Chamenei-Sohn Modschtaba hat beste Chancen aufwärts die Macht im Iran
Am Dienstag haben 88 Kleriker im Iran getagt, um einen Nachfolger für Ajatollah Ali Chamenei zu finden. Berichten zufolge ist dessen Sohn Modschtaba der klare Favorit. Damit hätten sich die Hardliner durchgesetzt, auch wenn er eine wichtige Eigenschaft nicht mitbringt.
Die Machtfrage im Iran scheint geklärt: Medienberichten zufolge soll Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, die besten Chancen haben, an die Spitze der Islamischen Republik rücken. Das berichten übereinstimmend die „New York Times“ und das Exil-Medium „Iran International“.
Nach der iranischen Verfassung wird der Revolutionsführer von der höchsten Klerikerversammlung der Islamischen Republik bestimmt, dem Expertenrat mit seinen derzeit 88 Mitgliedern. Die Experten schalteten sich am Dienstag zu zwei Gesprächen zu samen, um einen Nachfolger für Ajatollah Chamenei auszusuchen.
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Unter Berufung auf drei mit dem Treffen vertraute Iraner berichtet die „New York Times“, dass Modschtaba Chamenei als klarer Favorit aus den Gesprächen ging. Wie „Iran International“ schreibt, sollen die Revolutionsgarden Druck ausgeübt haben, um Modschtaba Chamenei durchzusetzen.
Der 56-Jährige gilt als Hardliner. Er soll laut „New York Times“ schon länger im Schatten seines Vaters gehandelt und enge Bindungen an die Revolutionsgarden haben, bei denen er um 1987 im Iran-Irak-Krieg (1980–1988) diente. Anschließend soll er bei angesehenen Klerikern studiert und sein Netzwerk ausgebaut haben. 2005 soll er am Wahlsieg des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten mitgewirkt haben.
Modschtaba Chamenei hat als Kleriker allerdings wie schon sein Vater bei seiner Wahl 1989 kein besonders hohes Ansehen. Nach dem Tod des ersten Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Chomeini wurde auch Ali Chamenei mit Unterstützung der Revolutionsgarden ausgewählt, obwohl er anders als Chomeini kein „Mardscha“, also keiner der wenigen schiitischen Kleriker mit der höchsten Stufe der Autorität war. Auch seinem Sohn fehlt diese Eigenschaft.
Nach Angaben der „New York Times“ gehört zur Favoritengruppe auch der Kleriker und Jurist Aliresa Arafi, der Teil des Führungsrates ist, der nach dem Tod des Ayatollahs Chamenei die Macht ausübt. Außerdem wird der Name von Hassan Chomeini genannt, einem Enkel des ersten Revolutionsführers. Beide werden allerdings zum Lager der Moderaten gerechnet, die eher für einen Ausgleich mit der internationalen Gemeinschaft, eine kompromissbereitere Haltung in der Atomfrage und eine Priorisierung von Öffnung und Stärkung der Wirtschaft stehen.
Schon am Mittwoch könnte die Entscheidung der Klerikerversammlung offiziell verkündet werden. Mit Modschtaba Chamenei hätten sich einmal mehr die Hardliner und Revolutionsgarden durchgesetzt.
Source: welt.de