Bewegungen dieser US-Streitkräfte: Bericht: Chinesische Firmen vermarkten US-Daten reichlich Iran-Krieg
Bewegungen der US-StreitkräfteBericht: Chinesische Firmen vermarkten US-Daten über Iran-Krieg
04.04.2026, 19:01 Uhr

Im Internet zugängliche Informationen über die Aktionen der US-Streitkräfte im Iran-Krieg sollen einem Bericht zufolge ein großes Sicherheitsrisiko darstellen. Über die Einschätzung der tatsächlichen Bedrohung seien sich US-Geheimdienstexperten jedoch uneinig.
Chinesische Unternehmen sollen einem Medienbericht zufolge detaillierte Informationen über die Bewegungen der US-Streitkräfte im Iran-Krieg vermarkten. Die Unternehmen seien zwar privat, einige davon hätten aber Verbindungen zum Militär, berichtet „The Washington Post“ (WP). Demnach wurde seit dem Kriegsausbruch vor fünf Wochen auf westlichen und chinesischen Plattformen eine Welle von viralen Beiträgen entdeckt. Sie sollen detaillierte Informationen über Ausrüstung auf US-Stützpunkten, die Bewegungen amerikanischer Flugzeugträgergruppen und genaue Aufschlüsselungen darüber enthalten, wie sich Militärflugzeuge für Angriffe auf Teheran versammelt haben.
Die Informationen stammten laut dem Bericht aus einem schnell wachsenden neuen Markt. Demnach kombinieren chinesische Firmen künstliche Intelligenz (KI) mit Open-Source-Daten, um Informationen zu vermarkten, die angeblich die Bewegungen der US-Streitkräfte „aufdecken“ können. Viele der Firmen seien den letzten fünf Jahren im Rahmen der Bemühungen der Regierung in Peking entstanden, private KI für militärische Zwecke zu nutzen. Im Zuge des Iran-Kriegs würden die Firmen nun daraus Kapital schlagen. Indes versucht die chinesische Regierung sich von jeglicher direkten Beteiligung am Iran-Krieg zu distanzieren.
US-Beamte und Geheimdienstexperten sind sich laut WP uneins darüber, ob die öffentlich vermarkteten Informationen chinesischer Firmen eine echte Bedrohung darstellen würden und von US-Gegnern eingesetzt schädigend werden könnten. Jedoch weist nach deren Einschätzung der Anstieg der Angebote aus dem Privatsektor auf ein wachsendes Sicherheitsrisiko hin. Zudem würde dies Pekings Absicht widerspiegeln, die Stärke seiner Geheimdienstkapazitäten zu demonstrieren. Im Rahmen seiner Strategie zur zivil-militärischen Integration habe Peking Hunderte Millionen Dollar in die Unterstützung privater Unternehmen investiert, die KI mit praktischen Verteidigungsanwendungen entwickeln.
Private Unternehmen nutzen dem Bericht zufolge schon lange Open-Source-Daten, um Marktinformationen zu gewinnen, darunter seien auch Flugverfolgungsdaten, Satellitenbilder und Schifffahrtsdaten. Doch die zunehmenden KI-Fähigkeiten chinesischer Unternehmen würden diese Werkzeuge leistungsfähiger machen und die wachsende Herausforderung der USA unterstreichen, Militärbewegungen vor potenziellen Gegnern zu verbergen.
Militärische Bewegungen katalogisiert
Als Beispiel wird im Bericht der „Washington Post“ das 2021 gegründete Unternehmen MizarVision mit Sitz in Hangzhou aufgeführt. Es sei zwar nicht Teil des chinesischen Militärs, verfüge aber über eine nationale Militärstandardzertifizierung, die für Unternehmen erforderlich sei, die Dienstleistungen für die Volksbefreiungsarmee erbringen. MizarVision nutze eine Mischung aus westlichen und chinesischen Daten, die durch KI gefiltert würden, um die Aktivität auf US-Stützpunkten im Nahen Osten zu katalogisieren. Zudem würden damit Marinebewegungen verfolgt und die Position und Anzahl bestimmter Flugzeuge und Raketenabwehrsysteme ermittelt.
