Berkshire Hathaway: Wohin mit Buffetts Milliardenreserven?

Berkshire Hathaway, die Beteiligungsgesellschaft des Starinvestors Warren Buffett sucht offenbar nach neuen Anlagemöglichkeiten. So weist die Quartalsbilanz Barreserven in einer Rekordhöhe von knapp 382 Milliarden Dollar aus. Das wirft bei Investoren zunehmend die Frage auf, ob Berkshire Hathaway das Geld nicht besser für Aktieninvestments, Firmenübernahmen oder eine Dividende verwenden solle, statt es weiter auf die hohe Kante zu legen.
Das Unternehmen steht vor großen Umwälzungen, Buffett wird die Führung in wenigen Wochen an seinen Nachfolger übergeben. Berkshire Hathaway hatte die Gewinne in den zurückliegenden drei Monaten kräftig gesteigert. Das Firmenkonglomerat, das als Mikrokosmos der US-Wirtschaft gilt.
Warren Buffetts Nachfolger soll Unternehmen in seinem Sinne weiterführen
Diese Aufgabe, das Unternehmen in Buffetts Sinne weiterzuführen, obliegt dann dem designierten Nachfolger Greg Abel. Der 63 Jahre alte Abel ist bisher die Nummer zwei bei Berkshire. Er soll den 95-jährigen Buffett zum Jahreswechsel auf dem Chefposten ablösen. Abel gilt als jemand, der stärker in das Tagesgeschäft eingreift als Buffett. Den Vorsitz im Verwaltungsrat, den Buffett bisher in Personalunion innehat, will der von Anlegern verehrte Investor behalten. Buffett wird im Zusammenhang mit seinen jahrzehntelangen Investmenterfolgen und dem Firmensitz von Berkshire Hathaway auch als „Orakel von Omaha“ bezeichnet.
Das Betriebsergebnis von Berkshire stieg im dritten Quartal um 34 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Gründe waren Währungseffekte und eine Erholung der konzerneigenen Versicherungsgeschäfte, die von größeren Katastrophen wie Hurrikans verschont blieben. Die Güterbahn BNSF steigerte ihren Gewinn um sechs Prozent. Dagegen bremsten die konjunkturelle Unsicherheit und das nachlassende Verbrauchervertrauen das Wachstum in anderen Sparten wie dem Fertighausbauer Clayton, dem Batteriehersteller Duracell und der Bekleidungsmarke Fruit of the Loom.
Aktie von Berkshire Hathaway schwächelt zuletzt
Der Nettogewinn kletterte um rund 17 Prozent auf 30,8 Milliarden Dollar. In dieser Kennziffer spiegelt sich neben dem operativen Geschäft auch die Börsenkursentwicklung der von Berkshire Hathaway gehaltenen Aktien wider, darunter Beteiligungen an Apple und American Express. Das zwölfte Quartal in Folge stieß Buffetts Konzern mehr Aktien ab, als er erwarb. Zudem kaufte Berkshire das fünfte Quartal in Folge keine eigenen Aktien zurück.
Seit Buffett am 3. Mai dieses Jahres seinen Rückzug angekündigt hatte, ist die Berkshire-Aktie um zwölf Prozent gefallen und blieb damit 32 Prozentpunkte hinter dem Leitindex S&P 500 zurück. „Anleger werden sich schwertun, einen Impuls für diese Aktie zu finden“, sagte Cathy Seifert, Analystin bei CFRA Research. „Ungeduldige Anleger verspüren den dringenden Bedarf, dass Berkshire seine Barmittel einsetzt, und haben sich nach anderen Möglichkeiten umgesehen“, sagte Tom Russo, Partner bei Gardner Russo & Quinn.
Auch wenn die Aktie zuletzt schwächelte, haben die Gewinne an der Börse viele Aktionäre sehr reich gemacht. Allein innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat sich der Kurs verdoppelt. Das Gespann Charlie Munger und Warren Buffett hat über Jahrzehnte die Investmentszene geprägt und galt vielen Anlegern als Blaupause für ihre eigene Investmententscheidung.
Analysten enttäuscht von Ausgaben von Berkshire
Munger starb Ende November 2023 mit 99 Jahren. Er galt als engster Vertrauter Buffetts. Die Hauptversammlungen der Gesellschaft waren in den vergangenen Jahren eher ein gesellschaftliches Event als eine trockene Gesellschafterversammlung. Längst gibt es auch Tassen, T-Shirts und Mützen mit den Konterfeis der Herren Buffett und Munger. Gerade weil die beiden einen solchen Kultstatus hatten, sind sich Anleger auch nicht ganz sicher, ob der Nachfolger das Unternehmen genauso erfolgreich führen kann.
Analysten zeigten sich insgesamt enttäuscht, dass Berkshire während der diesjährigen Börsenrally nicht mehr Geld ausgegeben hat. „Wenn man meint, dass Aktien teuer sind, einschließlich der eigenen, hat man irgendwann mal recht. Man kann aber eine lange Zeit falsch liegen, und das ist hier passiert“, sagte James Shanahan von Edward Jones. Eine große Übernahme hat Berkshire seit 2016 nicht mehr getätigt. Geplant ist jedoch, 9,7 Milliarden Dollar für den Kauf des Chemiegeschäfts Oxy Chem von Occidental Petroleum zu verwenden. „Abel hat eine enorme Chance“, sagte Shanahan angesichts der hohen Barreserven, die in eigene Konzernsparten investiert werden könnten.
An der Börse haben die breiter gehandelten B-Aktien von Berkshire Hathaway eine Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar.
Source: faz.net