Commerzbank-Aktie verliert: Der Plan welcher Commerzbank zu Händen 2026 missfällt welcher Umschlagplatz
Der Vorstand der Commerzbank hat am Mittwoch klare Ziele für 2026 gesteckt. So erwarten die Vorsitzende Bettina Orlopp und Finanzvorstand Carsten Schmitt einen Gewinnanstieg nach Steuern von 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf mindestens 3,2 Milliarden Euro. Damit käme die Commerzbank auf eine Nettorendite auf das Eigenkapital von 11,2 Prozent nach zuletzt acht Prozent. Die meisten Aktienanalysten reagierten unaufgeregt, sind sie es doch inzwischen gewohnt, dass der Commerzbank-Vorstand jedes Quartal „liefert wie versprochen“. Die Deutsche Bank etwa sprach von guten Zahlen für das vierte Quartal 2025, andere sahen „keinen Grund zum Jubeln“. Die meisten behielten ihre Kursziele bei. Die DZ Bank nahm ihre Verkaufsempfehlung zurück, stuft nun die Commerzbank-Aktie mit „halten“ und steckt ein Kursziel von 34 Euro.

Der Commerzbank-Vorstand betonte auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch dagegen hartnäckig, der Gewinn für 2025 sei dank eines guten vierten Quartals höher ausgefallen als erwartet. Tatsächlich hatte die Commerzbank schon am Dienstag eine um 70 Prozent auf 1,10 Euro erhöhte Dividende verkündet, die sie nach der Hauptversammlung am 20. Mai 2026 je Aktie zahlen will. Am Mittwoch nun habe der Vorstand die Ziele für 2026 „nach einem exzellenten Start im Januar“ zum Teil hochgenommen. Sie stellten eine „konservative Untergrenze unserer Planung“ dar, betonte Orlopp. Es gebe Potential für mehr.
Der Versuch des Vorstandes, mit dieser Art der Kommunikation den Aktienkurs nach oben zu treiben, misslang zumindest am Mittwoch. Während der Bilanzpressekonferenz rutschte die Commerzbank-Aktie kurz unter 33 Euro und setzte sich mit einem Tagesverlust von gut fünf Prozent an das Dax-Ende. Zum Handelsschluss holte sie wieder etwas auf und kostete rund 34,55 Euro, ein Tagesminus am Handelsende von genau 2 Prozent. Diese Kursbewegungen sind besonders deswegen bedeutsam, weil sich die Commerzbank gegen eine Übernahme durch die italienische Bank Unicredit rüstet – und ein hoher Aktienkurs ihr bester Schutz ist.
Unicredit-Aktie legte zuletzt stärker zu – das kann wichtig werden
Allerdings hat sich Unicredits Aktienkurs zuletzt besser entwickelt. Betrachtet über sechs Monate hinweg, hat die Commerzbank-Aktie sechs Prozent verloren, die Unicredit-Aktie zwölf Prozent gewonnen. Über zwölf Monate hinweg hat die Commerzbank indes mit einem Kursplus von 78 Prozent gegenüber Unicredit mit 60 Prozent noch die Nase vorn. Diesen Blick nahm vermutlich Orlopp ein, als sie, auf die Tagesverluste angesprochen, riet, es sei „heilsam und gut für die Nerven“, den Trend anzuschauen: „The trend is our friend“ sagte sie kurz auf Englisch.
Dabei könnte die Commerzbank vor unruhigen Wochen stehen. Von Mitte Februar an dürfte Unicredit, die schon auf 29 Prozent der Commerzbank-Aktien Zugriff hat, den übrigen Aktionären nach dem Übernahmegesetz mit Überschreiten des Anteils von 30 Prozent einen Preis bieten, der nicht nur Barmittel, sondern auch eigene Aktien beinhaltet. Daher ist die relative Kursentwicklung der beiden Bankaktien wichtig. Orlopp sagte dazu, sie erwarte kein derartiges Angebot. Sie hält, so ähnlich äußerte sich auch ihr „Counterpart“ Andrea Orcel von Unicredit am Montag, den Börsenwert der Commerzbank derzeit für zu hoch, um für die italienische Bank als Kompletterwerb attraktiv zu sein. „Aber wir sind auf alles vorbereitet“, fügte Orlopp hinzu. Solange „nichts auf dem Tisch liegt“, konzentriere sich die Commerzbank auf ihre eigene Strategie.
