Bella vacanza! So gelingen Ihre Ferien in Italien ganz ohne Fettnäpfchen

Bilderbuchlandschaften, authentische Küche, reiches Kulturerbe: Italien zieht jährlich Millionen Touristen an. Doch längst nicht alle machen vor Ort Bella Figura. Mit diesen 20 Tipps vermeiden Besucher peinliche Situationen.

1. Die erste Regel in italienischen Städtchen, die berühmt sind für ihr holpriges Pflaster, ist den weiblichen Besuchern gewidmet: niemals High Heels! Nur Italienerinnen schaffen es mit der nötigen Grandezza, und vor allem ohne Blessuren, auf hohen Absätzen über Kopfsteinpflaster und unebene Gassen zu schreiten. Urlauberinnen aus dem Norden tun deshalb gut daran, lieber flache Schuhe zu tragen. Nicht nur in Kleinstädten wie Amalfi oder Bergamo, sondern auch in Rom.

2. Lass dich nicht irritieren, wenn die Preise im Caffè oder in der Bar davon abhängen, ob du an der Theke oder am Tisch bestellst. Viele Einheimische trinken ihren Espresso oder Grappa „al banco“, also im Stehen, und sind nach ein paar Minuten wieder weg. Wer es sich an einem Tisch gemütlich macht, bleibt länger – und zahlt für dasselbe Getränk oft das Doppelte, an touristischen Hotspots auch mal das Dreifache.

3. Betritt man einen kleinen Laden oder eine Trattoria, gehört ein freundliches Buongiorno oder Buonasera einfach dazu. Wer ohne Grußformel hereinplatzt, wirkt schnell unhöflich, selbst wenn es gar nicht so gemeint ist.

4. Sollte es einmal etwas länger dauern, bis im Restaurant die antipasti misti, die typische Auswahl Häppchen zur Vorspeise, serviert werden, oder der Bus endlich losfährt, verliere nicht die Geduld. Pazienza!

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In Italien begegnet man den Dingen mit einer gewissen Lockerheit und einer ordentlichen Prise Improvisation – je weiter südlich, desto ausgeprägter. Wer sich darauf einlässt und sich flexibel zeigt, ist überall willkommen. Wer dagegen mit angespannter Miene auftritt und meckert, eher weniger.

5. In der Gelateria heißt es: zuerst an der Kasse bezahlen, dann mit dem Bon zur Theke gehen und die gewünschten Eissorten auswählen. Wer direkt bestellt, wird freundlich, aber bestimmt zum Kassierer geschickt.

6. Abseits der großen Einkaufsmeilen haben viele Geschäfte zwischen etwa 13 und 16 Uhr geschlossen. Pausa pranzo, Mittagspause. Statt sich zu ärgern, einfach mitmachen: ein ausgedehntes Mittagessen, vielleicht ein piccolo pisolino (kurzes Nickerchen) – das entspannt und tut gerade in der Hitze des Hochsommers gut.  

7. E-Scooter, Autos, Fahrräder, Fußgänger – alles gleichzeitig und scheinbar in alle Richtungen. Keine Sorge: Es hat Methode. Und man kann damit umgehen: An Zebrastreifen Blickkontakt suchen und selbstbewusst auftreten, beim Autofahren aufmerksam bleiben und auf spontane Manöver gefasst sein. Gelassenheit hilft hier meist mehr als Verkehrsregeln. 

8. Meide das Thema Mafia. Für die meisten Italiener hat organisierte Kriminalität nichts mit ihrem Alltag zu tun, und viele empfinden es als verletzend, wenn ihr Land auf dieses Klischee reduziert wird. Konzentriere dich auf die schönen Seiten Italiens – davon gibt es genug.

9. Spaghetti vor dem Kochen in der Mitte brechen? In Italien ein kulinarisches Sakrileg! Auch nicht gut: Spaghetti auf dem Teller mit dem Messer zerschneiden.

10. Touristen (und Einheimischen), die sich in der Öffentlichkeit danebenbenehmen, wird mit strengen Regeln und hohen Bußgeldern begegnet: Im historischen Ortskern von Portofino ist es verboten, in Badekleidung durch die Gassen zu flanieren oder Alkohol außerhalb der Gastronomiebetriebe zu konsumieren. Auf Capri sind Schuhe mit lauten Absätzen unerwünscht.

