Autoindustrie in jener Absatzkrise: Warten hinaus die Hoffnungsträger GLC, ID.Polo und iX3

Für Mercedes ist es der große Hoffnungsträger: Das Elektromodell GLC, ausgestattet mit neuester Technik vom ultraschnellen Laden bis zum modernen Fahrassistenten, soll die Marke mit dem Stern endlich wieder glänzen lassen. Ein „unglaublich wichtiges Auto“ sei das, schwärmt Konzernchef Ola Källenius jedes Mal, wenn er darauf angesprochen wird.

Kompakte Mittelklasse-Geländewagen wie der GLC sind ein wichtiger Absatz- und Gewinnbringer, doch zuletzt schwächelte Mercedes in dem Segment. Kurzfristig ändert sich an den schwachen Verkaufszahlen allerdings nichts. Denn bis der neue GLC global im Markt ist, dauert es noch Monate. Erst im dritten und vierten Quartal erwartet Mercedes spürbare Effekte, weshalb sich Källenius auf ein weiteres durchwachsenes Jahr einstellen muss.

Am Montag informierte der Konzern über ein deutliches Absatzminus im abgelaufenen Jahr 2025: Die Auslieferungen gingen um neun Prozent auf 1,8 Millionen Autos zurück.

Die Situation in Stuttgart steht exemplarisch für die Automobilbranche am Anfang des neuen Jahres. Die Lage bleibt angespannt, und viele wichtige Modelle können erst in einigen Monaten oder später für Impulse sorgen.

Die Nachfrage wird dann aber nur begrenzten Schub geben: In Amerika dämpft Trumps Protektionismus das Geschäft, und in Europa schwächelt die Konjunktur. Hierzulande wird der Preisdruck nach Einschätzung von Fachleuten der Deutschen Bank weiter wachsen, trotz der Abschottung des EU-Markts von chinesischen Importen. In China wiederum nimmt der Verdrängungswettbewerb noch zu. Alles in allem erwarten die Banker „ein weiteres Übergangsjahr für die Automobilindustrie“.

Weniger verkaufte Autos in China

Vor allem in China ist das Ende der Talfahrt noch nicht erreicht. Der Volkswagen-Konzern meldete am Montag, dass sein Absatz in der Volksrepublik im vergangenen Jahr abermals um acht Prozent auf 2,7 Millionen Autos gesunken ist. Während das Geschäft des Konzerns mit Verbrennermodellen dort halbwegs stabil blieb, sind die Verkäufe von Elektroautos im freien Fall; in diesem Geschäft sind lokale Rivalen komplett enteilt.

Einen Schub verspricht sich der Konzern nun von einer ganz neuen Generation von Batteriefahrzeugen, die mit lokalen Partnern entwickelt wurden. Sie kommen schrittweise über die nächsten Monate zu den Händlern und sollen mit niedrigeren Preisen endlich den Absturz in China stoppen. Auch Mercedes kämpft dort mit rückläufigen Auslieferungen: Das vergangene Jahr hat der Konzern im Reich der Mitte laut den am Montag veröffentlichten Zahlen mit einem satten Minus von 19 Prozent abgeschlossen: Die Zahl der verkauften Autos sank auf 552.000.

In Stuttgart wartet Mercedes-Chef Källenius weiter darauf, dass seine so oft angekündigte Produktoffensive endlich Früchte trägt. Neben dem GLC hat die Marke zwar im vergangenen Jahr auch das Modell CLA als neues Einstiegsauto vorgestellt, doch bis die Wagen bei den Händlern und danach bei den Kunden sind, wird es noch dauern. Zudem ist die Vorstellung der neuen elektrischen C-Klasse – zusammen mit dem GLC das wichtigste Fahrzeug von Mercedes – erst für den Sommer geplant, sodass auch diese neuen Modelle frühestens gegen Ende des Jahres 2026 die Absätze stabilisieren können.

VW will in den USA endlich aus der Nische heraus

Im Geschäft mit den Luxus-Fahrzeugen hat Mercedes die Absatzverluste auf fünf Prozent begrenzt. Vor allem die Sportwagen mit dem AMG-Logo kamen bei den Kunden an, die Verkäufe stiegen um sieben Prozent auf 145.000. Zudem erzielte die G-Klasse mit einem Absatzplus von 23 Prozent auf 49.700 Auslieferungen das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Die S-Klasse konnte da nicht mithalten, weil die Kunden auf das neue Modell warten, das Mercedes Ende Januar vorstellen wird. Insgesamt stieg der Anteil der Luxus-Fahrzeuge am Gesamtabsatz um 0,8 Prozentpunkte auf nun 15 Prozent.

