Briefversteigerung: Mit Grüßen von Goethe

Wo nahm der Mann nur die Zeit her? Neben seinem gewaltigen schriftstellerischen Werk erfüllte Johann Wolfgang von Goethe politische Aufgaben als Staatsminister und Geheimrat in Weimar. Außerdem war er immerzu auf Reisen, pflegte diverse wissenschaftliche Interessen und Sammlungen und schrieb nicht weniger als 20 000 Briefe. Im Rahmen der Versteigerung wertvoller Bücher bietet Ketterer am 24. November in Hamburg mehr als fünfzig Goethe-Autographen feil, deren Inhalt von so privaten Dingen wie einer üppigen Bestellung des Weinliebhabers (Taxe 3000 Euro) bis zu einem Brief an Herzog Carl August über den bevorstehenden Innenausbau des Weimarer Schlosses reicht. Auch über die Genesung von einer lebensbedrohlichen Gesichtsrose wird der Landesfürst darin informiert (10.000).

Der marktfrische Briefschatz, den der süddeutsche Privatsammler Walter Barth vornehmlich in den Zwanziger- und Dreißigerjahren zusammentrug, befand sich seit dessen Tod 1961 ununterbrochen in Familienbesitz; er zeugt vom Anspruch, die Person Goethes in möglichst vielen Facetten zur erfassen. Zeilen von der Hand seines Sekretärs unterzeichnete Goethe, etwa jene 1804 an Heinrich K.A. Eichstädt den Herausgeber der „Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitschrift“ gerichteten, den er wissen ließ: „Die beyden übersendeten Recensionen haben mich eben nicht sehr erbaut. Der Medicus schleicht ums Buch herum und der Philosoph tappt recht grade hinein“ (5000).

Eigenhändiger Brief von 1801: Goethe schreibt an Herzog Carl August über den Innenausbau des Weimarer Schlosses und erwähnt die Genesung von seiner Gesichtsrose.
Eigenhändiger Brief von 1801: Goethe schreibt an Herzog Carl August über den Innenausbau des Weimarer Schlosses und erwähnt die Genesung von seiner Gesichtsrose.Ketterer

Vieles aber schrieb er eigenhändig an Verleger, Theaterleute, Politikerkollegen, wie auch dies: „Eine große Oper zu unternehmen würde mich jetzt viel Resignation kosten … wenn es aber der König befehlen sollte, so will ich mit Vergnügen gehorchen, mich zusammennehmen und nach bestem Vermögen arbeiten“. Das teilte er 1790 dem Komponisten Johann Friedrich Reichard mit, der zahlreiche seiner Verse und Libretti vertont hat (12.000).

Die Einblicke in Goethes politisches und gesellschaftliches Wirken umrundete der Sammler zusätzlich mit Autographen aus dem engsten Weimarer Kreis, also von Friedrich Schiller, Charlotte von Stein, Bettina von Arnim oder Kanzler Müller.

Source: faz.net