Aquila Capital erweist sich als teurer Flop
Dazu gehörten weitere Zukäufe im Fondsgeschäft und in der Vermögensverwaltung, sagte Orlopp. Sie sollten aber leicht zu integrieren sein und die IT nicht lahmlegen. Allerdings ging beim letzten Erwerb vor zwei Jahren an anderer Stelle allerhand schief. Zwei Fonds des Vermögensverwalters Aquila Capital, der seit mehr als 20 Jahren auf Projekte für erneuerbare Energien spezialisiert ist, gerieten in Schieflage. Die Commerzbank hat sich nach den Worten von Finanzvorstand Carsten Schmitt entschieden, die als Vermögenswert in der Bilanz aktivierten künftigen Erlöse aus dem Kundenstamm vollständig zulasten des Gewinns des Jahres 2025 abzuschreiben: 117 Millionen Euro. Zudem belasteten 562 Millionen Euro an Abfindungen für Mitarbeiter, die eine der im Inland wegfallenden 3000 Stellen verlieren, den Jahresgewinn vor Steuern. Beide Kostenblöcke werden nach Schmitts Worten 2026 nicht wieder auftauchen. „Damit sind wir durch.“
Auch als Last wegfallen werden künftig Gerichtsverfahren in Polen rund um Franken-Kredite der Tochtergesellschaft M-Bank. Entschädigungen an Kunden drückten 2024 den Konzerngewinn um mehr als eine Milliarde Euro, 2025 waren es noch 483 Millionen Euro. Außerdem soll der Einsatz von Künstlicher Intelligenz den Kostenanstieg begrenzen, sodass die Erträge stärker steigen. Es gebe keinen Bereich der Bank, in dem KI nicht getestet werde, sagte Orlopp und nannte drei konkrete Anwendungen, etwa die Identifizierung von Betrugsfällen. Arbeitsplätze seien durch KI noch nicht weggefallen. Bisher gehe es darum, das Leben für die Beschäftigten leichter zu machen.
M-Bank glänzt mit Ertragswachstum – Franken-Probleme beendet
Die M-Bank stehe, anders als früher schon mal, nicht zum Verkauf – auf eine entsprechende Frage sagte Orlopp: „Die M-Bank macht uns Freude.“ Tatsächlich wuchsen ihre Erträge 2025 um 32 Prozent und damit herausragend stark. Die M-Bank steht damit für knapp 20 Prozent der Konzernerträge. Mit rund zwei Dritteln trägt dazu das Zinsgeschäft am meisten bei. Für die wichtigste Ertragsquelle hob die Commerzbank die Prognose für 2026 auf einen Zinsüberschuss von 8,5 Milliarden Euro an. Der 2025 von der Europäischen Zentralbank auf zwei Prozent gesenkte Leitzins belaste den Zinsüberschuss zwar etwas. Aber längere Kreditausleihungen blieben ähnlich teuer, sodass die Zinskurve über die Laufzeiten hinweg steiler wurde – für eine Bank mit rund 50 Milliarden Euro Einlagenüberschuss eine gute Sache.
Darüber hinaus soll auch der Provisionsüberschuss, also die Gebühreneinnahmen, um jährlich 7 Prozent wachsen. Auch dafür hat die Commerzbank, zulasten der Kundenzufriedenheit, wie Orlopp zugab, im Jahr 2025 das kostenlose Girokonto abgeschafft. Aber das alles sind wichtige Schritt, um im Jahr 2026 eben eine Nettoeigenkapitalrendite von mehr als 11 Prozent und im Jahr 2028 sogar von 15 Prozent zu erreichen.
Orlopp äußerte sich auch kurz zur Weltpolitik. Europa müsse seinen Platz in einer neuen Weltordnung noch finden. Die Commerzbank sei für den Mittelstand da in einer Zeit des Umbruchs. „Wir sind die Bank für Deutschland“, sagte sie selbstbewusst, gab aber auch zu, dass die Kreditnachfrage vor allem von Großunternehmen für Investitionen im Ausland und von der öffentlichen Hand, etwa kommunalen Stadtwerken, belebt werde. Zur Abhängigkeit zu den USA, sagte Schmitt, 15 Prozent der Vermögenswerte der Commerzbank steckten in Dollar. Auf Nachfrage bestätigte der Finanzvorstand, dass die Bankenaufsicht mehr Fragen als früher zur Dollarliquidität stelle. Hier sei die Commerzbank dank ihrer eigenen Niederlassung in den USA und dank Dollaranleihen gut aufgestellt.
Source: faz.net