Christophe Leribaut: Louvre-Chefin schon ersetzt

Über die Nachfolge der Louvre-Direktorin Laurence des Cars hat Macron offenbar schon länger nachgedacht. Nur einen Tag nach deren Demission stellte er nun als neuen Leiter den Kunsthistoriker Christophe Leribaut vor, bislang Chef von Schloss Versailles und zuletzt mit einer Ausstellung zu Gian Lorenzo Berninis Marmorbüste des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und mit einer strategisch klugen Kooperation zur Versailler Kunst mit Hongkongs Palace Museum hervorgetreten. Zuvor leitete dieser wie schon des Cars das Musée d’Orsay sowie den Petit Palais. Auch Louvre-Erfahrung bringt Leribaut mit. Die bisherige Direktorin des Pariser Petit Palais, Annick Lemoine, wiederum rückt als neue Leiterin des Musée d’Orsay nach.

Des Cars dagegen wollte zum Schluss nur noch weg. Bereits unmittelbar nach dem mehr als unglücklichen Juwelenraub im Louvre hatte sie ihren Rücktritt angeboten, was die französische Kulturministerin Rachida Dati damals ablehnte. Nach vielen weiteren Krisen wie wiederholten Wassereinbrüchen in baulich desolaten Louvre-Trakten, einem aufgedeckten, aber von ihr nicht bemerkten Ticketbetrug in großem Stil und zunehmendem Unmut ihrer teils bis zu vier Tage lang streikenden Beschäftigten hatte sie angekündigt, die Organisation des Louvre einer scharfen Prüfung zu unterziehen. Was ent­weder ausblieb oder sie in ihrem Entschluss des Hinwerfens noch bestärkte.

Die wöchentlichen Streiks und Krisen lähmten den Louvre immer mehr

Dabei waren die Streiks so harmlos nicht: Allein die viertägige Schließung kostete des Cars 2,5 Millionen Euro an entgangenen Einnahmen; vor allem aber wurde ihr vorgeworfen, ihre ständigen Aufforderungen zur weiteren Steigerung der Besucherzahlen des ohnehin schon meistbesuchten Museums der Welt hätten die Mitarbeiter vollends überlastet, während die Sicherheit – siehe Juwelenraub – unter dem Outsourcing an Fremdfirmen massiv gelitten habe.

Auch die von Staatspräsident Macron zugesagten Mittel zur baulichen Ertüchtigung des stark sanierungsbedürftigen Louvre wird sie als deutlich zu gering erkannt haben. Des Cars war Expertin für das neunzehnte Jahrhundert, die zeitliche und globale Breite des Universalmuseums Louvre schien sie zu überfordern.

Im Wochentakt hingen zuletzt Aktivisten Agitationsbilder in Säle wie in jenen der Mona Lisa, so etwa vorgestern ein Epstein-Andrew-Foto, das erst nach fünfzehn Minuten abgehängt wurde. Leribaut ist angesichts der vielen Baustellen des Louvre nicht zu beneiden.

Source: faz.net