Bilanzsaison in USA startet: Goldman Sachs verdient 2026 im ersten Quartal 18 Prozent mehr

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat im ersten Quartal 2026 vom anziehenden Beratungsgeschäft bei Unternehmenskäufen profitiert. Wie die Bank am Montag mitteilte, verdiente sie 2026 zwischen Anfang Januar und Ende März nach Steuern 5,4 Milliarden Dollar. Das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und mehr, als Analysten erwartet hatten. Auf das Jahr hochgerechnet, käme Goldman Sachs mit diesem Quartalsgewinn auf eine Nettoeigenkapitalrendite von 19,8 Prozent. Deutsche Banken sind froh, wenn sie 13 Prozent schaffen.
Üblicherweise eröffnen die größeren US-Banken J.P. Morgan und Citigroup die Berichterstattung der US-Unternehmen, aber in diesem Quartal geht Goldman Sachs voran. Die beiden anderen Banken folgen am Dienstag, ihre Wettbewerber Bank of America und Morgan Stanley geben dann am Mittwoch ihre Quartalszahlen bekannt. Analysten erwarten nach Daten von Bloomberg von den 500 größten US-Unternehmen im Aktienindex S&P 500 eine durchschnittliche Gewinnsteigerung zum Vorjahresquartal um 12,5 Prozent.
Goldman rechnet mit weiter anziehendem M&A-Geschäft
Banken sind als Finanzierer von Unternehmen und Händler von Wertpapieren ein wichtiger Indikator für den Zustand der Wirtschaft, insbesondere nach der militärischen Eskalation in Iran und der Gefahr abreißender Lieferketten durch eine weitgehend blockierte Straße von Hormus. Jamie Dimon, Chef von J.P. Morgan, hat zudem gerade davor gewarnt, dass geopolitische Spannungen die Schieflagen am Markt von Privatkreditfonds verschärfen könnten.
Goldmans Bankchef David Solomon dagegen hatte im März die Fachwelt auf ein gutes erstes Quartal eingestimmt. Damals erwartete der Goldman-Chef zudem, dass das Geschäft mit Unternehmenskäufen und Übernahmen (M&A) im Jahresverlauf noch anziehen wird. Zuvor hatten Analysten der Investmentbank Jefferies die Beratungshonorare für Banken auf das höchste Niveau seit der Corona-Pandemie geschätzt. Goldman und J.P. Morgan greifen davon in der Regel am meisten ab.
Unilever, Henkel und Klöco hat Goldman 2026 beraten
So war es wohl auch im ersten Quartal 2026. Goldman Sachs war zum Beispiel beteiligt an diesen drei Transaktionen: Die Bank beriet den britischen Konzern Unilever beim Verkauf seines Gewürzgeschäftes an das amerikanische Unternehmen McCormick und in Deutschland Henkel beim Kauf des niederländischen Spezialbeschichtungsunternehmens Stahl und den Stahlhändler Klöckner & Co beim Verkauf an das amerikanische Stahlunternehmen Worthington.
Dies schlug sich bei Goldman Sachs nieder in höheren Erträgen: Sie stiegen im Beratungsgeschäft um satte 89 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 1,5 Milliarden Dollar und im Aktiengeschäft um 27 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar. Im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC), wo auch die Deutsche Bank üblicherweise ein Viertel ihrer Konzernerträge verdient, nahm Goldman Sachs allerdings zehn Prozent weniger ein. Mit fast exakt vier Milliarden Dollar steht dieser Bereich auch bei Goldman Sachs für 23 Prozent der Konzernerträge von 17,3 (Vorjahresquartal: 15,1) Milliarden Dollar.
Der Ertragsrückgang könnte mit der Zinsentwicklung zu tun haben. Hoffnungen auf eine weitere schnelle Leitzinssenkung der Notenbank Fed für das kurze Ende der Laufzeiten haben sich verflüchtigt, weil die Inflation in den USA erst recht durch den jüngsten Ölpreisanstieg hartnäckig hoch bleiben dürfte. Immerhin steigen die Zinsen am längeren Ende der Laufzeitenkurve tendenziell, da viele Anleger gegenüber den USA als hoch verschuldetem Gläubiger skeptischer werden und die quasi als Basiszins etwa für Hypothekendarlehen geltenden, in zehn Jahren fälligen US-Staatsanleihen (Treasuries) derzeit mit 4,4 Prozent höher rentieren als zu Jahresanfang.
Für Banken bedeutet dies, dass sie im Kreditgeschäft ordentlich verdienen. Das fällt bei Goldman wenig ins Gewicht, dürfte sich aber in den Quartalsbilanzen von J.P. Morgan, Bank of America und Citigroup zeigen. So hat etwa Bofa einen Anstieg des Zinsüberschusses im ersten Quartal von mindestens sieben Prozent in Aussicht gestellt.