Bahnhofsmission: Warum die Nachfrage stark steigt
Von Jahr zu Jahr suchen mehr Menschen Hilfe bei den 102 Bahnhofsmissionen in Deutschland – so auch in München. Vor allem von Armut Betroffene bekommen dort Unterstützung.
Auf Gleis 11 fahren die Züge ein. Zehn Meter daneben ist der Eingang zu den Räumen der Bahnhofsmission München. Mehr als 330.000 mal haben Menschen dort im vergangenen Jahr die beengten Räume besucht und um Hilfe gebeten. „Viele Menschen, die zu uns kommen, wir sprechen von der ‚Münchner Armutsbevölkerung‘ sind ganz konkret und oft sehr akut von Armut und Mangel betroffen. Es fehlt am Nötigsten, es fehlt das Fundament zum Leben“, sagt Bettina Spahn, eine der beiden Leiterinnen der Bahnhofsmission.
Auch bundesweit steigt die Nachfrage. 2024 – die Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor – hatten die Bahnhofsmissionen in Deutschland mehr als 2,2 Millionen Kontakte mit Gästen. Die Bahnhofsmissionen ordnen ihre Gäste verschiedenen Lebenslagen zu. Und so sind 73 Prozent der Gäste im Jahr 2024 Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten (1,6 Millionen).
Klassische Hilfe für Reisende wird weniger
Auch Menschen in finanziellen Schwierigkeiten und mit psychischen Auffälligkeiten spielen eine große Rolle in der Statistik. Deutlich rückläufig ist hingegen die klassische Hilfe für Reisende. Sie hat sich bundesweit auf rund 320.000 im Jahr 2024 gegenüber 2019 etwa halbiert.
In München sind nur noch ein geringer Teil der Gäste Reisende. Ihnen wird zum Beispiel beim Umsteigen geholfen, wenn sie dabei Probleme haben und es zuvor angemeldet wird. Grundsätzlich gilt, so Barbara Thoma, ebenfalls Leiterin der Bahnhofsmission München: „Jeder Mensch, der Hilfe benötigt und Probleme hat, kann kommen.“
Wichtiger Baustein bei sozialen Hilfsangeboten
Jeder Gast bekommt dort Kaffee, Tee, Wasser und ein Butterbrot. Und wer will, der bekommt auch weitergehende Hilfe. Mittlerweile ist die Bahnhofsmission in München wie auch andernorts ein wichtiger Baustein bei den sozialen Hilfsangeboten. Getragen wird die Bahnhofsmission München zwar von der katholischen und evangelischen Kirche, finanziert wird sie allerdings zu 75 Prozent von der Stadt, denn die Bahnhofsmission übernimmt für die Kommune viele Aufgaben.
So hat die Bahnhofsmission München im vergangenen Jahr über 4.000 Notübernachtungen für Frauen organisiert, entweder in den eigenen Räumen oder in einer Pension. Wenn es nötig ist, können die Mitarbeitenden dort im Auftrag der Stadt auch mal einen Tagessatz Transferleistungen auszahlen.
Eine große Rolle spielt die Beratung. In drei Räumen werden Gäste beraten, zum Beispiel beim Kontakt mit dem Jobcenter oder bei der Weitervermittlung anderen Hilfsangeboten.
Die Bahnhofsmission ist ein Seismograph der Gesellschaft. Krisen und Kriege auf der Welt, Veränderungen, keine Arbeit und die wachsende Wohnungsnot – alle Probleme der Menschen finden den Weg hierher, sagt Leiterin Bettina Spahn. Die 25 hauptamtlichen und 150 ehrenamtlichen Mitarbeitenden in München wünschen sich Perspektiven für ihre Kunden. Bettina Spahn: „Wir erleben schon, dass viele Menschen wirklich Willens sind, ihr Leben zu verändern. Die Möglichkeiten sind oft begrenzt. Das führt dann oft zu Frustration.“
Source: tagesschau.de