Autonomes Fahren: Milliarden für jedes selbstfahrende Autos

Das britische Start-up-Unternehmen Wayve, einer der Pioniere für autonome Fahrsysteme mit Künstlicher Intelligenz (KI), hat eine neue Milliardenfinanzierung von Microsoft, Nvidia, Uber und anderen Geldgebern erhalten. Darunter sind auch erstmals drei Autokonzerne: Mercedes-Benz, Nissan und Stellantis. Wayve erhält 1,2 Milliarden Dollar (gut eine Milliarde Euro) in der neuesten, vierten Finanzierungsrunde. Insgesamt stünden 1,5 Milliarden Dollar für die kommerzielle Einführung der KI-Programme in Robotaxis in verschiedenen Städten und in Fahrassistenzsystemen zur Verfügung.

Dies ist eine der größten Kapitalspritzen für ein europäisches KI-Unternehmen. Im vergangenen Jahr setzte das französische Unternehmen Mistral mit zwei Milliarden Dollar einen Rekord für europäische Start-ups, die sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigen. Allerdings werden in den USA noch weitaus größere Summen in KI-Unternehmen investiert. Spitzenreiter war 2025 OpenAI, der Entwickler des KI-Programms ChatGPT, mit 40 Milliarden Dollar in einer Finanzierungsrunde, die von der japanischen Technologiegruppe Softbank angeführt wurde. Softbank investiert jetzt auch abermals in Wayve.

Für das 2017 in London gegründete Start-up ist die Milliardenfinanzierung ein bedeutender Schritt. 2024 hat das Techunternehmen schon einmal einen ähnlich hohen Betrag erhalten. In der neuen Finanzierungsrunde wird es nun mit 8,6 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro) bewertet und ist damit eines der wertvollsten KI-Start-ups in Europa.

Kooperation mit Uber

Das Start-up entwickelt KI-Softwareprogramme, die Fahrzeugen selbsttätiges Fahren durch komplizierte Straßenverhältnisse ermöglichen. Mit dem Geld, insgesamt 1,5 Milliarden Dollar, will es nun die kommerzielle Anwendung der Fahrsysteme anstoßen. Daran beteiligt sich auch der amerikanische Fahrdienstleister Uber, der mitteilte, in diesem Jahr Tests für Kundenfahrten mit Robotaxis zu beginnen, die mit Wayve-Systemen gesteuert werden.

Uber-Vorstandschef Dara Khosrowshahi sagte: „Wir sind sehr stolz darauf, unsere Partnerschaft mit Wayve weiter zu vertiefen und planen, gemeinsam in mehr als zehn Märkten weltweit aktiv zu werden.“ Der erste Versuch soll 2026 in London starten. Zudem vergibt Wayve Lizenzen für die Software an Autohersteller, die sie für Fahrerunterstützungssysteme einsetzen können.

Die Wayve-Technologie ermöglicht prinzipiell fahrerloses Fahren – geht also auf der fünfstufigen Autonomieskala, die in der Branche als Gradmesser gilt, bis Level 4. Die Anwendungen für die Autokonzerne sollen aber zunächst auf Level 2+ starten. Dies bedeutet, dass ein Fahrer anwesend sein muss, der die Hände vom Lenkrad nehmen kann, aber das Verkehrsgeschehen noch verfolgen und überwachen muss.

Alex Kendall, der Wayve-Mitgründer und Vorstandschef, sagte: „Mit den 1,5 Milliarden Dollar an Finanzmitteln bauen wir einen Markt auf, der alle Fahrzeuge umfasst, die sich fortbewegen.“ Das autonome Fahren werde sich nicht allein durch den Einsatz von Robotaxis etablieren. „Autonomie wird sich durch eine vertrauenswürdige Plattform durchsetzen, die Autohersteller und Flotten weltweit einsetzen und kontinuierlich verbessern können.“ Den Namen Wayve für sein Unternehmen hatte der aus Neuseeland stammende Kendall vor neun Jahren gewählt, weil er begeisterter Wellensurfer ist, wie er der F.A.Z. erklärte.

Waymo: „Kein Konzept mehr“

Wieviel Geld Investoren derzeit in autonome Fahrtechnologien fließen lassen, unterstrich vor wenigen Wochen auch Waymo. Die Schwestergesellschaft des Internetkonzerns Google in der Alphabet-Holding gab bekannt, in ihrer bislang größten Finanzierungsrunde 16 Milliarden Dollar eingesammelt zu haben und dabei insgesamt mit 126 Milliarden Dollar bewertet worden zu sein. Ein großer Teil des Geldes stammte von Alphabet selbst, daneben zählten aber auch eine Reihe prominenter Wagniskapitalgesellschaften zu den Geldgebern.

Waymo ist mit seinen autonomen Fahrtechnologien besonders weit. Das Unternehmen betreibt Flotten von Robotaxis, die ganz ohne Fahrer unterwegs sind und per Smartphone-App bestellt werden können. Es expandiert rasant und teilte erst am Dienstag mit, seinen autonomen Fahrdienst in vier weiteren amerikanischen Städten gestartet zu haben: Dallas, Houston, San Antonio und Orlando. Waymo ist nun in zehn US-Metropolen vertreten. Insgesamt will das Unternehmen sein Netz in diesem Jahr um zwanzig Städte ausweiten und sich dabei auch erstmals ins Ausland wagen. Die ersten beiden Märkte außerhalb der USA sollen London und Tokio sein.

In der Mitteilung zur jüngsten Finanzierungsrunde hieß es: „Wir beweisen kein Konzept mehr, wir skalieren eine kommerzielle Realität.“ Waymo absolviert heute mehr als 400.000 Fahrten in der Woche. Die Einnahmen dürften bislang aber noch überschaubar sein, und das Geschäft ist wohl noch hochdefizitär. Waymo nennt zwar keine genauen Daten. Aber Alphabet wies für die Sparte, zu der Waymo und andere Gesellschaften gehören, für das Schlussquartal 2025 einen Umsatz von 370 Millionen Dollar und einen Betriebsverlust von 3,6 Milliarden Dollar aus.

Auch Tesla verfolgt ehrgeizige Ziele rund um autonomes Fahren, liegt aber noch deutlich hinter Waymo. Das von Elon Musk geführte Unternehmen startete im vergangenen Juni seinen ersten Test mit Robotaxis im texanischen Austin. Dabei saßen aber zunächst anders als bei Waymo noch Sicherheitsfahrer im Auto, wobei Musk vor wenigen Wochen sagte, mittlerweile seien die Robotaxis in der Stadt auch ohne solche Fahrer unterwegs.

Musk hat ambitionierte Prognosen für die Expansion auf diesem Gebiet gemacht, die sich bisher aber nicht bewahrheitet haben. Beispielsweise hat er im vergangenen Oktober in Aussicht gestellt, noch bis Ende 2025 mit Robotaxis in acht bis zehn amerikanischen Ballungsräumen vertreten zu sein. Davon ist das Unternehmen aber bis heute weit entfernt. Tesla entwickelt auch das Robotaxi „Cybercab“, das weder Lenkrad noch Pedale haben soll. Musk hat versprochen, noch in diesem Jahr mit dessen Serienproduktion zu beginnen.