Autobranche in welcher Krise: Stellantis im freien Fall

Die Opel-Muttergesellschaft Stellantis hat einen rabenschwarzen Freitag an der Börse erlebt. Sie verlor zeitweise mehr als ein Viertel ihres Wertes; er sank auf den niedrigsten Stand, seit sich die Autohersteller Peugeot-Citroën und Fiat-Chrysler Anfang 2021 mit ihren insgesamt vierzehn Marken zum zweitgrößten Anbieter Europas nach Volkswagen zusammengeschlossen haben.

In den Vereinigten Staaten brennt es lichterloh. Dort hat Donald Trump eine Vollbremsung der Förderung von Elektroautos angeordnet. Daher streicht Stellantis nun die Vollstromer und stellt von Hybridfahrzeugen mit Steckdosen-Ladung (Plug-in-Hybrid) auf die selbstladenden Hybrid-Modelle um. Auch andere Anbieter wie Ford und General Motors folgen diesem amerikanischen Trend.

Die Einschnitte bei Stellantis sind freilich tiefer als bei der Konkurrenz, und sie haben ihre Wurzeln auch in Europa. Die stramme Elektrifizierungsstrategie des früheren Konzernchefs Carlos Tavares ist gescheitert. Zu seiner Entlastung kann eingewendet werden, dass er nicht mit einer Abkehr der Politik vom europäischen Verbrenner-Aus im Jahr 2035 gerechnet hat, sondern im Gegenteil dieses Ziel wie kaum ein anderer Konzernlenker ernst nahm.

Milliardenzahlungen an Zulieferer und Vertragspartner

Freilich zogen dann neben der Politik auch die Kunden nicht mit. Sein Nachfolger Antonio Filosa reißt nun das Ruder herum. Das ist teuer und erfordert Milliardenzahlungen an Zulieferer und Vertragspartner. Ob die Kehrtwende für neue Orientierung sorgen kann, ist offen. Manche Analysten sehen nun einen guten Kaufmoment, weil der Konzern nur noch ein Drittel so viel wert sei wie Volkswagen und neue Modelle in der Pipeline warten.

Im zweiten Halbjahr 2025 stiegen die Verkäufe um 11 Prozent. Mangelnde Attraktivität etlicher Stellantis-Autos war in der Vergangenheit ein Dauerproblem, unabhängig von der Antriebstechnik. In Polen etwa muss der Konzern Personal abbauen, weil die Nachfrage bei Fiat und Alpha Romeo schwach ist. Dass Stellantis nun den Tiefpunkt erreicht hat, bleibt eine kühne Annahme, zumal fast die ganze Branche derzeit kaum Hoffnung verbreiten kann.