Business-Ticker: 650 Milliarden Dollar Investitionen in KI – die Angst vor einer Blase wächst

Vier der größten amerikanischen Tech-Konzerne haben zusammen mehr als 650 Milliarden Dollar Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) angekündigt – alleine in diesem Jahr. Die Mittel sollen in gewaltige neue Rechenzentren fließen und in das entsprechende Equipment wie spezielle KI-Chips, Netzwerkkabel oder Notstromaggregate. Die von der Google-Muttergesellschaft Alphabet, dem Onlinehändler und Cloudanbieter Amazon, dem Social-Media-Konzern Meta und dem Softwarehersteller Microsoft geplanten Ausgaben zielen darauf ab, im Wettrennen um die beste KI die Nase vorne zu haben. Dieser Ausgabenboom ist außergewöhnlich, wie eine Analyse des Finanzdienstes Bloomberg zeigt: Die geschätzten Ausgaben jedes dieser Unternehmen für dieses Jahr sind demnach jeweils die höchsten Investitionsausgaben eines einzelnen Unternehmens in den zurückliegenden zehn Jahren.
Um einen Vergleich für die hochfliegenden Ausgabenprognosen zu finden, die in den letzten zwei Wochen mit der Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse bekannt gegeben wurden, müsse man mindestens bis zur sogenannten Telekommunikationsblase in den neunziger Jahren zurückgehen. Oder womöglich sogar bis zum Ausbau des amerikanischen Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert, zu den nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Investitionen in den Auf- und Ausbau des amerikanischen Autobahn-Systems oder zu den Hilfsprogrammen der „New-Deal-Ära“.
Die nun angekündigten weiter wachsenden Ausgaben für KI wiederum, die einem Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen, beschleunigen den Bau von Rechenzentren rund um die Welt noch einmal. Dieses KI-Wettrüsten beeinträchtigt längst die Energieversorgung und führt zu Sorgen über höhere Preise für andere Nutzer. Es hat die KI-Entwickler mitunter in Konflikte mit Gemeinden gebracht, die sich um den Wettbewerb um Strom oder Wasser sorgen. Außerdem steige dadurch das Risiko, dass die Bauausgaben einer kleinen Gruppe wohlhabender Unternehmen, die schon einen steigenden Anteil an der Wirtschaftstätigkeit in den USA haben, die gesamtwirtschaftlichen Daten verzerren, glauben Fachleute. Die vier Unternehmen „sehen den Wettlauf um die Bereitstellung von KI-Rechenleistung als den nächsten Markt, auf dem der Gewinner alles oder fast alles bekommt“, sagte Gil Luria, Fachmann von DA Davidson, gegenüber Bloomberg. „Und keiner von ihnen ist bereit, zu verlieren.“
In der vergangenen Woche gab der Meta-Konzern bekannt, dass die Investitionsausgaben für das Gesamtjahr auf bis zu 135 Milliarden Dollar steigen werden – ein potenzieller Anstieg von etwa 87 Prozent. Microsoft meldete am selben Tag einen Anstieg der Investitionsausgaben im zweiten Quartal um 66 Prozent und übertraf damit die zuvor gehegten Erwartungen der professionellen Marktbeobachter. Im Gegensatz dazu werden die größten amerikanischen Automobilhersteller, Baumaschinenhersteller, Eisenbahngesellschaften, Rüstungsunternehmen, Mobilfunkbetreiber, Paketdienstleister sowie Exxon Mobil, Intel, Walmart und die aus General Electric hervorgegangenen Unternehmen – insgesamt 21 Firmen – laut Schätzungen von Bloomberg im Jahr 2026 zusammen voraussichtlich 180 Milliarden Dollar ausgeben.
Die Reaktionen der Anleger auf die neuen Investitionszahlen fallen ernüchternd aus. Die Kurse von Amazon, Alphabet und Microsoft gaben jeweils deutlich nach. Außerdem verminderten sich die Aktienkurse anderer Softwarehersteller erheblich, der des Bitcoin gleichsam. Fachleute begründen dies mit der wachsenden Furcht vor einer abermaligen Blase an den Finanzmärkten – sie hinterfragten zunehmend, ob diese Ausgaben sich wirklich auszahlen werden in absehbarer Zeit.