Bitcoin-Handel gleichfalls im Stress: Handelszentrum Stuttgart und Tradias vereinigen Kryptohandel

Die Börse Stuttgart sieht sich auf dem Weg, einen Champion im europäischen Handel mit Kryptowährungen zu bilden. Dafür hat ihre Tochtergesellschaft für das digitale Geschäft einen Zusammenschluss mit dem Frankfurter Kryptowährungshändler Tradias vereinbart.

Matthias Voelkel, seit 2022 Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Börse.
Matthias Voelkel, seit 2022 Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Börse.Domenic Driessen

Durch die geplante Fusion von Börse Stuttgart Digital und Tradias werde ein Unternehmen geformt, das von Bro­kerage über Handel bis hin zur Verwahrung von Kryptowährungen alles anbietet, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagten Matthias Voelkel, Vorstandsvorsitzender der Börse Stuttgart Gruppe, und Michael Reinhard, Geschäftsführer der Tradias GmbH: „Wenn aber ein institutioneller Kunde nur eines dieser drei Module wählen möchte, ist das natürlich möglich. Da folgen wir den Kundenwünschen.“

Vor allem für Tradias und seine Kunden ist die Wahlfreiheit des Krypto­verwahrers offenkundig wichtig. Das Unternehmen ist hervorgegangen aus dem 1985 in Frankfurt gegründeten Bankhaus Scheich, das sich in jüngerer Zeit durch den aus Deutschland heraus betriebenen und damit Micar-regulierten Handel mit Kryptowährungen ei­nen Namen gemacht hat. Vor zwei Jahren konnte Tradias überraschend Reinhard als Vorstandschef gewinnen, der zuvor Vorstandsvorsitzender des überaus erfolgreichen Fondsdienstleisters Universal Investment war.

Tradias Kunden sind Trade Republic, Flatex Degiro und DWP Bank

Nach Informationen aus Finanz­kreisen, die weder Voelkel noch Reinhard kommentieren wollten, wurde Tradias nach den Fusionsverhandlungen mit rund 200 Millionen Euro bewertet. Vom Geschäftsmodell ist Tradias ein Kryptowertpapierhandelsspezialist. Die Börse Stuttgart dagegen ist als Infrastrukturanbieter breit aufgestellt und verfügt neben dem Handel auch über einen eigenen Marktplatz (Börse) und einen Sammelverwahrer für Kryptowährungen.

Tradias ist auch deshalb weniger bekannt, weil der Dienstleister im Hintergrund agiert für Broker und Banken, die wiederum Privatkunden haben. Zu den Tradias-Kunden zählen unter anderem die bei vielen jungen Privatkunden beliebten Neobroker Trade Republic und Flatex Degiro sowie die DWP Bank , welche zur Hälfte der DZ Bank mit den angeschlossenen Volks- und Raiffeisenbanken und zur anderen Hälfte der Sparkassengruppe gehört. Diese Kunden wählen üblicherweise eine eigene Verwahrlösung.

Skaleneffekte und mehr Liquidität sind die Fusionstreiber

Vorrangig geht es beim Zusammenschluss zwischen Börse Stuttgart Digital und Tradios also darum, die Aktivitäten im Handel mit Kryptowährungen zu bündeln und Größenvorteile auszuspielen, etwa in der Markttiefe und der Breite des Produktangebots. Tradias bietet mehr als 150, die Börse Stuttgart mehr als 50 Kryptowährungen – Tendenz steigend. Viel wichtiger als das Angebot ist beiden Vorstandschefs aber, dass sie „auch in hektischen Marktphasen immer Ausführungspreise gestellt“ haben.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind bekannt dafür, stark im Wert zu schwanken. Das macht es für Broker nicht leicht, immer Preise zu stellen, manche ziehen sich dem Vernehmen nach auch schon mal für zwei Stunden zurück und bieten ihren Kunden dann keine Möglichkeit, sich etwa von Bit­coin zu Höchstpreisen von mehr als 123.000 Dollar im Oktober 2025 zu trennen oder zu bisherigen Jahrestiefpreisen von 60.000 Dollar Anfang Fe­bruar zu kaufen. Nicht so Tradias und Börse Stuttgart: „Beide Häuser stehen für Verlässlichkeit und Langfristigkeit“, betonen Voelkel und Reinhard.

Die beiden Partner stellen den Zusammenschluss nicht als Übernahme von Tradias durch die Börse Stuttgart dar. Tradias’ Eigner, darunter der Un­ternehmer Christopher Beck und Familienvermögensverwaltungen (Family Offices), sollen Anteile an dem fusionierten, etwa 300 Mitarbeiter beschäf­tigenden Kryptounternehmen erhalten. Das Management werde aus Vertretern beider Seiten bestehen, und es werde zwei Hauptsitze geben, Stuttgart und Frankfurt. Auf die Frage, ob der Name Tradias erhalten bleibe, hieß es am Freitag, darüber müsse noch entschieden werden.

Source: faz.net