Baden-Württemberg: Boris Palmer bietet Grünenchef Felix Banaszak Gespräch an

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) hat sich knapp drei Jahre nach seinem Austritt bei den Grünen offen für ein Gespräch mit dem neuen Parteichef Felix Banaszak gezeigt. „Ich habe noch nie mit ihm gesprochen“, sagte Palmer in der ARD-Sendung maischberger. Er kenne Banaszak nur aus dem Fernsehen. „Wenn er mich einmal kennenlernen möchte, um zu wissen, wie ich wirklich ticke, dann lade ich den ein in die Stadt Tübingen“, ergänzte Palmer.

Palmer ist bei den Grünen sehr umstritten. Er war lange Grünenmitglied, trat im Mai 2023 nach einem Skandal um eine rassistische Äußerung aber aus. Immer wieder gab es Kritik an seiner Wortwahl und politischen Haltung, unter anderem wegen der Benutzung des N-Wortes. Vor allem die Grüne Jugend lehnt ihn ab.

Palmer ist gleichzeitig ein enger Freund von Cem Özdemir (Grüne), dessen Partei die Landtagswahl in Baden-Württemberg am Sonntag gewonnen hat. Bei der Hochzeit von Özdemir im Wahlkampf führte Palmer die Trauung durch. Im Wahlkampf zeigte sich Özdemir häufiger mit Palmer bei Terminen. Nach der Wahl heizte Palmer Spekulationen um seinen möglichen Wechsel in die Landespolitik an. So sagte er der Südwest Presse am Montag, er habe „an der Schnittstelle“ zwischen Grünen und CDU „mit die größten Kompetenzwerte“.

Palmer fordert Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU

Zu seinen möglichen Ambitionen wollte sich Palmer bei maischberger nicht äußern. „Ich will die Frage einfach gar nicht beantworten“, sagte er. Auch einen möglichen Wiedereintritt bei den Grünen kommentierte er nicht.

Palmer mahnte jedoch eine zügige Koalitionsbildung an. Mit Blick auf die Verärgerung der CDU darüber, dass Cem Özdemir trotz der Pattsituation im Landtag eine Teilung der Amtszeit des Ministerpräsidenten ablehnt, sagte er: „Wir brauchen die CDU, um dieses Land wirtschaftlich wieder nach vorne zu bringen. Die können sich jetzt nicht in ihrer verständlichen Wut zurückziehen.“ Sowohl CDU als auch Grüne haben im neuen Landtag 56 Sitze.

Palmer rief beide Parteien auf, miteinander zu verhandeln. „Jetzt geht es darum, dass wir die wieder herholen an den Tisch. Es geht um unser Land.“ Palmer verwies auch auf die Landesverfassung Baden-Württembergs. Diese lege fest, dass der Landtag automatisch wieder aufgelöst werde, wenn die Regierung nicht nach 60 Tagen stehe.