Bilder des Unternehmens zeigten beispielsweise den Truppenaufmarsch der USA im Nahen Osten am Vorabend des Beginns der Operation „Epic Fury“, wie der Krieg gegen den Iran von der US-Regierung genannt wird. Zudem seien der Vorbeiflug der Flugzeugträgerkampfgruppen USS Gerald R. Ford und USS Abraham Lincoln zu sehen. Auch würden detaillierte Aufschlüsselungen der Anzahl und Typen der Flugzeuge veröffentlicht, die sich auf dem israelischen Luftwaffenstützpunkt Ovda, dem saudi-arabischen Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan und dem katarischen Luftwaffenstützpunkt al-Udeid versammelten.
Bei einem iranischen Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in Saudi-Arabien sind Medienberichten zufolge Ende März mindestens zwölf US-Soldaten verletzt worden, davon zwei schwer. Mindestens eine Rakete und mehrere Drohnen seien auf den Stützpunkt südöstlich von Riad abgefeuert worden, berichteten übereinstimmend mehrere US-Medien.
„Im Vorfeld der Eskalation der Spannungen im Iran im Jahr 2026 haben wir schnell die Standorte von im Nahen Osten stationierten Waffen und Ausrüstung identifiziert“, schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite. Auch seien die Betankungsmuster von US-Flugzeugträgergruppen „aufgedeckt“, worden. Weder die chinesische Regierung noch das Unternehmen hätten auf Anfrage der Zeitung zu einer Stellungnahme reagiert.
US-Kommunikation dokumentiert?
Jing’an Technology, ein weiteres Unternehmen aus Hangzhou, das die militärischen Bewegungen der USA im Nahen Osten verfolgen soll, habe eine angebliche Aufnahme veröffentlicht, die die Kommunikation zweier US-amerikanischer B-2A-Stealth-Bomber während der ersten Angriffe der Operation Epic Fury dokumentiert. Jing’an hat eigenen Angaben zufolge von Ende Januar bis Anfang Februar in nur wenigen Tagen „fieberhaft riesige Mengen an Schiffs- und Flugdaten abgeglichen, mehr als 100 US-Kriegsschiffe und Dutzende von US-Militärflugzeugen erfasst und mehr als 100.000 (militärische) Bewegungen aufgezeichnet“, teilte das Unternehmen in einem chinesischen Social-Media-Beitrag mit. Auch Jing’an Technology habe nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme der WP reagiert.
US-Beamte und ehemalige Geheimdienstanalysten äußern sich laut der Zeitung skeptisch darüber, dass chinesische Firmen in die verdeckten Kommunikationssysteme der USA eindringen können, warnen aber dennoch vor der Besorgnis über den Aufstieg solcher Unternehmen. „Selbst wenn diese Fähigkeit noch nicht vorhanden ist, die eigentliche Sorge gilt der Absicht“, sagte ein US-Beamter, der technologische Bedrohungen durch US-Gegner verfolge und anonym bleiben wolle.
Hat Russland Daten geliefert?
Die Washington Post hatte zuvor unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichtet, dass Russland dem Iran Zielinformationen für Angriffe auf amerikanische Streitkräfte im Nahen Osten geliefert haben soll. Demnach hat Russland den Iranern seit Beginn des Krieges am Samstag die Standorte von US-Militäreinrichtungen, Kriegsschiffen und Flugzeugen übermittelt. Dies sei das erste Anzeichen dafür gewesen, dass ein Gegner der USA aktiv an dem Krieg teilnehmen könnte.
Auf die Frage, ob die Gegner der USA Geheimdienstinformationen mit Teheran teilen, sagte Verteidigungsminister Pete Hegseth laut WP: „Es gibt Dinge, die Gegner tun, um Informationen und Geheimdienstinformationen weiterzugeben, die sie nicht weitergeben sollten.“ Man sei sich dessen bewusst und reagiere darauf.
Source: n-tv.de