Britischer MI5: Geheimdienst entschädigt Frau, die von Neonazi-Agent missbraucht wurde








Bereits 2022 deckte die BBC den Fall eines Neonazis auf, der für den britischen Geheimdienst arbeitet. Rechtliche Konsequenzen hat das für eines seiner Opfer jedoch erst jetzt.

Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 hat wegen schwerer Missbrauchsvorwürfe gegen einen seiner Informanten eine Entschädigung gezahlt und sich beim mutmaßlichen Opfer entschuldigt. Damit legte der MI5 einen langjährigen Rechtsstreit bei. Eine Frau, die unter dem Pseudonym Beth bekannt ist, hatte den Dienst verklagt, weil ein als „Agent X“ vom Geheimdienst geführter Mann sie über Jahre hinweg kontrolliert, misshandelt und sogar mit einer Machete angegriffen haben soll.



Auslöser der Klage war eine Recherche der BBC, die vor vier Jahren publik machte, dass es sich bei dem Informanten um einen gewaltbereiten Neonazi und Frauenhasser handelte. Demnach nutzte der Mann seine Verbindung zum Geheimdienst gezielt aus, um die Frau, die anfangs seine Partnerin war, einzuschüchtern und unter Druck zu setzen. Beide hatten sich zuvor auf einer Dating-Plattform kennengelernt. Trotz laufender Ermittlungen konnte er seine Tätigkeit für den MI5 im Ausland fortsetzen.

Neonazi-Agent habe Rassisten und Massenmörder gelobt

Im Zuge des Verfahrens geriet auch der Geheimdienst selbst unter Druck. Vor Gericht hatte der MI5 zunächst versucht, Beths Glaubwürdigkeit infrage zu stellen – scheiterte damit jedoch. Schließlich bot der Dienst eine finanzielle Entschädigung an, die Beth nun angenommen hat. Ein formelles Schuldanerkenntnis ist damit allerdings nicht verbunden.


MI5-Direktor Sir Ken McCallum räumte Fehler ein und entschuldigte sich öffentlich. Der Dienst habe sich auf unzureichende Beweise gestützt und gravierende Mängel in der Aktenführung gezeigt. Diese Versäumnisse hätten den Rechtsstreit unnötig verlängert und Beth zusätzlich belastet. Als Konsequenz kündigte der MI5 interne Reformen an, insbesondere bei Dokumentation und Informationsmanagement.

Die Vorwürfe gegen Agent X wiegen schwer: Neben extremistischen Ansichten und Gewaltfantasien soll er bereits vor seiner Tätigkeit für den MI5 eine frühere Partnerin bedroht und misshandelt haben. Anfangs sei er charmant gewesen, habe sich laut Beths Aussage jedoch rasch zu einem gewalttätigen und kontrollierenden Partner entwickelt. Videoaufnahmen belegen unter anderem Morddrohungen und den Angriff mit einer Machete. Beth erklärte gegenüber der BBC, X habe verschiedene Rassisten und Massenmörder gelobt und die Absicht geäußert, ähnliche Taten zu begehen.




Beth selbst zeigte sich zwar dankbar für die Entschädigung, betonte jedoch, dass diese ihr Leid nicht aufwiegen könne. Zugleich äußerte sie den Vorwurf, der Geheimdienst schütze den Täter weiterhin.


Zweifel an bisheriger Aufarbeitung

Der Fall hat weitreichende Konsequenzen für den MI5. Eine Untersuchung wurde eingeleitet, nachdem bekannt geworden war, dass der Dienst in mehreren Gerichtsverfahren falsche Angaben gemacht hatte, um sein Vorgehen zu rechtfertigen. Zwar wurden diese zunächst als Versehen dargestellt, doch ein Gericht stellte später gravierende Verfahrensmängel fest und äußerte Zweifel an der bisherigen Aufarbeitung.

Eine neue unabhängige Untersuchung soll nun klären, wie es zu den Fehlern kommen konnte und ob weitere Konsequenzen folgen. Der Geheimdienst hat angekündigt, umfassend zu kooperieren. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang von Sicherheitsbehörden mit Informanten und deren Kontrolle auf.

km

Source: stern.de