Biennale in Venedig: Russlands Wiederzulassung ist ein Skandal

Auch wenn sich Italiens stellvertretender Ministerpräsident und bekennender Putin-Sympathisant Matteo Salvini auf die Seite des Venedig-Biennale-Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco gestellt hat – die Entscheidung, Russland wieder seinen Pavillon in den Guardini bespielen zu lassen, bleibt ein Skandal. Auch Buttafuocos blumige Verbrämung der Wiederzulassung der Angreifer im heißen Krieg gegen die Ukraine als „Diplomatie der Schönheit“ bessert hier nichts.

Wie schon bei der vergangenen Biennale, bei der Russland seinen Pavillon zwar nicht offiziell als Bühne nutzen durfte, seine Räumlichkeiten aber an Bolivien gegen Lithium vermietete (das Land verfügt über die größten Vorkommen weltweit, die nicht nur in Handys und Batterien, sondern auch in Kriegsgerät unverzichtbar sind und Putin erhielt über eine staatlich-russische Firma den Zuschlag für Lithium-Lieferverträge im Wert von mehr als 400 Millionen Euro), gab es wohl auch diesmal eine Kompensation. Es bleibt somit ein gewiefter Winkelzug des passionierten Schachspielers Putin, der durch die aktuelle Ölkrise des Irankriegs Trump nun sogar dazu brachte, das Ölexportembargo gegen ihn wieder auszusetzen. Der Ex-Spion Putin weiß ebenso, dass Buttafuoco mit Zuwendungen diplomatisch schön geschmeidig zu machen wäre.

Plötzlich erhielt Katar einen Pavillon

Der Erste ist er damit nicht: Katar hat sich vergangenes Jahr in die Biennale eingekauft, obwohl jahrzehntelang alle Aspiranten auf einen eigenen Pavillon vertröstet wurden, die Gärten seien leider schon rappelvoll und es gebe keinerlei Platz. Im Nu war nach ein wenig „Diplomatie der Schönheit“ – wohl eher des Geldes – überraschend doch Raum für den wohlhabenden Wüstenstaat.

Es wird nicht so wenig gewesen sein, was Russland versprach, denn die EU-Kommission überweist zwei Millionen Euro an jede Biennale, was nun wegen der Wiederzulassung Russlands, die Brüssel mit ungewöhnlich klaren Worten „verurteilt“, ausgesetzt werden soll. Zwei Millionen aber sind eine Summe, auf die man in Venedig nicht leichtfertig verzichten kann.

Hier hat Europa den Spieß einmal umgedreht: Die an die Fortsetzung der Förderung geknüpften Forderungen nach Einhaltung „demokratischer Werte, eines offenen Dialogs, von Vielfalt und Meinungsfreiheit“ sind für Putin so uneinlösbar wie seine Friedensbedingungen gegenüber der Ukraine; es ist, als solle der Teufel den Heiligen Franziskus zum Kriegsminister der Hölle ernennen. Es ist eine perverse Verkehrung von Angriffskriegern und Angegriffenen, wenn Buttafuoco salbadert, „alle Länder, die sich derzeit im Krieg befinden“, sollten auf der Biennale vertreten sein.

Die Schmach von Venedig für die Ukraine ist politisch so harmlos nicht: Zu Recht wies deren Präsident Selenskyj in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Nova in einer Randbemerkung zur Winterolympiade und zur Biennale darauf hin, dass „Sport, Musik, Kino und Kunstfestivals wie die Biennale von Venedig zu Waffen zu machen niemals hilft“. Kunst als Waffe ist stets Ausdrucksmittel von Totalitarismus, in Venedig sogar wörtlich: Die Kuratorin des Pavillons, Anastasia Karneeva, führt nicht nur die diesen bespielende Firma Smart Art mit der Tochter von Putins Außenminister Lawrow, sie hat über ihn auch Kontakte zur Rüstungsindustrie. Schlimmer konnte die Biennale im Vorfeld nicht befleckt werden.

Source: faz.net