Bischofskonferenz wählt neuen Vorsitzenden: Wer folgt gen Bätzing?
Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung wählen die katholischen Bischöfe einen neuen Vorsitzenden. Amtsinhaber Bätzing tritt nicht erneut an. Die Wahl gilt als richtungsweisend. Wer kommt für das Amt infrage?
Am Dienstagvormittag findet im katholischen Burkardushaus in Würzburg so etwas wie ein deutsches Konklave statt: Die Türen schließen sich, etwa 60 Bischöfe und Weihbischöfe sind unter sich. Doch statt Störsendern wie im Vatikan sind Smartphones erlaubt, statt der Sixtinischen Kapelle mit Michelangelo dient ein moderner Tagungssaal als Ort der Wahl. Die aber folgt Regeln, die an Rom erinnern. Nur dass in Würzburg kein allmächtiger Kirchenchef gesucht wird, sondern der oberste Repräsentant der katholischen Kirche in Deutschland.
Im ersten Durchgang schreibt jeder Wahlberechtigte zunächst schlicht den Namen auf seinen Zettel, den er persönlich für geeignet hält – eine Art „Urwahl“, wie es der Gastgeber, der Würzburger Franz Jung nennt. Sie soll zeigen, wem die Bischöfe tendenziell zutrauen, sie anzuführen – wobei der Vorsitzende der Bischofskonferenz eher Sprecher und Moderator ist; in die Bistümer hineinregieren kann er nicht.
Was der neue Vorsitzende können muss
Formell wählbar sind alle derzeit 25 amtierenden Diözesanbischöfe. Realistisch betrachtet ist das Kandidatenfeld aber deutlich kleiner: Die Amtszeit beträgt sechs Jahre, mit 75 müssen Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten – und Papst Leo XIV. gilt in der Annahme solcher Gesuche nicht als zögerlich. Gefragt ist also eher ein Bischof Ende 50, Anfang 60, mit Leitungserfahrung und möglichst längerer Erfahrung in Rom. Das grenzt das Kandidatenfeld schon ein, ebenso der Anforderungskatalog.
Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller beschreibt diesen so: Der neue Vorsitzende müsse die Kirche „mit seinem Gesicht in der Öffentlichkeit gut präsentieren, mit allen gesellschaftlichen Gruppierungen und auch der Politik“. Innerkirchlich brauche er „ein gutes Gespür für die römischen Bedarfe“, solle Italienisch sprechen können und die Gepflogenheiten der römischen Kurie gut einschätzen. In der Bischofskonferenz müsse er „die unterschiedlichen Gruppen zusammenführen“ – eine Leitungsfigur, die in einer katholischen Landschaft um Einheit ringt, in der eine Mehrheit Reformen will und eine kleine Minderheit strikt dagegen ist.
Aufgerieben zwischen Reformern und Bewahrern
Diese Spannungen haben schon die Amtszeit von Georg Bätzing geprägt, der sechs Jahre an der Spitze der Bischofskonferenz stand. Innerkirchlich trieb er den Reformdialog Synodaler Weg voran – gegen den Widerstand einzelner Bischöfe und römische Vorbehalte. Bätzing versuchte zu vermitteln, oft mit begrenztem Erfolg.
Gleichzeitig positionierte er die Bischöfe deutlich nach außen, etwa in der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Positionen. Unter seiner Ägide verabschiedeten sie einstimmig eine Erklärung, in der völkischer Nationalismus klar zurückgewiesen und vor einer Wahl der AfD gewarnt wurde.
Kein Zurückdrehen von Beschlüssen?
Wenn die Bischöfe am Dienstag wählen, dann wissen sie nicht nur um die verschiedenen Positionen innerhalb der Bischofskonferenz, sondern auch um die Erwartungen der Gläubigen. Die offizielle Laienvertretung, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), pocht darauf, dass die Ergebnisse des Synodalen Wegs nicht relativiert werden.
