Bürgerkrieg im Sudan: Mehr wie 70 Tote für Drohnenangriff im Sudan
Im Sudan hat die paramilitärische Miliz RSF eine Moschee in der Stadt Al-Faschir angegriffen. Dabei sind nach Angaben von Behörden und Ersthelfern mehr als 70 Menschen getötet worden. Es soll sich um einen Drohnenangriff gehandelt haben.
Die humanitäre Koordinatorin der Vereinten Nationen im Sudan,
Denise Brown, äußerte sich bestürzt über den Angriff. Das Völkerrecht fordere, dass
Moscheen und Betende vor Kampfhandlungen geschützt bleiben. Es sei auch
ein Kriegsverbrechen, „vorsätzlich Angriffe auf Gebäude durchzuführen,
die religiösen Zwecken gewidmet sind“. Der Vorfall müsse untersucht
werden, sagte Brown. Die Verantwortlichen seien zur Rechenschaft zu ziehen.
Im Sudan findet seit 2023 ein
Bürgerkrieg statt, bei dem die RSF-Miliz gegen das herrschende Militär
kämpft. Die Provinzhauptstadt Al-Faschir gilt als letzte Bastion der regulären
Armee im Bundesstaat Nord-Darfur.
Über den genauen Ort des Angriffs gibt es unterschiedliche Berichte. Die Nachrichtenagentur KNA meldet, dass sich die Moschee im Flüchtlingslager Abu Shouk bei Al-Faschir befunden habe. Die Agentur AFP schreibt, dass der Angriff im Stadtteil Al-Daraja stattgefunden habe, wohin viele Zivilisten aus dem von einer Hungersnot geplagten Flüchtlingslager Abu Shouk geflohen seien. Auch Reuters berichtet von einem Angriff in der Stadt.
Hunderttausende in der Hauptstadt Nord-Darfurs eingeschlossen
Laut einem jetzt veröffentlichten Bericht des UN-Büros für Menschenrechte ist die Lage in Al-Faschir besonders dramatisch. Die Stadt wird seit eineinhalb Jahren von der RSF-Miliz belagert, mehrere Hunderttausend Menschen sind dort eingeschlossen.
„Es gibt keine sicheren Fluchtwege aus der Stadt, und die
Zivilbevölkerung ist in einer Situation gefangen, in der sie eine Wahl
zwischen zwei Übeln hat“, sagte Li Fung, Beauftragte des UN-Hochkommissars für Menschenrechte im Sudan, bei der Vorstellung des Berichts. „Entweder sie bleibt in Al-Faschir und riskiert Bombardierungen, Hunger
und Gräueltaten, wenn die RSF die Stadt einnimmt, oder sie flieht und
riskiert Hinrichtungen, sexuelle Gewalt und Entführungen.“
Zwischen Januar und Ende Juni seien fast 3.400
Zivilisten bestätigten Berichten zufolge im sudanesischen Bürgerkrieg getötet worden. Diese Zahl entspreche bereits 80 Prozent der im vergangenen Jahr
getöteten Zivilisten, dabei seien die tatsächlichen Zahlen jedoch
vermutlich wesentlich höher. „Jeden Tag erreichen uns weitere Berichte über Gräueltaten“, sagte Fung.