„Beamte sollen verstehen, wie Rente funktioniert“ – Volkswirtschaftler fordert Ende von „Besserbehandlung“
Beamte sollten nach Ansicht von Rentenexperte Axel Börsch-Supan künftig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Das wäre zwar teuer, könnte aber ein verbreitetes Gerechtigkeitsproblem lösen – denn viele empfinden die deutlich höheren Pensionen als unfair.
Der Ökonom und Rentenexperte Axel Börsch-Supan hat sich dafür ausgesprochen, Deutschlands Beamte in die gesetzliche Rentenkasse einzubeziehen.
Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Börsch-Supan: „Ich halte das für sehr sinnvoll, und zwar aus dem einfachen Grund, dass Beamte verstehen sollen, wie die gesetzliche Rente funktioniert. Das tun sie nämlich nicht, weil sie ein ganz anderes System haben, aber sie sind ja immerhin für unseren Staat zuständig.“
Der andere Grund sei, so Börsch-Supan weiter, es gebe „ein dauerndes Gefühl in unserer Gesellschaft, dass das ungerecht ist. Und dann sollte man diese Ungerechtigkeit auch abschaffen.“
Ökonomisch, so räumte der Rentenexperte ein, sei es „allerdings ein Verlustgeschäft: die Beamten leben länger und belasten daher die Rentenversicherung.“ Trotzdem sei er dafür, denn „dann wäre das dauernde Unbehagen über die Besserbehandlung der Beamten erledigt“. Das halte er für „wichtig, auch wenn es Geld kostet“.
So funktioniert das System
Beamte erhalten eine Pension, für die komplett der Staat aufkommt. Die Höhe des sogenannten Ruhegehalts hängt vor allem von den geleisteten Dienstjahren und der Höhe der Bezüge der letzten zwei Jahre vor der Pensionierung ab. Voraussetzung ist in jedem Fall eine fünfjährige Dienstzeit; zudem dürfen die Betroffenen nicht durch grobes Verschulden dienstunfähig geworden sein.
Zur Berechnung werden laut Beamtenversorgungsgesetz für jedes volle Dienstjahr 1,79375 Prozent des letzten Grundgehalts angerechnet. Der Höchstsatz beträgt 71,75 Prozent des letzten Grundgehalts und wird nach 40 Dienstjahren erreicht. Der Staat sichert außerdem eine Mindestversorgung bei kurzer Dienstzeit zu.
Im Schnitt kommen knapp 66 Prozent des letzten Grundgehalts heraus – das waren laut Statistischem Bundesamt im Januar 2025 durchschnittlich 3416 Euro brutto pro Monat. Die Staatskosten beliefen sich auf knapp 57 Milliarden Euro – zusammen mit der Hinterbliebenenversorgung waren das 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Die gesetzlichen Rentenbezüge sind im Vergleich deutlich geringer. Der Rentenversicherung zufolge betrug die durchschnittliche Bruttorente 2024 im gesamten Bundesgebiet 1692 Euro. „Der Unterschied zwischen Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst bei den Altersbezügen ist bei gleicher Arbeit enorm groß“, sagte Chef der Senioren-Union, Hubert Hüppe (CDU) der Nachrichtenagentur AFP. Da müsse es einen Ausgleich geben.
krö mit AFP
Source: welt.de