Bahn-Konkurrenz: Italiens Staatsbahn: 2029 sind wir in Deutschland

Auf der Basis einer verbesserten Finanzlage will die italienische Staatsbahn Ferrovie dello Stato (FS) die Deutsche Bahn angreifen. Das hat der Vorstandsvorsitzende Stefano Donnarumma bei einer Präsentation eines neuen Vierjahresplanes am Donnerstag in Rom bekräftigt. „Wir haben uns im vergangenen Jahr verstärkt und schlagen jetzt einen soliden Wachstumskurs ein“. Nachdem im vergangenen Jahr noch ein Verlust von 200 Millionen Euro angefallen war, ist in diesem Jahr ein kleiner Nachsteuergewinn entstanden, den das Unternehmen aber noch nicht beziffert. Das Auslandsgeschäft soll ein Peiler der Expansion sein – gerade in Deutschland. FS identifiziere gerade innerdeutsche Strecken, auf denen man künftig mit dem Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa unterwegs sein will, und man prüfe die Anschaffung neuer Züge dieses Typs. Vor dem Jahr 2029 sei der Eintritt auf den deutschen Hochgeschwindigkeitsmarkt allerdings nicht zu erwarten, sagte Donnarumma. Werbung in eigener Sache machte der FS-Chef jedoch jetzt schon, indem er einige Spitzen gegen die Deutsche Bahn los wurde: „Wenn man in Deutschland in einen Zug steigt, weiß man nicht, wann man ankommt“.

Gewinnschwelle im Ausland frühestens 2027

FS ist mit seiner Tochtergesellschaft Trenitalia auf den Auslandsmärkten Frankreich, Großbritannien, Spanien und Griechenland unterwegs. In Deutschland ist der Konzern zudem mit der Regionalgesellschaft Nitinera vertreten. Allerdings verzeichnet das FS-Auslandsgeschäft mit seinen 12.000 Mitarbeitern und einem Umsatzbeitrag von drei Milliarden Euro erhebliche Verluste. In welcher Höhe, behält FS auch in diesem Punkt für sich. Frühestens im Jahr 2027 könne mit dem Erreichen der Gewinnschwelle im Auslandsgeschäft gerechnet werden, räumte Donnarumma ein.

Die Gesamtlage des Konzerns, zu dem wie in Deutschland auch das Gleisnetz gehört, soll sich in den kommenden Jahren schrittweise bessern. Bis 2029 soll der Nachsteuergewinn auf 500 Millionen Euro steigern, heißt es im neuen Vierjahresplan. Der Umsatz von 16,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr steige in diesem Zeitraum auf 20 Milliarden, wenn alles wie vorgesehen laufe.

Zwei Dutzend Milliarden Euro der EU für Italiens Gleise

FS profitiert dabei auf dem Heimatmarkt erheblich von EU-Fördermitteln: 25 Milliarden Euro erhält das Staatsunternehmen aus dem europäischen Wiederaufbauplan, der im kommenden Juni ausläuft. Kein anderes Land in der EU bezieht so hohe Mittel wie Italien aus jenem während der Pandemie beschlossenen Plan. Bisher hat Italien gut 150 Milliarden überwiesen bekommen, insgesamt sind mehr als 194 Milliarden Euro vorgesehen – rund 37 Prozent davon als Zuschüsse und der Rest als verbilligte Kredite. „Der allergrößte Teil dieser Mittel fließt in die Infrastruktur, es ist nicht so, dass wir damit Züge für den Markteintritt in Deutschland kaufen können“, sagte Donnarumma auf die Frage, ob es sich hier um einen unfairen Marktvorteil handele.

FS und Deutsche Bahn wollen wie im Mai vereinbart bei grenzüberschreitenden Verbindungen eigentlich kooperieren, vor allem zwischen Mailand und München und später auch Berlin bis Neapel. „Wir freuen uns im Fahrplan 2027 auf die neuen Direktverbindungen München–Mailand sowie München–Rom in Kooperation mit Trenitalia und den Österreichischen Bundesbahnen“, sagt eine DB-Sprecherin am Donnerstag. Allerdings kann man sich in dem deutschen Unternehmen schwer vorstellen, wie das künftig mit einer Konkurrenzsituation auf innerdeutschen Fernstrecken vereinbar sein soll. FS-Chef Donnarumma dagegen hält eine Koexistenz von Zusammenarbeit und Wettbewerb ausdrücklich für möglich.

Verkehrsminister Salvini ärgerte sich über Verspätungen

Die FS-Tochtergesellschaft Trenitalia hatte im vergangenen Jahr erhebliche Probleme mit Zugausfällen und Verspätungen. Das Unternehmen berichtete zwar, dass sich der Anteil der pünktlich fahrenden Züge im vergangenen Jahr um drei Prozentpunkte auf 85 Prozent verbessert habe; bei den Hochgeschwindigkeitszügen sei die Quote um ebenfalls drei Prozentpunkte auf 77 Prozent gestiegen. Doch die Verbraucherorganisation Altroconsumo spricht von einer Verschlechterung. Auch der bei der Präsentation anwesende Verkehrsminister Matteo Salvini gab der Bahngesellschaft den Auftrag auf den Weg, ihn im kommenden Jahr „weniger zu ärgern“, denn auch er sei oft als Bahnreisender unterwegs.

Die italienische Staatsbahn verweist zur Rechtfertigung auf die 1200 Baustellen im Lande, die der Renovierung des Gleisnetzes dienen. 18 Milliarden Euro seien im vergangenen Jahr investiert worden, doppelt so viel wie noch vor fünf Jahren. Und zwischen 2026 und 2034 will der Bahnkonzern sogar insgesamt 177 Milliarden Euro investieren. FS und Trenitalia haben auf den italienischen Gleisen im Gegensatz zur Deutschen Bahn in Deutschland einen beliebten Konkurrenten: die private Bahngesellschaft Italo. Sie hat gerade auf den Strecken zwischen Zentral- und Norditalien Trenitalia erhebliche Marktanteile abgenommen. Italo hat kürzlich ebenfalls Pläne bekanntgegeben, auf innerdeutsche Strecken vorzudringen, doch bisher noch keine Details genannt.