ChatGPT-Entwickler: Open AI gibt Videoplattform Sora uff

Sora ist ein KI-System, das Textbefehle in Videos umwandelt. Open AI hat die Technologie 2024 vorgestellt. Erst im vergangenen Herbst hat das Unternehmen eine eigene Sora-App für Smartphones angekündigt, die es ermöglichte, KI-Videos nicht nur zu erstellen, sondern auch wie in einem sozialen Netzwerk zu teilen. Damit schickte sich Open AI an, zu einem Konkurrenten von Unternehmen wie Meta und Tiktok zu werden.
Nun aber wird dieses Videoangebot wieder aufgegeben. „Wir sagen ‚Goodbye‘ zu Sora“, schrieb Open AI auf der Plattform X, und fügte mit Blick auf die Nutzer der Technologie hinzu: „Wir wissen, dass diese Nachricht enttäuschend ist.“
Die Sora-App stieß nach ihrer Veröffentlichung auf ein gewaltiges Echo und zählte zeitweise zu den am meisten heruntergeladenen Smartphone-Apps. Allerdings ist es in jüngster Zeit deutlich ruhiger um sie geworden. Und Open AI scheint im Moment allgemein zu versuchen, sein Geschäft stärker zu fokussieren: Noch im vergangenen Jahr stellte das Unternehmen in kurzen Abständen immer neue Produkte vor, darunter zum Beispiel einen eigenen Internetbrowser.
„Code Red“
Im Dezember rief Vorstandschef Sam Altman dann aber einen „Code Red“ in seinem Unternehmen aus, also gewissermaßen „Alarmstufe Rot“. Er erklärte es dabei zur Priorität, das Kernprodukt ChatGPT zu verbessern, und kündigte an, andere Initiativen zu verschieben. Dies wurde als Hinweis gewertet, dass Open AI sich verstärkt von der Konkurrenz unter Druck gesetzt fühlt. Gerade Google ist mit der jüngsten Generation seines KI-Modells Gemini auf sehr positive Resonanz gestoßen.
Die Bereinigung der Produktpalette wird von Beobachtern auch im Zusammenhang mit Börsenplänen gesehen. In der Branche wird damit gerechnet, dass Open AI und auch sein Wettbewerber Anthropic in naher Zukunft an die Börse gehen wollen, möglicherweise noch in diesem Jahr.
Open AI ist eines der am höchsten bewerteten Unternehmen der Welt, das noch nicht an der Börse ist. Der ChatGPT-Entwickler schloss erst vor wenigen Wochen eine neue Finanzierungsrunde ab und sammelte 110 Milliarden Dollar ein. Er wurde dabei inklusive dieses Betrags mit 840 Milliarden Dollar bewertet.
Rasantes Wachstum
Open AI wächst rasant. Das Unternehmen hat nach einem Bericht der „New York Times“ 2025 einen Umsatz von 13 Milliarden Dollar erzielt und peilt für dieses Jahr eine Verdreifachung an. Es dürfte aber noch mit immensen Verlusten arbeiten. ChatGPT hat Open AI zufolge mittlerweile mehr als 900 Millionen Nutzer in der Woche.
Der Rückzieher mit Sora bedeutet auch ein schnelles Ende einer erst im Dezember groß angekündigten Allianz zwischen Open AI und dem Unterhaltungskonzern Walt Disney. Die beiden Unternehmen wollten es Nutzern von Sora im Rahmen eines Lizenzabkommens ermöglichen, Videos mit insgesamt 200 Disney-Figuren zu erstellen, zum Beispiel Mickey Mouse oder Figuren aus Filmreihen wie „Die Eiskönigin“ und „Star Wars“.
Disney sagte damals auch, eine Auswahl der mit seinen Figuren gemachten Videos auf seinem Streamingdienst Disney+ zeigen zu wollen. Zu dem Bündnis sollte es zudem gehören, dass Disney eine Beteiligung im Wert von einer Milliarde Dollar an Open AI kauft.
Als die Allianz angekündigt wurde, hieß es in der Branche, sie könnte wegweisenden Charakter für Hollywood haben. Disney war der erste Unterhaltungskonzern, der sich darauf einließ, sein geistiges Eigentum in großem Stil für ein KI-Unternehmen freizugeben. Dies ist nun aber Makulatur.
Disney teilte jetzt mit, die Entscheidung von Open AI, „seine Prioritäten anderswohin zu verschieben“, zu respektieren. Das Unternehmen wolle aber auch in der Zukunft weiter mit KI-Plattformen zusammenarbeiten.
Die Partnerschaft mit Open AI wurde noch vom früheren Disney-Vorstandschef Bob Iger eingefädelt. Iger hat seinen Posten an der Disney-Spitze erst in der vergangenen Woche übergeben. Sein Nachfolger ist Josh D’Amaro, der bisher das Geschäft des Unternehmens mit Freizeitparks geführt hat.