Claudia Major: „Putin redet die ganze Zeit mit uns“

Wenn in der Ukraine
tatsächlich ein Waffenstillstand käme – was wäre dann mit dem hybriden Krieg? Drohnen,
Cyberangriffe und Desinformation gegen Europa lassen Begriffe wie „Frieden“ und
„Krieg“ verschwimmen. Die Politikwissenschaftlerin Claudia Major zählt zu den relevanten Stimmen der deutschen
Strategiedebatte. Hier erklärt sie Putins Denkmuster und warum Eskalation kein
Schreckgespenst ist.

DIE ZEIT: Frau Major, ab wann herrscht eigentlich Krieg?

Claudia Major: Erst mal gilt die völkerrechtliche
Definition: Klassisch ist es ein organisierter, gewaltsam ausgetragener
Konflikt zwischen Staaten oder Gruppen. Krieg beginnt mit einer
Kriegserklärung. Krieg heißt, mit militärischen Mitteln eine politische Frage
zu klären, also dem Gegenüber seinen Willen aufzuzwingen. Das ist der Ansatz
von Clausewitz, dass Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist.
Aber Staaten zwingen anderen ihren Willen auch zunehmend auf, indem sie
unterhalb der Schwelle militärischer Gewalt operieren.