Börsenwoche: Nvidia dämpft Dax-Rückschlag kaum

Noch fünf Wochen sind es bis zur Weihnachtsruhe, und die Phantasie schwindet allmählich, dass sich die Kurse noch einmal in Richtung des Rekordstands aus dem Oktober bewegen könnten. Am Dienstag sackte das Börsenbarometer Dax weiter ab, sodass er erstmals seit April wieder die 200-Tage-Linie unterschritt, was auf eine eher sinkende Kursentwicklung schließen lässt.
Zwei große Kurstreiber waren zu Beginn der Woche identifiziert worden: Genannt wurden an erster Stelle die Geschäftszahlen des wertvollsten Unternehmens der Welt Nvidia, die einen Aufschluss darüber geben sollten, ob der KI-Boom womöglich an sein Ende gekommen ist. An zweiter Stelle führten Aktienhändler die US-Arbeitsmarktzahlen vom September, von denen sie ein Signal ableiten zu können glaubten, in welche Richtung sich die Notenbank Federal Reserve im weiteren Jahresverlauf bewegen werde.
Dax wurde erst beflügelt, dann gebremst
Um es kurz zu machen: Die Arbeitslosigkeit in Amerika hat sich zu gut entwickelt, als dass sinkende Zinsen und somit ein Impuls für die Märkte gerechtfertigt scheinen. Und die Zahlen von Nvidia haben ein derart robustes Wachstum offenbart, dass ein Ende des Hypes um Künstliche Intelligenz noch nicht abzusehen ist. Was den Dax am Donnerstag beflügelte (Nvidia), wurde am Freitag durch die Arbeitsmarktzahlen wieder korrigiert. Endergebnis: Der Index fiel unter 23.000 Punkte.
Es werde viel von einer KI-Blase gesprochen, sagte Nvidia-Chef Jensen Huang, als er seine Quartalszahlen in einer Telefonkonferenz erläuterte. „Aber von unserem Standpunkt aus sehen wir etwas ganz anderes.“ Das Unternehmen hat seinen Quartalsgewinn im Vorjahresvergleich um 65 Prozent gesteigert. Viele Industrien begännen gerade erst damit, ihre Geschäftsabläufe mithilfe der KI umzustellen. Die Bedeutung der KI-Chips von Nvidia dürfte also aus seiner Sicht noch weiter steigen.
Nvidia-Verluste erreichen schnell Dimensionen wie ganze Indizes
Allerdings ist Nvidia mit einer Bewertung von knapp unter fünf Billionen Dollar inzwischen auch so groß, dass schon kleine Kursschwankungen zu riesigen Kursverlusten führen. So stand in dieser Woche zwischenzeitlich schon eine halbe Billion Dollar weniger als Unternehmensbewertung zu Buche. In anderen Ländern sind das die Gesamtbewertungen ganzer Indizes.
Einen längst nicht so starken, aber in der Dynamik vergleichbaren Aufschwung hat der deutsche Rüstungshersteller Rheinmetall erlebt. In dieser Woche gingen die Ausschläge mal in die eine, mal in die andere Richtung. Der politisch hoch umstrittene Friedensplan des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump für die Ukraine wurde an der Börse als Hinweis gewertet, dass weniger Rüstungsgüter verkauft werden dürften. Ein positiver Analystenkommentar von J.P. Morgan, der die Kursreaktion für übertrieben hielt, korrigierte die Bewertung der Händler wieder.
Abwärts ging auch der Bitcoin-Kurs in dieser Woche in Richtung 80.000 Dollar, das war der niedrigste Stand seit sieben Monaten. Das wurde mit der Verunsicherung durch die zuvor beschriebenen Themen erklärt. Die zwischenzeitliche Unsicherheit um Nvidia und die Spekulationen um eine ausbleibende Zinssenkung hätten dem Kurs nicht gutgetan, sagten Händler.
Source: faz.net