Castor-Transport in NRW: Atommüll am Zielort Ahaus angekommen

Ein Radioaktiv-Schild an einer Bahnstrecke

Stand: 25.03.2026 • 09:06 Uhr

152 Behälter mit rund 300.000 Brennelement-Kugeln sollen aus einem alten Versuchsreaktor in Jülich nach und nach in Richtung Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus transportiert werden. In der Nacht zu Mittwoch ist der erste Transport angekommen.

Von Marie Roters

Nach WDR-Informationen startete der Transport am Dienstagabend kurz nach 22 Uhr. Für die Sicherheitsbehörden bedeutete das einen Großeinsatz. 2.400 Polizistinnen und Polizisten sicherten laut NRW-Innenministerium die hochradioaktive Ladung ab: Zum Beispiel am Startpunkt am Forschungszentrum Jülich – oder in Ahaus, wo der Atommüll ins Zwischenlager soll. Um 2 Uhr in der Nacht ist der erste Transport angekommen. Laut Polizei verlief der erste Transport ohne besondere Zwischenfälle.

Die Castoren mussten etwa 170 Kilometer vom Kreis Düren bis ins Münsterland transportiert werden, einmal quer durch Nordrhein-Westfalen. Der tonnenschwere Spezial-Lastwagen ist dabei in erster Linie über die Autobahnen in NRW gefahren.

90 Millionen Euro für den Transport nach Ahaus

Bereits seit 2013 steht fest: Der Atommüll in Jülich muss weg, denn seitdem besteht keine Aufbewahrungsgenehmigung mehr. Kurzzeitig stand auch der Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich im Raum – das hatte man wegen hoher Kosten wieder verworfen.

Gelbe Castorenbehälter im Forschungs-Zentrum Jülich

Nach Angaben der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) sollen die Vorbereitung und der Transport in das Brennelemente-Zwischenlager nach Ahaus 90 Millionen Euro kosten, die Kosten für den begleitenden Polizeieinsatz über die Autobahn nicht eingerechnet. Ein neues Zwischenlager in Jülich wäre demnach deutlich teurer.

Kritik der Atomkraftgegner am Zwischenlager

Atomkraftgegner kritisieren den Castor-Transport seit Jahren. Bei einem Infoabend warfen sie den Betreibergesellschaften vor, eine alternative Lagerung in Jülich nicht ausreichend geprüft zu haben. Ein Kritikpunkt: Der Atommüll wird nicht in ein Endlager, sondern in Ahaus in ein weiteres Zwischenlager gebracht.

Darüber hinaus stellten die Atomkraftgegner die Sicherheit der Transporte in Frage. Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft versicherte aber, dass die Strahlung während der Transporte geringer sei als die tägliche Hintergrundstrahlung. Demnach müsse man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem Langstreckenflug ohne Zwischenstopp 20 Stunden im Flieger.

Verschiedene Initiativen gegen Atomkraft demonstrierten seit dem frühen Dienstagabend gegen die Transporte – sowohl in Jülich als auch in Ahaus.

Kritik auch von der Landesregierung

Die NRW-Landesregierung ist ebenfalls gegen die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus. „Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castor-Transporte gerne verzichten“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Vorfeld. Das sieht auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur so. „Wir hätten uns eine andere Entscheidung des Bundes gewünscht und haben dazu in der Vergangenheit alle Handlungsoptionen ausgeschöpft, um unnötige Transporte zu vermeiden.“ Das Land habe keine Entscheidungsgewalt in dieser Sache, so die Grünen-Politikerin.

Das Zwischenlager in Ahaus

Vor knapp vier Jahren hatten CDU und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, sich „für eine Minimierung von Atomtransporten“ einzusetzen. „Im Fall der in Jülich lagernden Brennelemente bedeutet dies, dass wir die Option eines Neubaus eines Zwischenlagers in Jülich vorantreiben“, heißt es dort weiter.

Ein solcher Neubau wäre Voraussetzung gewesen, um die Transporte zu verhindern. Die Landesregierung hatte dafür Grundstücke in Jülich gesichert und auch Geld im Landeshaushalt eingestellt. Das nützte nichts, denn das letzte Wort in der Frage „Transport oder Neubau“ hat der Bund.

Der hat zwar die Neubau-Pläne für ein Jülicher Zwischenlager nie offiziell für beendet erklärt, der Prozess dauert aber sehr lange – eine Genehmigung dafür liegt bis heute nicht vor. Die Transport-Lösung nach Ahaus dagegen kam schneller voran.

BUND scheitert mit Klage

Der Umweltverband BUND hatte in der Vergangenheit versucht, die Transporte mit einer Klage zu stoppen. Anfang März entschied jedoch das zuständige Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg: Die Castor-Transporte dürfen stattfinden.

Der Transport der Castoren

Bis zu vier Schwerlasttransporter zu je 130 Tonnen können jeweils einen Castor von Jülich nach Ahaus transportieren. Insgesamt soll der Konvoi um den Castor-Transport rund 100 Fahrzeuge umfassen, außerdem sind mehrere tausend Polizeibeamte in ganz NRW im Einsatz, schätzt die Polizeigewerkschaft GdP.

Die Genehmigung dafür wurde im Sommer 2025 erteilt und ist zwei Jahre gültig. Bei insgesamt 152 Castoren mit Atommüll ist in nächster Zeit also mit vielen Castortransporten ins Münsterland zu rechnen.

In Ahaus befindet sich eines von insgesamt 16 Zwischenlagern – dort wird aktuell der Atommüll gelagert. Ein Endlager gibt es derzeit noch nicht, nach einem passenden Standort wird gesucht.

Unsere Quellen:

  • BGZ Ahaus
  • JEN Jülich
  • Bundesamt BASE
  • Stadt Ahaus
  • Landesregierung NRW
  • Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND
  • Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“

Sendung: WDR.de, Castor-Transport soll starten: Atommüll aus Jülich kommt nach Ahaus, 24.03.2026, 5.59 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 24.03.2026,19:30 Uhr

Hinweis der Redaktion am 24.03.2026 um 18.30 Uhr:

In einer früheren Version des Textes stand, dass man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen müsse, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem 20-stündigen Flug nach New York. Gemeint sind aber ohne Zwischenstopp 20 Stunden im Flieger. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

Source: tagesschau.de