Bundesstaat New York: Polizei lässt Sehbehinderten unbesetzt, die Familie weiß von nichts – dann stirbt er








In Buffalo trauern Familie und Freunde um einen Flüchtling aus Myanmar. Nurul Amin Shah Alams Todesumstände empören nicht nur den Bürgermeister der US-Stadt.

Der Tod eines 56-jährigen Flüchtlings in Buffalo im US-Bundesstaat New York sorgt für Aufsehen. Der nahezu blinde Nurul Amin Shah Alam aus Myanmar war zunächst fünf Tage lang verschwunden und wurde anschließend tot in der Innenstadt entdeckt. Zuvor hatten ihn Beamte der US-Grenzschutzbehörde (CBP) aus dem Gefängnis freigelassen, zu einem Schnellrestaurant gebracht und dort abgesetzt.



Shah Alam befand sich seit einem Jahr in der Haftanstalt. 2025 war er von der Polizei wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Waffenbesitz festgenommen worden. Die Festnahme erfolgte aufgrund eines Vorfalls, bei dem sich Shah Alam während eines Spaziergangs verirrt hatte und sich dann auf der Veranda eines fremden Hauses wiederfand. Laut seinem Anwalt benutzte er dabei eine Gardinenstange als Gehstock. Die Hausbesitzerin rief die Polizei. Als Shah Alam den Anweisungen der Polizei, die Gardinenstange fallenzulassen, nicht nachkam, setzten die Beamten einen Taser gegen ihn ein und schlugen ihn, wie sein Anwalt im Gespräch mit dem britischen „Guardian“ berichtet. Er wurde gegen Kaution freigelassen und anschließend an die Grenzpolizei überstellt.

„Mitfahrgelegenheit“

Diese stellte jedoch noch am selben Tag fest, dass gegen ihn kein Abschiebegrund vorliegt. Man setzte Shah Alam daraufhin ins Auto, fuhr ihn zu einem Schnellrestaurant außerhalb des Stadtzentrums und ließ ihn aussteigen. Ein Sprecher der Grenzschutzbehörde erklärte dem Portal Investigative Post (IP) dazu, dass ihm die Beamten „eine Mitfahrgelegenheit zu einem Café anboten, die er annahm“. Es sei „ein warmer und sicherer Ort in der Nähe seiner zuletzt bekannten Adresse gewesen“. Shah Alam „zeigte keinerlei Anzeichen von Stress, Mobilitätseinschränkungen oder Behinderungen, die besondere Unterstützung erfordern würden“, ergänzte der Sprecher. Seine Familie, die am Gefängnis abholbereit auf ihn wartete, wurde jedoch nicht informiert und suchte in den darauffolgenden Tagen nach ihm. Sein Anwalt meldete ihn nach drei Tagen als vermisst.


Zwei Tage danach fand man Shah Alams Leiche in der Innenstadt von Buffalo. Die Temperaturen waren unter den Gefrierpunkt gefallen. Wie er von dem mehrere Kilometer entfernten Café in die Innenstadt gelangte und wann genau er starb, ist unklar. 

Buffalos Bürgermeister erzürnt

Die Ermittlungen zur Todesursache führten zu widersprüchlichen Angaben: Während die Polizei erklärte, der Gerichtsmediziner habe den Tod als „gesundheitsbedingt“ eingestuft und Unterkühlung oder Fremdverschulden ausgeschlossen, widersprach das Gesundheitsamt und betonte, es gebe noch keine abschließende Feststellung, fasst die Nachrichtenagentur AP zusammen. Die Kriminalpolizei untersucht nun die genauen Umstände.




Buffalos Bürgermeister Sean Ryan machte laut AP die beteiligten Bundesbeamten mitverantwortlich. Einen fast blinden, nicht englischsprachigen Mann in einer kalten Winternacht ohne erkennbare Sicherheitsvorkehrungen auszusetzen, sei „unprofessionell und unmenschlich“. Er habe lediglich orangefarbene Überschuhe aus dem Gefängnis getragen. Shah Alam hinterlässt seine Ehefrau und zwei Söhne.

Source: stern.de