Für Volkswagen-Chef Oliver Blume sind die Absatzzahlen des abgelaufenen Jahres eine Hypothek. Der Manager hat zum Jahreswechsel seine Doppelrolle als Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns und dessen Sportwagenmarke Porsche aufgegeben. Er konzentriert sich nun ganz auf die Führung des VW-Konzerns und braucht Erfolgsmeldungen, auch um seine eigene Position an der Unternehmensspitze zu stabilisieren.

Am Weltmarkt standen die Zeichen zuletzt eher auf weiteren Gegenwind: Neben China ist auch das Geschäft in den Vereinigten Staaten weiter zurückgegangen. Dort wollte VW eigentlich aus der Nischenposition herausfinden, doch stattdessen sank der Absatz in der Region Nordamerika um mehr als zehn Prozent, auch wegen Trumps Zöllen, die VW zum Teil über Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben musste.

Alles in allem lieferte der VW-Konzern quer über alle Antriebsarten rund um die Welt im vergangenen Jahr nur noch knapp neun Millionen Autos aus. Das ist ein Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und deutlich weniger als in Rekordjahren, in denen der Konzern fast elf Millionen Fahrzeuge an Kunden übergab. Das schwache Amerika- und Chinageschäft glich VW im Jahr 2025 teilweise in Europa aus, wo es für den Konzern besser lief, vor allem wegen einer wachsenden Nachfrage nach E-Autos. Neue Modelle wie die elektrische Kleinwagenfamilie um den ID.Polo sollen dem Segment weiteren Aufwind geben. Doch auch sie kommen erst schrittweise in diesem und dem kommenden Jahr heraus.

Auch BMW hat in China große Schwierigkeiten, die eigenen Autos zu verkaufen. Allein in den letzten drei Monaten des Jahres 2025 schrumpften die Auslieferungen der Marken BMW und Mini um knapp 16 Prozent, wie der Konzern bereits am vergangenen Freitag mitgeteilt hat. Insgesamt nahm der Absatz von Oktober bis Dezember um gut vier Prozent auf knapp 668.000 Einheiten ab. Anders als bei den Konkurrenten aus Stuttgart und Wolfsburg reichte es für die Münchner aber noch zu einem kleinen Zuwachs von 0,5 Prozent auf 2,46 Millionen Autos. Damit löste der scheidende BMW-Chef Oliver Zipse sein Versprechen einer Verkaufssteigerung ein, bevor er nach der Hauptversammlung im Mai seinem Nachfolger Milan Nedeljkovic Platz macht.

Bis die neuen Modelle bei den Kunden sind, dauert es noch

Zipses große Hinterlassenschaft ist die „Neue Klasse“. So hat BMW eine Technologieplattform genannt, in der in den kommenden zwei Jahren acht Elektroautos erscheinen, drei davon ausschließlich für den chinesischen Markt. Mit einer höheren Energiedichte, verbunden mit einer kürzeren Ladezeit und einer größeren Reichweite will BMW neue Maßstäbe setzen. In Europa hat der Verkauf des in Ungarn gefertigten BMW iX3 begonnen, von dem im Laufe des Jahres noch eine günstigere Version nachgeschoben wird. Außerdem kommt noch die in München gebaute Limousine i3 hinzu, die die Neue Klasse ins Format der 3er-Reihe bringt.

Aus Händlerkreisen wird berichtet, dass es für den iX3 schon Wartelisten gibt, so hoch sei die Nachfrage. Ein Erfolg der Neuen Klasse hat für den BMW-Konzern überragende Bedeutung: Die Plattform hat nicht nur Investitionen von weit mehr als 10 Milliarden Euro verschlungen, sie ist auch der wichtigste Technologieträger für alle weiteren Modellreihen von BMW. „2026 steht speziell in Europa im Zeichen der Neuen Klasse“, sagte Vertriebsvorstand Jochen Goller kürzlich. Nur: Bis die neuen Modelle bei den Kunden sind, neigt sich das Jahr dem Ende zu.