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In Florenz darf man auf manchen Straßen nichts essen, in Rom ist das Picknicken an antiken Monumenten untersagt, ebenso das Betreten von Brunnen – besonders des Trevi-Brunnens. Und wer in Venedigs Kanälen baden will, muss bereit sein, eine Geldstrafe von mehreren hundert Euro zu zahlen.

11. Pizza isst man in Italien mit Messer und Gabel, zumindest zu Beginn. Was gar nicht geht: eine „Pizza Hawaii“ bestellen – für Italiener eine kulinarische Provokation. Besser ist es, bei Klassikern wie Margherita, Prosciutto crudo oder Diavola zu bleiben.

In Italien geht man ins Restaurant, um das Essen und das Ambiente zu genießen – nicht, um möglichst schnell satt zu werden. Wer etwas vom Service benötigt, ruft nicht laut: Ein kurzer Blickkontakt oder ein leises scusi genügt völlig.

Anders als in vielen Ländern bringt der Kellner die Rechnung übrigens erst, wenn man darum bittet. Einfach freundlich «Il conto, per favore» sagen – und schon geht es weiter. Niemand hetzt dich aus dem Lokal. Lange sitzen bleiben ist hier völlig normal.

Geht es schließlich ans Zahlen, ist das Trinkgeld (la mancia) keine Pflicht, aber eine nette Geste der Anerkennung, wenn die Bedienung besonders aufmerksam war. Prozentrechnen ist nicht nötig: einfach aufrunden oder einen kleinen Schein dalassen.

12. Nein, kein Grund zur Panik: Das coperto ist kein Touristenaufschlag, sondern eine kleine Pauschale für Gedeck und Brot – in Italien völlig normal. Je nach Region und Art des Lokals werden meist zwischen einem und fünf Euro pro Person kassiert.

Manche Restaurants, besonders an touristischen Orten, erheben zusätzlich eine Gebühr für den servizio – dies, um allzu geizigen Gästen, die sich um ein Trinkgeld drücken wollen, zuvorzukommen. Tipp: Einfach kurz in die Speisekarte schauen, dann gibt es keine unangenehmen Überraschungen auf der Rechnung.

13. Kinder werden in Italien vergöttert. Hüten Sie sich, Fehlverhalten selbst des nervigsten Sprösslings zu bemängeln. Kritisieren dürfen einzig die Eltern. Das tun sie allerdings mit grenzenloser Nachsicht, sodass es auf den Nachwuchs keinerlei Wirkung zu haben scheint.

14. Wer mit Zug oder Bus unterwegs ist, muss unbedingt das Ticket entwerten. Dafür gibt es kleine Automaten am Bahnsteig oder im Bus. Vergisst man es, kann es teuer werden, und die Kontrolleure sind oft überraschend streng.

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15. Die Regionalbahn, der Flughafen oder die städtischen Verkehrsbetriebe streiken? Das kommt in Italien noch häufiger als in Deutschland vor. Einfach tief durchatmen, mit der Schulter zucken und nach einer praktikablen Lösung im Chaos suchen. 

16. Die farbenfrohen Stände auf dem Wochenmarkt sind verführerisch. Doch Obst und Gemüse werden hier nicht selbst angefasst. Man zeigt, was man möchte, der Händler wählt aus, wiegt ab und packt es ein. Ein kleines „grazie mille!“ macht den Einkauf perfekt.

17. Blumen als Mitbringsel zu einer privaten Einladung sind fast immer eine gute Idee, außer man wählt Chrysanthemen. Dann wünscht man der Gastgeberin quasi schon mal eine fröhliche Beerdigung, denn sie gelten hier als explizite Trauer- und Friedhofsblumen.

18. Italien steckt voller prachtvoller Kirchen, und viele zählen zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten ihrer Region. Aber Achtung: Zu viel Haut in geweihten Stätten ist tabu, und wenn Gespräche sein müssen, dann bitte leise. Außerdem: Sonnenhut abnehmen, nur ohne Blitz fotografieren – und die Atmosphäre wirken lassen.

