Buchbranche: Zweimal gute Comicnachrichten
Comics haben bei uns längst den Weg in die Buchhandlungen gefunden, und auf dem eher schrumpfenden deutschsprachigen Buchmarkt sind Manga seit Jahren sogar das einzige Segment mit deutlichen Zuwachsraten. Die morgen beginnende Leipziger Buchmesse verdankt mehr als ein Drittel ihrer Besucher der angeschlossenen Manga Comic Convention, die als größte Fanveranstaltung einer Erzählform in Deutschland gelten darf, die von immer mehr Autoren als besonders reizvoll wahrgenommen wird: dank der Kombination von Bild und Text, die Ausdrucksformen ermöglicht, die anderswo nicht zu haben sind.
Daran haben auch die Universitäten einen großen Anteil, denn nirgendwo sonst auf der Welt ist der Einfluss der akademischen Comicausbildung so spürbar wie hierzulande. Dabei gab es bislang keinen einzigen Lehrstuhl im deutschen Sprachraum, der dediziert Comics gewidmet wäre. Doch Kenner und Könner des Metiers wie Anke Feuchtenberger, Hendrik Dorgathen, ATAK, Ulli Lust, Martin tom Dieck, Henning Wagenbreth oder Markus Huber kaperten als grandiose Zeichner Lehrstühle, die eigentlich Illustratoren ausbilden sollten, und machten Comics zu deren Schwerpunkt. Der Erfolg gab ihnen recht: sowohl bei den resultierenden Abschluss- als auch bei den Publikationszahlen.
Genau die richtige Besetzung für einen Modellfall
Und nun ist endlich die erste dedizierte Comicprofessur in Deutschland eingerichtet worden: an der Merz Akademie in Stuttgart, einer Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien. Finanziert wird dieser Lehrstuhl von der im nahegelegenen Eberdingen angesiedelten Berthold Leibinger Stiftung, die bereits seit 2014 den höchstdotierten Comicförderpreis in Deutschland verleiht und jahrelang von der an der Merz Akademie lehrenden (und sie seit 2023 als Rektorin leitenden) Kunsthistorikerin Barbara Eggert umworben wurde, auf dass die Stiftung ihrer Hochschule diesen Schritt ermögliche. Damit ist hoffentlich ein Damm gebrochen, denn es wird nicht nur die erste als Comiclehrstuhl bezeichnete Professur sein, sondern auch eine, die Comiczeichnen und Comicforschung verbindet. Auch das ein Novum, nicht nur hierzulande.

Dafür hat man genau die richtige Besetzung gefunden: Erste Lehrstuhlinhaberin der Leibinger-Professur für Comics und Comicforschung wird Barbara Yelin. Die achtundvierzigjährige Münchnerin ist eine der bekanntesten deutschen Comicautorinnen. Derzeit ist sie als erste Vertreterin ihres Metiers Stipendiatin in der Villa Massimo in Rom. Noch bevor 2010 ein erster Band von ihr auf Deutsch erschien, wurden frühere Arbeiten in Frankreich verlegt; später wurden der familienbiographische Comic „Irmina“ und das Schoa-Überlebensprotokoll „Emmie Arbel – Die Farbe der Erinnerung“ internationale Erfolge. Überdies ist Yelin eine immens reflektierte Autorin, die um Traditionen und Fakten ihres Gewerbes genau weiß.
Eine Pionierzeitschrift des Comics in Gefahr
Dies ist die sehr gute Nachricht des vergangenen Wochenendes aus der deutschsprachigen Comicszene. Die schlechte kam aus Zürich und betrifft die finanzielle Situation des Magazins „Strapazin“, dessen Bedeutung für die Comic-Kunst gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Seit 1984 erscheint es und ist damit eine der langlebigsten Zeitschriften seiner Art weltweit; zudem ist der vierteljährliche Erscheinungsrhythmus so zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Nahezu alle, die international Rang und Namen haben im Autorencomic, sind dort schon publiziert, nicht wenige auch entdeckt worden.
Aber hoher Anspruch ist keine Überlebensgarantie; bisweilen ist er dem Absatz sogar hinderlich. Das bisherige Finanzierungsmodell, das zu großen Teilen auf Anzeigen in den Heften beruhte, hat sich überlebt. Auf dem Comicfestival „Fumetto“ in Luzern ging „Strapazin“ nun an die Öffentlichkeit und stellte eine kombinierte Kampagne vor, die neue Abonnenten und über Crowdfunding 66.666 Schweizer Franken erbringen soll, also etwa 75.000 Euro. Damit wäre das Weitererscheinen des mittlerweile von der dritten Redaktionsgeneration geführten Magazins für mehrere Jahre gesichert.
Und binnen nicht einmal einer Woche ist die Hälfte dieses Betrags schon beisammen. Also doch zwei gute Nachrichten.
Source: faz.net