unbekannt. Möglicherweise kursiert im Körper der Betroffenen das Virus weiterhin, oder Gewebe haben durch die Infektion Schaden genommen. Möglicherweise leitet das Virus die körpereigene Immunabwehr auch fehl und sorgt auf diese Weise dafür, dass sich der Körper selbst angreift.

Laut Daten aus Großbritannien  liegt die Wahrscheinlichkeit für Long Covid nach einer Infektion mit dem Coronavirus bei fast elf Prozent. Bei der Omikron-Variante ist das Risiko demnach etwa halb so groß.


koe