Bezug zu Revolutionsgarde: Booking suspendiert Frankfurter Hilton-Hotels mit Iran-Verbindung

Das Buchungsportal Booking.com hat mehrere europäische Luxushotels von seiner Website entfernt, die dem iranischen Banker Ali Ansari gehören. Ansari steht im Verdacht, ein Finanzier der iranischen Revolutionsgarden zu sein. Die britische Regierung hat ihn deshalb unter Sanktionen gestellt. In der EU wurde die Islamische Revolutionsgarde IRGC vor einer Woche als Terrororganisation eingestuft.

Nun hat das weltgrößte Buchungsportal Booking.com die Konsequenz gezogen und die Hotels, die Ansaris Gesellschaften gehören, von seiner Website gestrichen. Es handelt sich um das Hilton Hotel Frankfurt City Centre, ein Haus mit 350 Zimmern im Stadtzentrum, und das Hilton Frankfurt Gravenbruch südlich der Stadt sowie das Steigenberger Golf-Ressort Camp de Mar auf der spanischen Insel Mallorca.

Der iranische Geschäftsmann Ali Ansari
Der iranische Geschäftsmann Ali AnsariPicture Alliance

Als erste berichtete darüber die Zeitung „Financial Times“, die auch vor zehn Tagen eine Recherche über das große Immobilienimperium Ansaris in Europa veröffentlicht hatte.

Hilton äußert sich zur Verbindung nicht

Ansari hält die Immobilien über verschiedene Offshore-Firmen, die teils in der Karibik sitzen, und Holdinggesellschaften in Luxemburg und den Niederlanden. Seine Beteiligungen sollen einen geschätzten Wert von 400 Millionen Euro haben.

Bis vor Kurzem war nicht öffentlich bekannt, dass die beiden Frankfurter Hilton-Hotels, die über ein Franchisesystem betrieben werden, dem iranischen Geschäftsmann gehören. Das Hilton Frankfurt Gravenbruch in Neu-Isenburg gehörte zuvor zur Kempinski-Gruppe und wechselte erst im Oktober 2024 zur Marke Hilton. Im Hilton City Centre nahe der Alten Oper und der Hauptwache kostet eine Übernachtung in der Presidential Suite mehr als 1000 Euro.

Der Hilton-Konzern Hilton Worldwide hat sich auf wiederholte Anfragen der F.A.Z. zu seiner Geschäftsbeziehung mit Ansaris Gesellschaften nicht äußern wollen. Auch die Entscheidung von Booking.com kommentierte Hilton nicht. Die Frage, ob die Verbindung mit Ansari ein Reputationsrisiko darstelle, beantwortete der globale Hotelkonzern ebenfalls nicht.

Beziehung mit dem Sohn von Irans Oberstem Führer

Für ein US-Unternehmen könnte eine geschäftliche Beziehung mit einem mutmaßlichen Finanzier der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) sehr gefährlich werden. Die US-Regierung hat schon 2019 Wirtschafts- und Reisesanktionen gegen die IRGC und mit ihr verbundene Organisationen, Unternehmen und Personen verhängt.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte vor Kurzem eine große Recherche zu dem Verdacht, dass hinter dem Ansari-Immobilienimperium letztlich Modschtaba Khamenei, der Sohn von Irans Oberstem Führer, stehen könnte. Dieser ist einer der mächtigsten Männer Irans und gilt als möglicher Nachfolger seines Vaters. Ansari ließ diesen Vorwurf über seinen Londoner Anwalt Roger Gherson bestreiten.

Die britische Regierung bezeichnete Ansari im vergangenen Oktober als „korrupten Banker und Geschäftsmann“, der Aktivitäten der Revolutionsgarde finanziell ermögliche. Seine Vermögenswerte im Vereinigten Königreich, darunter Luxusimmobilien in London, mit einem geschätzten Wert von 150 Millionen Euro, wurden eingefroren. Die EU hat bislang keine Sanktionen gegen Ansari verhängt.

Bankenkollaps verschärfte Irans Wirtschaftskrise

Ansaris Familie ist eine der reichsten Familien des Iran und gilt als sehr regimenah. Er führte jahrelang die Bank Ayandeh mit mehreren Millionen Kunden. Diese kollabierte im vergangenen Sommer nach milliardenschweren Verlusten und musste von iranischen Staatsbanken und der Notenbank gerettet werden. Dadurch verschärften sich die Finanznot, die hohe Inflation und der Währungsverfall in Iran.

Die Wirtschaftskrise und die Inflation waren wichtige Auslöser für die jüngsten, am 28. Dezember ausgebrochenen Massenproteste. Bei der Niederschlagung der Proteste gab es nach Angaben von Menschenrechtlern Zehntausende Opfer. Die Revolutionsgarde war an der blutigen Repression führend beteiligt.

Zu Ansaris Beteiligungen gehört auch das Bero Einkaufszentrum in Oberhausen. Dessen Betreiber hat vor wenigen Tagen überraschend Insolvenz angemeldet.

Auch am Schlosshotel Kitzbühel hielt Ansari eine kleine Beteiligung. Die Eigentümergesellschaft des Luxushotels in dem österreichischen Skiort versicherte der F.A.Z., dass Ansari „kein direkter oder mittelbarer Anteilseigner oder Miteigentümer unserer Hotelimmobilien mehr ist“. Die Hotelleitung schrieb: „Seit Ende 2022 kämpfen wir hart darum, Ali Ansari aus unserer Gesellschaft zu entfernen und fernzuhalten, da er der Korruption und Geldwäsche verdächtigt wird“. Dennoch hat Booking.com jetzt auch das Schlosshotel Kitzbühel aus seinem Buchungsportal geworfen.