Auch im Vatikan gilt: Heiliger Boden ist kein Laufsteg! Im Petersdom und in der Sixtinischen Kapelle gibt es einen klaren Dresscode: Hosen, Röcke und Kleider müssen mindestens knielang sein, die Schultern bedeckt. Wer mit Minirock, ärmellosem Top, Spaghetti-Trägern, bauchfreiem Oberteil oder tiefem Ausschnitt erscheint, riskiert selbst im Hochsommer, vor verschlossenen Türen zu stehen.

19. „È tedesco?“ – „Sie sind Deutscher?“ Es hilft alles nichts: Du kannst dir noch so viel Mühe geben, in scheinbar perfektem Italienisch zu reden und sogar das „r“ in arrivederci oder carrozza kunstgerecht zu rollen, doch früh wird man dich als Nicht-Italiener enttarnen. Lass dich davon nicht plagen – ein charmantes Lächeln und ein entspanntes ma dai! („Ach komm!“) wirken oft besser als jede perfekte Aussprache.

20. Ein Cappuccino nach dem Mittagessen oder gar ein Latte Macchiato am späten Nachmittag? In Italien fast schon ein Frevel. Milch im Kaffee ist hier ausschließlich dem Frühstück vorbehalten. Ein Ristretto (konzentrierter Espresso) hingegen geht zu jeder Tageszeit und wird in ein bis zwei schnellen Schlucken heruntergestürzt.

21. An vielen italienischen Stränden sind die attraktivsten Abschnitte mit Liegen und Sonnenschirmen besetzt, die oft zu happigen Tagespreisen vermietet werden – einfach hinlegen ist hier nicht drin. An den freien Stränden (spiagge libere) hingegen heißt es: Handtuch ausbreiten und tuffarsi in mare – ab ins Wasser!

22. Nicht wundern, wenn eine Gesprächsrunde fröhlich von Thema zu Thema hüpft – sprudelnd, unerschöpflich und voller überraschender Wendungen. Man sollte gar nicht erst versuchen, einen roten Faden zu suchen; der wird in Italien höchstens als Deko betrachtet.

Und der muntere Themenreigen hat Vorteile: Es entstehen herrlich heitere Momente und Erinnerungen, die jedes noch so durchorganisierte Gespräch mühelos überdauern.

23. Ja, die gängigen Narrative über Italien liegen schnell parat: reformunwillig, patriarchalisch, gefangen in einer notorisch schwerfälligen Verwaltung. Dazu die üblichen Stichworte von maroder Infrastruktur und angeblich aussichtslosen Perspektiven für Schul- und Studienabgänger.

Doch spare dir das Italien-Bashing („Bürokratie-Hölle!“, „kaputte Brücken!“). Jedes Land folgt seiner eigenen Logik und gesellschaftlichen Balance und funktioniert nach seinen eigenen historisch gewachsenen Kompromissen. Reflexhafte Vergleiche im Stil von „Bei uns in Deutschland läuft das so…“ sind da ungefähr so nützlich wie ein Regenschirm bei Sonnenschein.

24. Richtig schlecht gekleidet sind in Italien nur Touristen. Mit Mailändern, Römern, Florentinern oder Venezianern in Sachen Outfit mitzuhalten, ist kaum möglich, Eleganz und Stilbewusstsein sind den Italienern offenbar in die Wiege gelegt. Doch ein kleiner Aufwand lohnt sich, um von den Einheimischen respektiert zu werden. Besonders im Geschäftsleben gilt: lieber zu schick als underdressed.

25. Fare bella figura – einen guten Eindruck machen – ist das zentrale Lebensprinzip der Italiener. Dabei geht es nicht nur um das Äußere, sondern auch um Haltung und Aufmerksamkeit: Es gilt, andere nicht durch unpassende Gesten oder seltsames Gebaren vor den Kopf zu stoßen. 

Wer im alltäglichen Durcheinander gelassen bleibt und nicht alles zu ernst nimmt, wird freundlicher empfangen und profitiert mehr von seinem Urlaub. Und falls man doch einmal ins Fettnäpfchen tritt: Keine Sorge – ein bisschen Gesprächsstoff für die Italiener schadet niemandem. 

Source: welt.de