Baden-Württemberg: Umfrage: Grüne vor den Landtagswahlen Kopf an Kopf mit Die Schwarzen








Lange schien es, als sei die Landtagswahl so gut wie gelaufen. Nun liegt Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir auf den letzten Metern fast auf Augenhöhe mit der CDU.

In Baden-Württemberg scheint der Ausgang der Landtagswahl wieder völlig offen: Nach einer Aufholjagd liegen die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir im ARD-„Deutschlandtrend“ nur noch einen Prozentpunkt hinter der CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel. Etwa 7,7 Millionen Menschen sind am Sonntag kommender Woche zur Wahl aufgerufen – die jetzt noch Unentschiedenen dürften am Ende den Ausschlag geben.



Die am Donnerstag veröffentlichte Umfrage sieht die CDU bei 28 Prozent und die Grünen bei 27 Prozent Zustimmung, mit 18 Prozent liegt die AfD deutlich zurück an dritter Stelle. Die SPD kommt demnach auf nur noch sieben Prozent, die FDP auf sechs Prozent und die Linke auf 5,5 Prozent Zustimmung.



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In den Lagern der Spitzenkandidaten der beiden stärksten Parteien dürften die neuen Zahlen für große Aufregung sorgen. Auf der einen Seite steht die CDU mit Hagel, die einen zwischenzeitlichen Vorsprung von mehr als zehn Prozentpunkten laut „Deutschlandtrend“ fast einbüßte. Auf der anderen Seite stehen die Grünen mit Özdemir, die in den vergangenen Wochen in der politischen Stimmung immer mehr Rückenwind bekamen. Innerhalb eines Monats konnten die Grünen bei Infratest dimap vier Prozentpunkte zulegen.


Baden-Württemberg: Ministerpräsident muss Krisenmanager sein

Die erste Landtagswahl des Jahres in Deutschland findet in einer Phase der Verunsicherung in dem auch als Autoländle bezeichneten Baden-Württemberg statt. Mit der Krise bei den Autoherstellern und deren Zulieferbetrieben geriet der Wachstumsmotor ins Stottern. Zuletzt stieg die Arbeitslosenzahl auf den höchsten Stand seit 19 Jahren. Die Wirtschaftsentwicklung fiel schlechter aus als in vielen anderen Bundesländern.

In der Fernsehdebatte vor der Wahl machten am Dienstag Hagel, Özdemir und AfD-Frontmann Markus Frohnmaier das Thema Wirtschaft mit unterschiedlichen Ansätzen zu ihrem Schwerpunkt. Während Hagel in zehn „Sonderwirtschaftszonen“ Innovationen fördern will, setzt Özdemir auf Entbürokratisierung und Innovation. Frohnmaier will niedrigere Strompreise – etwa durch den Bau von neuen Atomkraftwerken.




Was auch immer der Weg sein wird: Es wird ein Krisenmanager im Amt des Ministerpräsidenten gesucht. In den vergangenen Monaten schien Hagel hier der Favorit – doch sein Vorteil scheint kurz vor der Wahl aufgebraucht.


Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir profitiert dabei erkennbar von seiner Bekanntheit. Wenn die Menschen den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würden laut „Deutschlandtrend“ 42 Prozent den gebürtigen Schwaben wählen – und nur 21 Prozent CDU-Mann Hagel. Der Landtagsfraktionschef hat nur eine geringe Bekanntheit, die Hälfte der Baden-Württemberger kennt ihn nicht oder traut sich keine Meinung über ihn zu.

Hagel warb zwischenzeitlich darum, einer sogenannten Deutschlandkoalition aus CDU, SPD und FDP das Vertrauen zu geben. In den Umfragen kam diese aber nie in die Reichweite einer Mehrheit. So ist es auch nach den aktuellen Zahlen. Allein eine Koalition aus Grünen und CDU scheint realistisch – es stellt sich nur die Frage, wer die stärkste Kraft wird und den Ministerpräsidenten stellt.





Die AfD kann darauf setzen, im kommenden Landtag Oppositionsführer zu werden, ihr Vorsprung auf die weiteren Parteien ist stabil groß. Die SPD steht vor einer historischen Pleite in Baden-Württemberg. Für die FDP scheinen die Chancen zu steigen, in dem einzigen Bundesland, in dem sie immer im Landtag waren, dabei zu bleiben. Und die Linke muss zittern, erstmals in den Stuttgarter Landtag einzuziehen.

Spannend wird sein, ob sich zwei Neuerungen im Wahlsystem mit Überraschungen im Ergebnis niederschlagen. Erstmals wählen die Baden-Württemberger auch bei der Landtagswahl mit Erst- und Zweitstimme, ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Zudem wurde das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre gesenkt, was zur neuen Rekordzahl der Wahlberechtigten beiträgt. Mit etwa 650.000 Erstwählern ist deren Zahl ungewöhnlich hoch – wie sie in wirtschaftlich unsicheren Zeiten abstimmen, könnte mitentscheiden.

AFP · DPA

rös

Source: stern.de