Bars in dieser Krise: Viele Wirte schenken die letzte Runde aus

Immer mehr Restaurants, Kneipen und Cafés geht das Geld aus. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Insolvenzen in der Gastronomie um knapp 30 Prozent auf 2900 Fälle, nachdem die Kneipenpleiten im Jahr 2024 um ein Viertel zugelegt hatten. Das ergibt eine aktuelle Untersuchung durch Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss. Damit ist der Anstieg der Insolvenzen in der Gastronomiebranche prozentual dreimal so hoch wie im Durchschnitt aller Branchen.
Grund ist ein für die Gastronomie schwer bekömmlicher Krisencocktail, gemixt aus Corona-Pandemie, Energieknappheit und Inflation. „Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Er erwartet für 2026 eine weiter steigende Zahl an Gastro-Insolvenzen. So sind von der Insolvenz der Brewodog-Brauereien auch die deutschen Bars der Marke betroffen.
Auch prominente Gastro-Ketten sind nicht sicher
Neben den stark gestiegenen Insolvenzen sind Tausende Schließungen ohne Insolvenzverfahren zu beklagen. Im vergangenen Jahr sperrten 12.300 Gastronomiebetriebe zu. Die Zahlen zu Insolvenzen und Schließungen kommen aus der Wirtschaftsdatenbank von Creditreform und dem Mannheimer Unternehmenspanel des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW.
Zur Gastronomie zählt die Creditreform-Studie etwa Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben oder Cafés. Erfasst wurden Insolvenzen nach Unternehmen, nicht nach Betriebsstätten. Die Insolvenz einer Kneipenkette wie zum Beispiel Sausalitos mit etwa 1000 Mitarbeitern und 40 Filialen wird also nur als ein Fall gezählt. Die auf lateinamerikanischen Flair setzende Kette hatte im März 2025 Insolvenz angemeldet.
Auch die Insolvenzen der Restaurantkette Vapiano im Pandemiejahr 2020 oder der Maredo-Steakhäuser im selben Jahr haben gezeigt, dass die Gastronomiekrise nicht nur kleine und inhabergeführte Betriebe trifft. Die Wirte kämpfen mit Energiepreisen, die durch die Kriege in der Ukraine und in Iran gestiegen sind. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und die Inflation. Die deutlich höheren Lebenshaltungskosten zwingen Kneipengäste zum Sparen.
Der Boom mobiler Essensbestellungen belastet die stationäre Gastronomie zusätzlich. Der Konsum verlagert sich laut Creditreform von klassischen Restaurantbesuchen zu Lieferdiensten. Hantzsch vergleicht das mit den Folgen, die das Onlineshopping für den stationären Einzelhandel hat. Für klassische Caterer und Verpflegungsdienstleister ist der Essensbestellboom offenbar kein Insolvenzschutz. Ihre Insolvenzen stiegen mit rund 30 Prozent im Gleichschritt mit der gesamten Gastronomie. Etwas weniger stark war der Insolvenzanstieg unter Diskotheken mit knapp 25 Prozent im Jahr 2025.
Um Gastronomen zu entlasten, hatte die Bundesregierung zum 1. Januar 2026 die Umsatzsteuer auf Speisen auf sieben Prozent gesenkt. Getränke sind davon nicht betroffen. Die gesenkte Mehrwertsteuer gilt auch für Bäcker, Metzger, Lebensmitteleinzelhändler, Catering-Anbieter sowie Kita-, Schul- und Krankenhausverpfleger. Für viele Wirte kommt die Umsatzsteuersenkung nach Einschätzung von Creditreform-Fachmann Hantzsch allerdings zu spät.