Blume hinauf Fluor.A.Z.-Kongress: „Wir standen vor drei Jahren vor einem Softwarekollaps“

Für eine höheres Tempo der Veränderungen in Deutschlands Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, zugleich für mehr Pragmatik bei der Regulierung des Übergangs zum Elektroauto hat sich Oliver Blume, der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, auf dem F.A.Z.-Kongress in Frankfurt ausgesprochen. Auch mit Blick auf den VW-Konzern sagte Blume: „Transformation ist in der heutigen Zeit nicht ein Projekt. Ich glaube, das wird ein Dauerzustand sein.“

Mit Blick auf den europäischen Automarkt sagte Blume, die gute Nachricht sei, dass die Konzernprodukte gut ankämen, mit der Rolle als Marktführer und dem Marktanteil auf einem historischen Hoch. Weil aber der europäische Automarkt insgesamt um zwei Millionen Autos im Jahr geschrumpft sei, bedeute das auch für den VW-Konzern einen um 500.000 Autos geschrumpften Absatz.

Der Volkswagen-Konzern habe aber in der Vergangenheit für kontinuierliches Wachstum investiert. „Wir haben einfach eine Überinvestition gehabt, und Überkapazitäten kosten Geld“, sagte Blume. Der Konzern müsse nun in Europa auf eine Kapazität zugeschnitten werden, die dem Markt entspreche. Weil nun geburtenstarke Jahrgänge das Rentenalter erreichten, könnten solche Maßnahmen auch sozialverträglich gestaltet werden.

„Wir standen vor drei Jahren tatsächlich vor einem Softwarekollaps“

Zur Lage des Volkswagen-Konzerns sagte Blume: „Mit der Sanierung über drei Jahre haben wir uns über Wasser gehalten“. Die bisherigen Einsparungen hätten dazu gedient, negative Effekte wie geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, den Wettbewerbsdruck durch neue Konkurrenten zu kompensieren. Alleine die Zölle der USA – 15 Prozent auf Autos aus Europa und 27,5 Prozent auf die Produkte aus den mexikanischen VW-Fabriken – bedeuteten für den Volkswagen-Konzern eine Belastung des operativen Ergebnisses von fünf Milliarden Euro.

DSGVO Platzhalter

Deshalb gelte es nun, im Konzern einen Schritt der Transformation anzugehen. „Das geht dann auch viele Themen an, die unangenehm sind, aber es ist alternativlos, so eine Transformation zu machen. Für mich ist eine Transformation auch motivierend“, sagte Blume. Von einer angeblich existierenden Studie einer Unternehmensberatung, die eine Schließung von acht VW-Fabriken in Deutschland vorschlage, wisse er nichts.

In einer Antwort auf eine Zuhörerfrage im Saal gestand der Volkswagen-Chef auch: „Wir standen vor drei Jahren tatsächlich vor einem Softwarekollaps.“ Dieses Problem sei in Ordnung gebracht worden. Doch gebe es noch Fahrzeuge im Markt, die noch Verbesserungsbedarf hätten. „Da kann ich mich einfach nur dafür entschuldigen.“ Die Softwareentwicklung sei in der Vergangenheit zu komplex geplant gewesen. Nun gebe es eine globale Strategie mit Entwicklung auch in China und Partnern in den USA. Das sei auch ein Beispiel für künftige Veränderungen im Konzern. Volkswagen plane mehr lokale Aktivitäten für lokale Märkte, nicht nur in China, sondern auch in Nord- und Südamerika, in Indien und Südostasien.

Elektromobilität wird „die überlegene Technik“ sein

Mit Blick auf die begonnene Antriebswende in Richtung Elektroantrieb sagte Blume, auch jüngste Testfahrten hätten ihn wieder in der Ansicht bestärkt, „dass die Elektromobilität die überlegene Technik sein wird.“ In der zweiten und dritten Generation der E-Autos würden dann die Reichweiten länger, die Ladezeiten auf weniger als 15 Minuten verkürzt. Wenn dann die Infrastruktur gerade zum Laden in den Städten ausgebaut sei und wenn die Strompreise attraktiv genug sei, dann brauche man für den Übergang auch keine Regulatorik.

Im Moment habe der Volkswagen-Konzern trotz seines Marktanteils von 27 Prozent auf dem europäischen Elektroauto-Markt Schwierigkeiten, Strafzahlungen zu vermeiden, die wegen der EU-Grenzwerte für die Flottenemissionen neu zugelassener Autos fällig werden. Die Grenzen für 2025 seien nun mit einer Übergangsregel flexibler, doch so müsse man auch für 2030 und 2035 verfahren. Sonst entstehe aus den EU-Regeln ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Weltregionen.

Sandra Kegel im Gespräch mit dem Schauspieler Matthias Matschke zum Thema "Komik in ernsten Zeiten" beim Kongress " Zukunft gestalten" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Kap Europa in Frankfurt am 27.03.2026.
Die Zukunft gestalten – aber wie?

Mit Blick auf China berichtete Blume, er habe als Dozent in Shanghai Anfang der Nullerjahre erlebt, wie konsequent und hartnäckig man damals an der Entwicklung von Elektroautos für die Olympischen Spiele in Peking 2008 festgehalten habe, als dieses Vorhaben in Europa noch belächelt wurde. „Wir haben dann gespürt, dass die Technologie der Elektromobilität auch für das Auto attraktiv sein kann“, sagte Blume. Seit 2012 habe sich auch Volkswagen damit befasst. „Wir können heute sagen, dass wir heute mit unserem Autowissen in der ersten Liga der Elektromobilität spielen.“ Allein beim Thema der Batteriezellenproduktion sieht Blume eine große Lücke, die von den Europäern geschlossen werden müsse. Der Volkswagen-Konzern habe das Thema angepackt, mit einer Fabrik in Salzgitter, die gerade anlaufe, und Projekten in Valencia und Kanada.

Von China zu lernen bedeutet nach den Worten von Blume vor allem darauf zu sehen, wie Programme auch langfristig verfolgt und wie vieles auch schnell umgesetzt werde. Deutschland und Europa seien stark in der Analyse, könnten aber nicht gut die Folgerung daraus umsetzen: „Priorisieren heißt auch einmal zu sagen, wir sind mit einer 80-Prozent-Lösung zufrieden als sich auf der Suche nach der Hundertprozent-Lösung tot zu analysieren, weil man in die Umsetzung kommen muss.“ Von China lernen heiße: „Die kriegen dieses Umschalten aus der Analyse in die Umsetzung mit Disziplin und Leistungsbereitschaft besonders gut hin“.

Auf diesem Gebiet sah der Volkswagen-Chef generell die Herausforderung für die deutsche Wirtschaft. Die führte ihn zu einer Aussage, die beim F.A.Z.-Kongress vom Herausgeber Gerald Braunberger schließlich als „kleine Ruck-Rede“ eingeordnet wurde: Industrie sei weiterhin die große Stärke Deutschlands, sagte Blume. „Die wesentliche Frage ist eher: Haben wir die Bereitschaft und den Mut, unsere Industrie so zu verändern, dass wir mit der hohen Geschwindigkeit, die wir im Moment auch auf der Welt spüren, mithalten können. Und das ist eine Transformation, die Kraft kostet, die vielleicht auch für Widerstände sorgen wird, die am Ende aber alternativlos ist.“