Bischof segnet junge Katholiken vor Anti-AfD-Fest – Protest gegen „Generation Deutschland“
Rund 1000 Menschen haben in Fulda gegen die Gründung der örtlichen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ protestiert. Vereine und Gewerkschaften hatten zuvor zu Demonstrationen aufgerufen. Auch die katholische Kirche mischte mit.
Begleitet von Protesten ist der hessische Landesverband der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) in Fulda zu seiner Gründungsversammlung zusammengetreten. Vor dem Bürgerhaus im Stadtteil Johannesberg, in dem sich die AfD-Jugend versammelte, demonstrierten nach Polizeiangaben rund 1000 Menschen gegen die Partei. Die Kundgebungen verliefen zunächst friedlich.
Die Versammlung konnte denn auch pünktlich beginnen. Und anders als bei der Gründung des GD-Bundesverbands Ende November in Gießen konnten auch die rund 50 Delegierten nach ersten Erkenntnissen ungehindert anreisen. In Gießen hatten rund 25.000 Menschen gegen die Gründungsveranstaltung demonstriert – die meisten friedlich. Es kam damals auch zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Vor Beginn des sogenannten „Demokratiefestes“ der Gegendemonstranten in Fulda-Johannesberg hatte der katholische Fuldaer Bischof Michael Gerber am Samstagmorgen noch die Demo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer aus den katholischen Jugendverbänden gesegnet. „Ich bin dankbar, dass junge Menschen heute Verantwortung übernehmen – friedlich, sichtbar und gemeinsam“, sagte der Bischof laut Pressemitteilung.
Bischof mahnt zur „Kultur des Respekts“
Er dankte den Teilnehmern zudem für ihren Einsatz für Demokratie, Menschenwürde, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das von dem Verein „Fulda stellt sich quer“ veranstaltete Demokratiefest richtete sich explizit gegen die Gründung des hessischen Landesverbands der AfD-Jugend „Generation Deutschland“. Zur Teilnahme aufgerufen hatten neben katholischen Jugendverbänden unter anderen auch der evangelische Fuldaer Dekan Thorsten Waap, der DGB Hessen-Thüringen, der Paritätische Hessen, der Landesausländerbeirat und der Landesfrauenrat Hessen.
„Als Christinnen und Christen wissen wir: Maßstab unseres Handelns ist immer der konkrete Mensch in seiner unantastbaren Würde“, so Bischof Gerber in seinem Grußwort weiter. „Wo Menschen herabgesetzt, ausgegrenzt oder gegeneinander ausgespielt werden, dürfen wir nicht gleichgültig bleiben.“ Christinnen und Christen müssten früh und klar für Demokratie, Menschenwürde, Religionsfreiheit und die freiheitliche Ordnung eintreten, betonte der Bischof. Entscheidend sei, wie eine tragfähige Kultur des Respekts, des Zuhörens und des demokratischen Miteinanders gestärkt werde.
Polizei mit Großaufgebot vor Ort
Die Polizei hatte sich nach Angaben des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) auf die Proteste eingestellt und war mit einem Großaufgebot vor Ort. Bereits ab 10 Uhr formierte sich zunächst ein Demonstrationszug in Fulda, um 10.30 Uhr startete das sogenannte „Demokratiefest“ vor dem Bürgerhaus im Stadtteil Johannesberg, um 11 Uhr begann die AfD-Tagung.
Dort forderte der GD-Bundesvorsitzende Jean-Pascal Hohm die hessische AfD-Jugend in seiner Eröffnungsrede dazu auf, „Innovationsmotor“ innerhalb der Partei zu sein. Zum Landeschef der neuen Organisation gewählt wurde der Ingenieur Nafiur Rahman.
Der hessische Co-Landessprecher Robert Lambrou gab den Delegierten als Auftrag mit auf den Weg, Ansprechpartner der jungen Leute sein. Laut Hohm zählt die GD bundesweit aktuell knapp 2600 Mitglieder. Hessen ist der 15. Jugendverband, den die AfD gründet. Als letztes Bundesland fehle noch Baden-Württemberg.
Die GD folgt der aufgelösten Jungen Alternative (JA), die vom Verfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft worden war. Aus Sicht der Bundesregierung ist bei der GD keine Mäßigung gegenüber der aufgelösten Vorgängerorganisation zu erkennen. Anders als die JA ist die neue Jugendorganisation vollständig in die AfD eingebunden. Die JA hatte sich im Frühjahr 2025 aufgelöst, nachdem sich die AfD von ihr getrennt hatte.
Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert
epd/dpa/krott
Source: welt.de