Autoritäres Denken: Elf Prozent welcher Homo austriacus sind Diktatur zugeneigt
Rund jeder neunte Österreicher hält eine Diktatur unter Umständen für die bessere Staatsform. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Linzer Market-Institut im Auftrag der Tageszeitung Der Standard in dem EU-Land durchgeführt hat.
Konkret abgefragt wurde die Zustimmung zu der Aussage „Im nationalen Interesse ist unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform“. Mit 56 Prozent der befragten Wahlberechtigten stimmt ein Großteil diese Aussage „überhaupt nicht“ zu und weitere 15 Prozent „eher nicht“. Acht Prozent der Umfrageteilnehmer stimmten jedoch „eher“ zu und drei Prozent gar „voll und ganz“. Elf Prozent blieben unentschieden.
Alter und Parteipräferenz ist entscheidend – Bildung nicht
Bei der Zustimmung oder Ablehnung einer Diktatur ist der Bildungsgrad den Zahlen zufolge nicht entscheidend. So liegt die Ablehnung einer Diktatur unter Befragten mit höherer Bildungsabschluss zwar über der von Befragten mit geringerer Bildung. Allerdings liegt auch die Befürwortung bei höherer Bildung über der bei niedrigerer Bildung.
Deutlich zu erkennen sind Unterschiede bei den Alterskohorten: Die Neigung zu einer autoritären Staatsform ist besonders hoch bei Befragten unter 30 Jahren, die Ablehnung einer Diktatur besonders hoch unter Befragten über 50 Jahren.
Auch entlang der Parteipräferenzen zeigen sich eklatante Unterschiede. Während 85 Prozent der befragten Wählerinnen und Wähler mit Neigung zu den österreichischen Grünen eine Diktatur voll und ganz ablehnen, liegt der Wert bei Menschen, die die FPÖ präferieren, lediglich bei 44 Prozent.
Deutliche Unterschiede zu Deutschlandmonitor
Bei der Befragung orientierte sich das Institut am Deutschlandmonitor. In diesem wichen die Zahlen in der jüngsten Befragung unter deutschen Wahlberechtigten 2024 deutlich von den österreichischen Zahlen ab. Die Ablehnung (teils und vollständig) lag hier zusammengerechnet bei 91 Prozent, die Zustimmung bei vier Prozent.
„Das heißt, dass sich in Österreich jeder Neunte mit einer Diktatur anfreunden könnte, in Deutschland ist es nur jeder Fünfundzwanzigste“, sagte David Pfarrhofer vom Market-Institut dem Standard. Die Österreicherinnen und Österreicher seien „deutlich anfälliger für autoritäres Denken als die Wahlberechtigten in Deutschland“.
Zustimmung auch zu Einparteien- und Führersystemen
Ebenfalls erhoben wurde in der Umfrage die Zustimmung zur Aussage „Was Österreich jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Hier stimmten 16 Prozent voll und 14 Prozent überwiegend zu. Nur ein Viertel der Befragten lehnte die Aussage strikt ab.
Der Aussage „Wir sollten einen Führer haben, der Österreich zum Wohle aller mit starker Hand regiert“ stimmten sieben Prozent völlig und neun Prozent eher zu. Die Ablehnung lag bei 52 Prozent. Auch bei diesen beiden Aussagen lag die Zustimmung in Deutschland unter und die Ablehnung über den Werten der österreichischen Wahlberechtigten.