BTS ist zurück: Das Mega-Comeback jener Kalium-Pop-Giganten nachdem dem Wehrdienst

Die größte Boyband der Welt, BTS, ist zurück mit dem Album „Arirang“ und zeigt eine neue, erwachsene Seite des K-Pop. Nicht nur durch ihren Militärdienst in Südkorea, treffen sie auf eine Welt, die kälter und martialischer geworden ist


Jungkook und Jimin von der Boygroup BTS nach der Entlassung von ihrem Militärdienst im Sommer 2025

Foto: Anthony Wallace/gettyimages


Wann ist ein Mann ein Mann? Diese bierselig gestellte Frage beschäftigt auch 40 Jahre nach Herbert Grönemeyers Song die Gemüter. Vielleicht mehr denn je.

Aus Sicht der südkoreanischen Gesellschaft ist ein Mann vor allem erst dann ein Mann, wenn er Wehrdienst geleistet hat. Dieses Narrativ manifestierte sich seit dem Koreakrieg. Die Gefahr durch den nordkoreanischen Bruderfeind ist real. Das Tischtuch in Panmunjeom, der Joint Security Area, ist dauerhaft zerschnitten, wenn nicht abgebrannt, und die geopolitisch relevante Lage hat sich seit Trumps zweiter Legislatur und durch dessen absentes außenpolitisches Feingefühl nicht zum Besseren gewendet.

Das Gesetz macht vor der Boband nicht halt

In Südkorea beträgt die Wehrpflicht 18 Monate. In den 1980er Jahren waren es doppelt so viele. (Zum Vergleich: In Nordkorea müssen Männer zehn Jahre zum Militär.) Durch den wirtschaftlichen Aufstieg konnte über Jahre die militärische Schlagkraft Südkoreas outgesourct und von reiner Manpower zunehmend abgekoppelt werden.

Aber das Gesetz machte auch vor der größten Boyband BTS nicht Halt. Das Septett bestehend aus RM, Jin, Jimin, V, Suga, J-Hope und Jung Kook, blieb wegen seines Erfolgs zunächst verschont. Mit Ende 20, Anfang 30 mussten sie letztlich doch noch an die Waffe.

Die Wehrpflicht in Südkorea spaltet die Gesellschaft

Ob die Wehrpflicht für Prominente gelten soll, darüber wird immer wieder debattiert. Als 2002 die Fußball-WM in Südkorea und Japan ausgetragen und das Team unter Guus Hiddink zur Turniersensation wurde, versprach der damalige Präsident Kim Dae-jung, das Team vom Wehrdienst zu befreien, sollte es das Achtelfinale erreichen.

Die Mannschaft rannte und kämpfte daraufhin um ihr Leben und verlor erst im Halbfinale gegen Deutschland. Gerade im Hochleistungssport stellt sich die Frage, ob die Wehrpflicht nicht hinderlich für die sportliche Entwicklung ist. Zugleich trägt sie zur sozialen Spaltung bei.

Viele kommen aus dem Dienst als gebrochene Menschen zurück

Viele Männer fühlen sich in Zeiten des steigenden ökonomischen Drucks benachteiligt, da sie erst später mit dem Studium beginnen als Frauen und somit später Geld verdienen. Viele kommen aus dem Dienst als gebrochene Menschen zurück, was öffentlich nie zugegeben werden darf. Die frauenfeindliche Incel-Bewegung wächst. Ein Auswuchs ist die Initiative „Make Korea Great Again“, die vor allem repressive Geschlechterbilder der amerikanischen Rechten reproduziert.

BTS beugte sich demütig seinem Schicksal. Allerdings sorgsam orchestriert. Im Juni 2022 kündigte die Band an, auf unbestimmte Zeit zu pausieren. Einige Mitglieder veröffentlichten noch erfolgreiche Solo-Alben, bevor es erst mal still um Bangtan Sonyeondan (wörtlich übersetzt: kugelsichere Pfadfinder) wurde. Nun ist das neue Album Arirang erschienen, das von einem Konzert am zentralen Gwanghwamun-Platz in Seoul (übertragen auf Netflix) flankiert wurde.

BTS mit neuem Style

Als BTS Anfang des Jahres seine Tournee ankündigte, waren die Tickets schneller vergriffen, als man mit einer Maus klicken konnte. Auch das wurde zum Politikum: Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum meldete sich persönlich bei Südkoreas Präsident Lee Jae-myung, um mehr Konzerte für ihr Land anzufragen, weil über eine Million mexikanische ARMY (so nennen sich die BTS-Fans) leer ausgingen.

Der Albumtitel Arirang bezieht sich auf das größte Volkslied der koreanischen Halbinsel. Während der japanischen Besatzung war es Protestlied und ist in Nord- wie Südkorea wichtiger als die Nationalhymnen. BTS hat sich von seinem überzuckert schrillen Knallo-Pop mit Bandana und bunten Hoodies verabschiedet. Auf dem Cover zeigen sich die Bandmitglieder in feinen Anzügen, dem Arbeitsoutfit der meisten Männer nach ihrer Ausbildung.

Sanfte Hoffnung, dass die Kriege vorbeiziehen

Beim Konzert trugen sie die cyberpunkige Kollektion des Labels Songzio mit dem Namen Lyrical Armor. BTS zeigt 2026, dass auch der eskapistisch-plüschige Safe-Space K-Pop erwachsen werden muss. Seit 15 Jahren prägt die Band den Popmarkt, und die globale Martialisierung hinterlässt Spuren bei den einstigen Teenie-Idolen, die anfangs mit ihren militärischen Termini wie „kugelsicher“ und „Armee“ sicherlich nur kokettierten. Man ist in der Realität angekommen.

Die Musik ist dabei perfektionistischer Blockbuster-Pop, der gekonnt nach ultimativer Universalität und Anschluss strebt. BTS will und wird bleiben, in der sanften Hoffnung, dass die Kriege (auch der im eigenen Land) irgendwann vorüberziehen.