Präsidentin Irme Stetter-Karp erinnert in der Augsburger Allgemeinen daran, dass die gemeinsam verantworteten Beschlüsse der vergangenen Jahre nicht mehr zurückgedreht werden könnten.
Ganz anders blickt die Initiative „Neuer Anfang“, eine Art Gegenbewegung zum Synodalen Weg, auf die Wahl. Ihr Sprecher, der Publizist Bernhard Meuser, kritisiert eine zunehmende innere Zerrissenheit und fordert vom neuen Vorsitzenden die „Überwindung der innerkirchlichen Spaltung“. Nicht nur für ihn ist der Dienstag im Burkardushaus eine Richtungsentscheidung über die Reformpolitik der vergangenen Jahre.
Paderborner Erzbischof Bentz im Zentrum der Spekulationen
In dieser Gemengelage steht ein Kandidat besonders im Fokus: der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz. Er entspricht vielen Kriterien, die in der Konferenz gesucht werden: vergleichsweise jung, erfahren in Leitungsfunktionen, mit langjähriger Kenntnis der Bischofskonferenz, der er schon als Weihbischof von Mainz angehörte, allerdings aber ohne längeren Aufenthalt in Rom. Auffällig ist, wie präsent Bentz in den vergangenen Monaten war – in politischen Debatten ebenso wie bei innerkirchlichen Themen. In Interviews gibt er sich als vorsichtiger Reformer, betonte zuletzt aber etwa auch die Bedeutung des Lebensschutzes, ein Thema, das bei reformskeptischen Bischöfen eine große Rolle spielt.
Dazu kommt: Das Erzbistum Paderborn zählt zu den wohlhabendsten weltweit – ein Faktor, der zumindest nicht schadet. Andererseits könnte die starke öffentliche Sichtbarkeit von Bentz und seine Rolle als Favorit auch ein Risiko sein. Beim Konklave heißt es schließlich gern mal: Wer als Papst-Favorit ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus. Das könnte durchaus auch für die DBK-Vorsitzendenwahl gelten.
Kandidaten mit Rom-Erfahrung
Blickt man auf Bischöfe mit ausgeprägter Rom-Erfahrung – sei es durch ein Studium oder eine Tätigkeit an der Kurie -, fallen immer wieder die Namen Heiner Wilmer (Hildesheim), Stephan Ackermann (Trier), Franz Jung (Würzburg) und Bertram Meier (Augsburg). Auch Franz-Josef Overbeck aus Essen bringt diese Nähe zu Rom mit und hat sich zuletzt als Vermittler zwischen Vatikan und deutschem Reformprozess profiliert.
Seine klare Positionierung pro Reform könnte ihm allerdings schaden. Als weitere mögliche Kandidaten werden immer wieder der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sowie – vereinzelt – der Freiburger Erzbischof Stephan Burger genannt.
Zwei Drittel im Saal – und kein weißer Rauch
Klar ist: In den ersten beiden Wahlgängen braucht ein Kandidat eine Zwei-Drittel-Mehrheit, erst danach reicht eine einfache Mehrheit. Schwer einzuschätzen ist die Gruppe der Weihbischöfe; sie verfügen zusammen über mehr Stimmen als die 25 Diözesanbischöfe. In ihren Präferenzen sind sie weniger sichtbar als die Oberhirten an der Spitze eines Bistums.
Wie beim Konklave ist auch die Würzburger Wahl eine Richtungsentscheidung: Sie zeigt, wie die Bischöfe den weiteren Kurs der Kirche in Deutschland sehen. Anders als in Rom ist der Zeitplan aber relativ klar: Die Deutsche Bischofskonferenz geht davon aus, dass gegen 11:30 Uhr ein neuer Vorsitzender feststeht. Verkündet wird er nicht mit weißem Rauch und einem „Habemus Vorsitzendem“ auf einer Loggia, sondern ganz schlicht im Pressekonferenz-Saal des Burkardushauses.
Source: tagesschau.de