Belarusische Aktivistin Kolesnikowa erhält Karlspreis nachträglich

Tatsiana Khomich, die Schwester von Maria Kalesnikava, übergibt Maria K. Den Karlspreis den sie 2022 für sie entgegengenommen hat

Stand: 14.03.2026 • 14:00 Uhr

Die belarussische Freiheitskämpferin hat am heutigen Samstag in Aachen den Karlspreis erhalten, den sie 2022 nicht selbst entgegennehmen konnte.

Von Ingo Wagner

Den Karlspreis 2022 nahm damals in Aachen für Maria Kalesnikava ihre Schwester Tatsiana Khomich entgegen. Sie hielt beim Festakt im Aachener Rathaus immer wieder ein Foto ihrer Schwester hoch, um daran zu erinnern, dass sie zu dieser Zeit in ihrer Heimat Belarus im Gefängnis saß. Eine berührende Geste, die viele Menschen bewegte.

Gesprächsrunde vor der Verleihung: (v.l.) Thomas Rachel (CDU), Claudia Roth (Grüne), Maria Kalesnikava (Preisträgerin), Claus Kleber (Moderator)

So war es nur passend, dass Tatsiana Khomich ihrer Schwester heute in Aachen die Medaille umhängte. Maria Kalesnikava dankte in ihrer auf Deutsch gehaltenen Rede nach der Preisverleihung den vielen Menschen in Deutschland, die sich für ihre Freilassung eingesetzt haben – die dann im Dezember des vergangenen Jahres auch tatsächlich zustande kam.

Noch immer viele politische Gefangene in Belarus

Zur Zeit sitzen immer noch mehr als 1.000 politische Gefangene in den Haftanstalten und den Straflagern der belarussischen Diktatur. An diese Menschen wandte sich Maria Kalesnikava im Krönungssaal des Aachener Rathauses unmittelbar.

Ich kenne die Kälte der Zelle, die Einsamkeit, die Angst. Und ich möchte Ihnen sagen: Ihr seid nicht allein. Ihr seid nicht vergessen.

Maria Kalesnikava, belarussische Bürgerrechtlerin und Karlspreisträgerin

Sie verwies dabei nochmals auf die Unterstützung, die sie von so vielen Menschen erhalten habe.

Das zeigt eine einfache Wahrheit: Solidarität rettet Leben. Sie kann zur Brücke werden zwischen einer Gefängniszelle und der freien Welt. Auf diesen Ideen wurde Europa aufgebaut.

Maria Kalesnikava, belarussische Bürgerrechtlerin und Karlspreisträgerin

Beim Festakt im Aachener Rathaus wurde auch auf die Karlspreisverleihung im Mai 2022 zurückgeblickt. Die Bürgerrechtlerinnen Swetlana Tichanowskaja, Veronica Tsepkalo und Maria Kalesnikava wurden damals für ihren Einsatz für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in ihrer Heimat Belarus geehrt.

In ihrer Laudatio auf die Preisträgerinnen hatte die damalige Außenministerin Annalena Baerbock sie die „mutigsten Frauen Europas“ genannt. Trotz großer persönlicher Opfer hätten sie mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Empathie eine Freiheitsbewegung entstehen lassen. Sie seien Vorbilder für Millionen Frauen auf der ganzen Welt.

Im Gefängnis der Diktatur

Den Preisträgerinnen schlug in Aachen eine Welle der Sympathie entgegen.

Ich habe damals im Gefängnis etwas später von der Auszeichnung erfahren, die für mich ein großes Zeichen der Solidarität mit allen Belarussen war und ist.

Maria Kalesnikava, belarussische Bürgerrechtlerin und Karlspreisträgerin

Sie war als eine der Anführerinnen des Widerstands gegen die Herrschaft des Diktators Alexander Lukaschenko festgenommen und wegen angeblicher Verschwörung zur Machtergreifung zu elf Jahren Haft in einem Straflager verurteilt worden.

Unmenschliche Haftbedingungen

Für die belarussische Bügerrechtlerin war die Zeit im Gefängnis eine Qual. Sie musste einen Großteil der Haft in strenger Isolation verbringen. Sogar der Kontakt zu ihrer Familie und ihren Anwälten wurde ihr in dieser Zeit verweigert. Außerdem litt sie unter ernsten gesundheitlichen Problemen. Maria Kalesnikava musste wegen eines Magengeschwürs operiert werden und magerte völlig ab.

Nach Angaben der belarussichen Opposition wog sie zeitweise nur noch 45 Kilogramm. Schließlich kam sie, nach über fünf Jahren Haft, im Dezember des vergangenen Jahres überraschend frei – ein Erfolg von Vermittlungsbemühungen der USA. Nur etwas mehr als drei Monate nach ihrer Entlassung ist sie sie nun auf die europäische Bühne zurückgekehrt.

Ein Festakt der Solidarität

Dem Karlspreisdirektorium war es wichtig, Maria Kalesnikava den Preis nach ihrer Haftentlassung persönlich zu übergeben.

Dass wir Maria Kalesnikava nun in Aachen empfangen dürfen, ist ein starkes Signal für alle, die in Europa für Freiheit und Demokratie eintreten.

Armin Laschet, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums

Eine bewusste Geste, die daran erinnern sollte, dass die Bürgerrechtler in Belarus auch im Schatten des russischen Angriffskriegs in der Ukraine nicht vergessen sind. Und das Beharrlichkeit dazu führen kann, dass Freiheitskämpferinnen wie Maria Kalesnikava auch nach schweren Jahren in Haft schließlich freikommen können. Darauf wies der Aachener Oberbürgermeister Michael Ziemons in seiner Rede beim Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses hin.

Dieser Krönungssaal hat viele historische Momente erlebt. Aber dieser gehört für mich zu den berührendsten. Er zeigt, dass sich Standhaftigkeit lohnt.

Michael Ziemons, Oberbürgermeister der Stadt Aachen

Diese Solidarität sei das Beste, was Europa zu bieten habe, sagte der Aachener Oberbürgermeister unter dem Applaus der Anwesenden.

Quellen:

  • Katholische Nachrichten Agentur
  • AFP
  • Eindrücke von WDR-Reportern vor Ort

Sendung: WDR.de, Bürgerrechtlerin Kalesnikava bekommt Karlspreis, 13.03.2026, 13.55 Uhr

Source: tagesschau.de