Blockade: Seeminen in welcher Straße von Hormus: Was die USA komplett unterschätzt nach sich ziehen








Bei der Blockade der Straße von Hormus setzt der Iran auch auf Seeminen – eine einfache Waffe mit ungeheurer Wirkung in einem asymmetrischen Krieg. Was Sie dazu wissen müssen.



Die Blockade der Straße von Hormus durch das iranische Militär treibt die Ölpreise weltweit in die Höhe. An der Tankstelle steigen deswegen die Spritpreise, aber auch andere Verbraucherpreise könnten massiv anziehen – ein gewaltiges Problem für Regierungen weltweit. Besonders die USA und ihr Präsident Donald Trump geraten unter Druck, weil Kritik und Zweifel am Irankrieg größer werden und es immer offensichtlicher wird, dass die US-Regierung in der Einschätzung des Krieges grobe strategische Fehler begangen hat.

Verstärkt wird das Problem dadurch, dass die Straße von Hormus (wahrscheinlich) durch den Iran vermint wurde. Dass die US-Luftwaffe laut Trump 16 Minenleger zerstört hat, klingt fast schon lächerlich angesichts der Wirksamkeit dieser asymmetrischen Waffe und der Kapazitäten, über die das iranische Militär verfügt. Doch was macht Seeminen so gefährlich und wie funktionieren sie? Ein Überblick.


Die strategische und taktische Bedeutung

Der große Vorteil von Seeminen ist es, dass sie leicht zu legen und nur mit großem Aufwand zu entfernen sind. Sie sind eine perfekte Waffe, um der militärischen Überlegenheit der USA und Israels zu trotzen, indem man die Kosten für den Krieg hochtreibt.

Um Seeminen zu legen, braucht man keine hochspezialisierten Boote oder Schiffe. Die iranischen Revolutionsgarden sind es gewohnt, mit kleinen, schnellen Booten der Ashura-Flotte in der Straße von Hormus zu operieren. 




Blockade: Seeminen in der Straße von Hormus: Was die USA komplett unterschätzt haben

© stern


Sie verfügen mutmaßlich über Hunderte, wenn nicht Tausende davon. Hinzu kommt: Der Iran dürfte auf den Angriff vorbereitet gewesen sein. Spätestens seit der ersten bewaffneten Auseinandersetzung im Sommer 2025 soll das Mullah-Regime noch einmal massiv aufgerüstet haben. Der Iran hat einen Plan.

Über welche Arten von Minen verfügt der Iran?

Den größten Teil des Arsenals macht laut Medienberichten die Seemine Sadaf-02 aus. Das ist eine am Boden verankerte Kontaktmine (auch Ankertaumine; siehe Grafik unten), die knapp unter der Wasseroberfläche schwimmt. Stößt ein Schiff darauf, explodiert sie. Schätzungen zufolge verfügt der Iran über 2000 bis 6000 Sadaf-02-Minen.





Grafik zu Seeminen

© Naval Oceanographic Office / Strauss Center / Handelsblatt

Zusätzlich stehen die kleinere Variante Sadaf-01 und die Maham-2 zur Verfügung. Letztere ist eine Grundmine. Dieser Typ ist meist größer und hat die Form eines Zylinders. Grundminen werden einfach auf dem Meeresboden versenkt und durch Akustik- oder Magnetsensoren gezündet. Sie sind vor allem für den Einsatz in flachen Gewässern vorgesehen. Die Explosion hebt das Schiff durch die entstehende Gasblase an, danach fällt es herunter und wird so beschädigt oder zerstört. Grundminen können mit Raketen ausgestattet sein, die aufsteigen. Sie sind allerdings technisch aufwendiger. Es ist möglich, dass der Iran über die EM-52 aus China verfügt. 

Ein dritter Minentyp ist die Treibmine. Sie schwimmt im Wasser ohne Verankerung und explodiert bei Kontakt. Sie dürfte im Irankrieg keine Rolle spielen, weil ihr Einsatz schwer zu kontrollieren ist. Treibminen können zur Gefahr für die eigene Schifffahrt werden. 





Wie gelingt die Beseitigung von Minen? 

Wie schon angedeutet, ist das die große Schwäche der US-Armee. Minen werden durch Taucher, Schiffe oder aus der Luft aufgespürt. Taucher finden aber nur einzelne Minen und können sie nicht in der Fläche unschädlich machen. Der Einsatz ist aufwendig, langwierig und hochriskant. Zudem hat die US-Marine die alten Minensuchboote der Avenger-Klasse aus der Region abgezogen. Sie sollen in der Heimat verschrottet werden. Die Nachfolge-Modelle, die Littoral Combat Ships (LCS), gelten als Fehlkonstruktion, weil sie nur eine geringe Kampffähigkeit besitzen und die Minenräumtechnik laut Medienberichten nicht eingebaut ist oder bei vielen Schiffen fehlt.

Wer könnte helfen? 

Tatsächlich die deutsche Marine. Zumindest theoretisch. Mit den Booten der Frankenthal-Klasse ist die Bundesmarine weltweit führend bei der Minenjagd. Sie sind zwar alt, aber mit der neuesten Sonartechnik ausgestattet. Das Problem ist nur, dass das 3. Minensuchgeschwader in Kiel stationiert ist. Der Weg in die Straße von Hormus würde zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Außerdem wäre ein Einsatz eine politische Entscheidung. Bisher hält sich die Bundesregierung aus dem Krieg heraus.

Wie konnten die USA die Lage so falsch einschätzen? 

Das ist die große Frage. Dass die Berater des Präsidenten die verschiedenen Szenarien bedacht haben, darf als wahrscheinlich gelten. Möglicherweise haben Donald Trump und Kriegsminister Pete Hegseth die Bedenken beiseitegewischt. Eine Kritik an der US-Regierung lautet, dass sie sich planlos in das Kriegsabenteuer gestürzt und das Risiko (oder die Fähigkeiten des Feindes) falsch eingeschätzt hat. Dafür spricht vieles.





Tatsache ist, dass der Iran mit der Blockade der Straße von Hormus und dem Einsatz von Minen ein Mittel besitzt, das am Ende die USA und Israel zum Einlenken zwingen kann. 

Quellen: Handelsblatt“, MS Now, „Focus“, „Wirtschaftswoche“, Nachrichtenagentur DPA

Source: stern.de