Berlins Polizeipräsidentin sieht „keine Hinweise aufwärts zusammenführen Bandenkrieg“ in jener Stadt
Schüsse auf Geschäfte, Wohnungen und Häuser: Die Polizei in Berlin reagiert mit verschärften Kontrollen und einer Sondereinheit. Polizeipräsidentin Meisel will von einem Bandenkrieg allerdings nichts wissen.
Nach zahlreichen Schussangriffen Ende vergangenen Jahres in Berlin wurde im November 2025 die Sondereinheit „Ferrum“ (deutsch: Eisen) im Landeskriminalamt (LKA) eingerichtet. Seitdem sind sie mit umfangreichen Razzien in Bars und Restaurants und an bekannten Treffpunkten von Kriminellen gegen gewalttätige Banden vorgegangen.
Fast jede Woche berichtet die Polizei von Gewaltvorfällen in der Parallelwelt der Revierkämpfe. Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) sprach zuletzt von einer neuen Bedrohungslage durch Bandenkriege in der Hauptstadt.
Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel äußerte sich im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses vor wenigen Tagen anders: „Vorweg, wir haben (…) keine Hinweise auf einen Bandenkrieg in dieser Stadt. Das mag medial zwar ein Bild sein, das für hohe Klickzahlen sorgt, ein wenig Chicago der 30er-Jahre. Konkrete Hinweise auf einen solchen Bandenkrieg in dieser Stadt haben wir nicht. Auch keine Hinweise gibt es darauf, dass Geschäftsfelder neu verteilt werden.“ Woher derartige Erkenntnisse stammten und auf welcher Grundlage sie gewonnen würden, entziehe sich ihrer Kenntnis. So zitiert die „B.Z. Berlin“ die Polizeipräsidentin.
Meisel benannte demnach ein anderes „ernstes Problem“: die Verbreitung scharfer Pistolen und deren Gebrauch. „Streitigkeiten, die früher mit Fäusten ausgetragen wurden, werden heute vielleicht eher mit Schusswaffen ausgetragen.“ Für die Polizei sei das aktuelle Thema derzeit die „hohe Verfügbarkeit von Schusswaffen in kriminellen Milieus“, auch im Bereich der organisierten Kriminalität. Sie würden dort für Sachbeschädigungen genutzt, also etwa bei der Erpressung von Ladeninhabern, für Schüsse auf Gebäude und Scheiben, „aber leider auch gegen Menschen“.
Durch „Ferrum“ seien bislang 260 Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige eingeleitet worden, es habe 13 Haftbefehle gegeben und die Polizei habe 78 gefährliche Gegenstände und Waffen beschlagnahmt. Darunter waren nach letztem Stand 18 scharfe Schusswaffen.
jm mit dpa
Source: welt.de