Britische Polizei untersucht Flüge von Epsteins Privatjet nachdem London
Die britische Polizei untersucht neue Hinweise auf möglichen Menschenhandel durch den US-Sexualstraftäter Epstein. 90 Mal soll sein Jet Opfer nach London gebracht haben. Derweil steigt der Druck auf das britische Königshaus.
Das Ausmaß ist unfassbar: Etwa 90 Flüge mit Epsteins Privatjet soll es gegeben haben, in denen junge Frauen – und nach aktuellen Hinweisen auch mindestens eine Minderjährige – aus Lettland, Litauen und Russland nach London gebracht wurden. Aus den Epstein-Akten geht hervor, dass die Männer die Flüge verachtend „Lolita-Express“ nannten. Einige der Opfer wurden offenbar von London aus in die USA geflogen.
Dies war – so der Verdacht – einfacher wegen der Zwischenlandung in England. So konnten möglicherweise Einreisebestimmungen umgangen werden.
Wurden Einreisebestimmungen kontrolliert?
Erste Meldungen dazu hat es bereits im Dezember gegeben, doch jetzt erst fängt die Polizei an, diese Flüge zu untersuchen.
Viele Fragen sind offen: Die Flüge wurden über einen besonderen Terminal in London Stansted abgewickelt, an dem Privatjets landen. Sind alle Einreisebestimmungen kontrolliert und eingehalten worden? Was wusste die Polizei?
Einladung in Buckingham-Palast – nach Epsteins Verurteilung
Andrew Mountbatten-Windsor, der in den Epstein-Dokumenten immer wieder auftaucht, ist in diesem Zusammenhang nicht genannt worden.
Doch immer mehr Details werden aus den Akten gefischt, etwa ein E-Mail-Wechsel zwischen Andrew Mountbatten-Windsor – damals noch Prinz Andrew – und Jeffrey Epstein. Daraus wird deutlich: Der Bruder des Königs lud Epstein in den Buckingham-Palast ein.
Ob er drei Frauen mitbringen solle, antwortete Epstein, „um ein bisschen Leben rein zu bringen“. Das war 2010 – also nachdem Epstein bereits verurteilt worden war.
Bislang keine offiziellen Ermittlungen gegen Andrew
Mehrere Medien berichten, dass die Sicherheitskräfte junge Frauen in den Palast lassen sollten, vorbei an jeder Kontrolle. Dort gab Andrew Mountbatten-Windsor dann schon mal eine Führung. Er selbst sagte in der Vergangenheit, er habe sich nichts vorzuwerfen.
Noch immer gibt es keine offiziellen Ermittlungen gegen den ehemaligen Prinzen. Der Journalist Andrew Lownie wundert sich schon lange, warum das so ist. Vieles von dem, was jetzt bekannt werde, stünde in seinem Buch, das vor einem halben Jahr veröffentlicht wurde, sagt Lownie. Man fange an, sich zu fragen, ob es ein Gesetz gebe für die „Royals“ und eines für alle anderen.
Die BBC hat den Palast längst gefragt, ob es ein Register gebe für die Besucher des Buckingham-Palastes, jedoch keine Antwort erhalten. Längst stellt sich die Frage: Was wusste der Palast, was wusste der König?
Recherchen zur Weitergabe vertraulicher Dokumente
In den vergangenen Wochen gab es auch immer wieder Meldungen, dass Andrew Mountbatten-Windsor vertrauliche Informationen weitergegeben haben soll.
Das war zu seiner Zeit als Handelsgesandter der Regierung zwischen 2001 und 2011. Der Journalist Andrew Lownie würde gerne detaillierter recherchieren, wird aber, sagt er, daran gehindert.
Seit sechs Jahren versuche er, die Unterlagen aus dieser Zeit von der Regierung zu bekommen, dort werde aber geleugnet, dass es Dokumente zur Tätigkeit von Andrew Mountbatten-Windsor gebe.
Wer war Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Finanzmanager und Multimillionär, der vor allem durch den Aufbau eines massiven Missbrauchsnetzwerks bekannt wurde. Er wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Epsteins Eltern gehörten der Mittelschicht an. Sein Vater arbeitete für die Stadt New York, seine Mutter war Hausfrau.
Nach einem Studium ohne Abschluss arbeitete Epstein in den 1970er-Jahren als Lehrer an einer Elite-Privatschule in Manhattan. Über Kontakte wechselte er später in den Finanzsektor. Dort machte er rasch Karriere, zunächst bei einer Investmentbank. Wie genau er sein Vermögen aufbaute, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kunden tätig war. Er pflegte einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Prominenten.
Zu seinem Besitz gehörten mehrere Luxusimmobilien, darunter auch eine Privatinsel auf den Virgin-Islands, bekannt als „Little Saint James“. Nach Aussagen von Opfern soll die Insel ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein. Eine wichtige Rolle dabei spielte Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell, die ihm half, junge Frauen und Minderjährige für ihn anzuwerben, zu kontrollieren und zu missbrauchen.
Bereits in den 1990er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein wegen sexueller Übergriffe. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt. Er hatte sich vor einem US-Gericht unter anderem schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Er erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, von der er etwa 13 Monate verbüßte. Durch einen umstrittenen Deal konnte er die meiste Zeit davon außerhalb des Gefängnisses verbringen.
2019 wurde Epstein wegen schwerer Vorwürfe erneut verhaftet. Kurz danach wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.
Source: tagesschau.de
