Besuch in Nordkorea: Kim Jong-uns Freund aus Belarus

Für den ersten Besuch des belarussischen Machthabers in Pjöngjang ließ Kim Jong-un Tausende Nordkoreaner auf dem Kim-Il-sung-Platz jubeln. Einundzwanzig Schuss Salut ließ das Regime für Alexandr Lukaschenko abfeuern, als die Diktatoren eine Ehrenformation abschritten.

„Freudig“ habe Kim sein Gegenüber „herzlich willkommen“ geheißen, hieß es in Nordkoreas Staatsmedien. Beide Alleinherrscher priesen eine „multipolare Welt“, nach der ihre Länder strebten. Nach belarussischen Angaben sagte Lukaschenko seinem Gastgeber, dass Nordkorea „mit diesem fleißigen, disziplinierten Volk eine große Zukunft erwartet“. Lukaschenko und Kim unterzeichneten am Donnerstag einen Vertrag über „Freundschaft und Zusammenarbeit“.

Dieser soll unter anderem Landwirtschaft und Gesundheitsversorgung umfassen, die im darbenden nordkoreanischen Volk dringend benötigt würde, sollten sich die Deklarationen überhaupt zu Handfestem wandeln.

Nordkorea will Handlungsspielraum

Am Mittwoch, dem Tag von Lukaschenkos Ankunft, hatten die beiden das sogenannte Befreiungsdenkmal in Pjöngjang besucht, das 1946 zu Ehren der sowjetischen Truppen errichtet wurde, die an der Vertreibung der japanischen Besatzer mitgewirkt hatten. Dort legte Lukaschenko nach Angaben seines Pressedienstes auf Bitten des russischen Präsidenten Wladimir Putin Blumen „als Zeichen des Danks für die Hilfe bei der SWO“ nieder; das ist das russische Kürzel für „spezielle Militäroperation“, den Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Russland gilt als gemeinsamer Nenner für die Annäherung zwischen Nordkorea und Belarus, die 1992 diplomatische Beziehungen aufnahmen, aber bislang kaum Austausch pflegten. Das änderte sich, nachdem Kim im Herbst 2024 Tausende seiner Soldaten nach Russland geschickt hatte, die im Gebiet Kursk gegen die ukrainischen Streitkräfte kämpften und in großer Zahl fielen. Ein im Juni 2024 von Kim und Putin unterzeichneter „Partnerschaftsvertrag“ zwischen Nordkorea und Russland sieht unter anderem gegenseitigen Beistand im Falle einer Aggression gegen eine der Vertragsparteien vor.

Für Kim bedeutet die Partnerschaft mit Russland auch einen Schild gegen internationale Sanktionen und vermehrten Handlungsspielraum gegenüber China. In diesem Sinne kritisierte Kim den „rechtswidrigen Druck“, den der Westen auf Belarus ausübe. Lukaschenko habe Nordkoreas „volle Unterstützung“ für dessen „unabhängige Politik“. In Südkorea hieß es, Kim wolle seine wachsende internationale Präsenz mithilfe einer „antiwestlichen“ trilateralen Kooperation mit Russland und Belarus ausbauen.

Ein Bericht für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen schätzte vor gut zwei Jahren, dass mehr als 100.000 Nordkoreaner in etwa 40 Ländern in Branchen wie dem Bausektor arbeiten, um dem Regime Einnahmen zu verschaffen; dazu zählt insbesondere Russland. Menschenrechtler heben hervor, dass dies unter Bedingungen geschehe, die Zwangsarbeit gleichkämen.

Source: faz.net