Autobauer in jener Krise: Porsche braucht Korrekturen an den Korrekturen

Die Ingenieure und Werker des Autoherstellers Porsche haben in den vergangenen Monaten zwei sehr unterschiedliche Geschichten gehört. Da war zum einen die Erzählung des zum Jahresende ausgeschiedenen Chefs Oliver Blume, der die Herausforderungen zwar benannt, aber dabei auch immer erklärt hat, dass die Korrekturen gemacht und die notwendigen Schritte auf den Weg gebracht worden seien. Und da war zum anderen die Analyse, die dem Betriebsrat und der Gewerkschaft in den ersten Sondierungsrunden von den Verhandlungsführern präsentiert wurde, die das Management zum Aushandeln eines zweiten grundlegenden Sparpakets in die Gespräche geschickt hat.

Sehr viele Überschneidungen haben die zwei Erzählungen dem Vernehmen nach nicht. Während Blume von einem robusten, operativen Geschäft 2025 und von Rekordabsätzen in vielen Märkten spricht und davon ausgeht, dass sich Porsche schon in diesem Jahr deutlich positiv entwickelt, sind die Arbeitnehmervertreter alarmiert: Ihnen seien aufgrund der so verheerenden Lage Forderungen präsentiert und mit der Verlagerung von Entwicklung und Produktion in Länder mit niedrigerem Lohnniveau gedroht worden, was Tausende von Arbeitsplätzen bei dem Sportwagenhersteller gefährde.

Die aktuellen Verkäufe deuten nun darauf hin, dass die zweite Erzählung der Wahrheit deutlich näher kommt als die Geschichten Blumes von den blühenden Automobillandschaften in Stuttgart-Zuffenhausen. Auch die Worte, die das Unternehmen wählt, um die Ausgangslage für die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über das zweite Sparpaket zu beschreiben, und in denen es heißt, dass „angesichts der veränderten Rahmenbedingungen erhebliche Kostenoptimierungen zwingend erforderlich sind“, klingen nicht so, als ob Porsche über den Berg wäre.

Blumes Nachfolger auf dem Posten des Vorstandschef von Porsche, Michael Leiters, macht sich gerade ein eigenes Bild von der Lage. Diese Analyse wird aller Voraussicht nach sowohl die von Blume auf den Weg gebrachten Entscheidungen als auch die Modellplanungen noch einmal grundsätzlich verändern. Bei Auftritten vor der Belegschaft in Zuffenhausen, Weissach und Leipzig hat Leiters gesagt, dass er sich in den nächsten 100 Tagen alles anschauen wird. Die Korrekturen der Korrekturen werden danach folgen müssen.