Ausgerechnet im Zusammenhang Olympia in Italien sehen wir: Die Deutschen können doch Mode

Ich bin kein Fan bombastischer Spektakel, lieber überschaubar und Wohnzimmeratmosphäre. Aber es war Italien, es war Mailand und dann noch Olympia. Una grande show.

Alberto Tomba hat das olympische Feuer entzündet. „Tomba la Bomba“, den ich als Kind die Piste runterwedeln sah (in der DDR, im Fernsehen), sah immer noch gut aus. Und ich erzählte meinen Kindern von dem italienischen Alpin-Helden. Eine italienische Komikerin hielt eine Rede ohne Worte, nur mit Gesten, deren Bedeutung eingeblendet wurde. Konnte die ganze Welt verstehen. Italienisch für Anfänger.

Natürlich wollte ich auch wissen, welche Figura die deutschen Athleten machen, wenn sie im sagenumwobenen San-Siro-Stadion auflaufen. Da gab es im Vorfeld viel Häme. Anglerhut und Poncho! Mamma mia. Unsere Autorin Laura Ewert hingegen war begeistert, sieht das Outfit als eines der wenigen modischen Highlights dieser Show.

Ich verfolge heimlich den Medaillenspiegel für die Deutschen (man ist beim Freitag eher nicht so patriotisch, noch dazu als Ostdeutsche). Und ich habe mir einige wichtige Daten im Kalender markiert (Biathlon gehört nicht dazu und auch Curling, von dem hier neulich mein Kollege Michael Angele schwärmte, muss nicht sein). Aber natürlich weiß ich, wann Minerva Haase und Nikita Volodin auftreten, eines der besten Eiskunstlauf-Paare der Welt. Auch wenn ich mir nicht den Wecker stelle, wie meine Eltern früher bei der Kür von Katarina Witt.

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Digital Detox: Neulich bin ich auf das Video des 19-jährigen Youtubers Robin Fübbeker gestoßen. Darin spricht er über die Löschung seines Instagram-Accounts. In zwei Jahren hat das Video knapp eine Million Aufrufe gesammelt – und es trifft auch heute noch einen Nerv. Fübbeker schildert darin, wie unzufrieden er war und wie gut es ihm geht, seit er nicht mehr stundenlang am Handy hängt. Und er ist nicht allein, immer mehr Menschen zwischen 16 und 24 ziehen sich laut Studien zurück. Auch die EU erklärt TikTok jetzt offiziell zum Problem. Und nach Australien könnte Frankreich bald das zweite Land sein, in dem eine Altersbeschränkung für Social Media gilt. Weniger Screen-Time, mehr echtes Leben – ein Lichtblick!

Zum Video

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu hören: Wahrscheinlich höre ich diese Radiosendung schon seit 20 Jahren. Sonntagnachmittags beim Geschirrspüler ausräumen oder abends als Podcast in der Badewanne. Natürlich nicht jede Woche. Zuletzt war der ostdeutsche Schauspieler Felix Kramer in der Hörbar Rust. Wie alle prominenten Gäste brachte er Musik mit, die in seinem Leben von Bedeutung war, und erzählte der Gastgeberin Bettina Rust die passenden Geschichten zum Soundtrack. Das romantischste Mixtape, die erste Platte, der erste Kuss, Rituale an Drehorten. Meistens lasse ich mich irgendwie so berieseln und dann kommt ein Aha-Moment. Auch in dieser Sendung.

Felix Kramer, der gerade in der Netflix-Serie Unfamiliar zu sehen ist, erzählte, wie er als Kind mit der Musik von Liedermachern aufgewachsen ist, weil seine Mutter die rauf und runter hörte. Konstantin Wecker, Hans-Eckardt Wenzel, André Heller, Herman van Veen, Gerhard Schöne. Kramer sagte, sie hätten in ihm etwas Zärtliches hinterlassen, was er sich als Mann bewahren wolle. Und er hatte das leise Lied „Na ja“ von Herman van Veen mitgebracht, mit der wunderbaren Zeile: „Du hast Augen mit Blick auf das Meer.“ Ich hatte es vor Ewigkeiten auf Hiddensee gehört.

Zur aktuellen Folge

4. Lese-Empfehlung

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Die Ostdeutsche Kathleen Reinhardt kuratiert die Venedig-Biennale: Wir Wendekinder stehen eigentlich immer „dazwischen“. Kathleen Reinhardt wird jetzt ständig auf ihre Herkunft angesprochen: Sehen Sie sich als Ostdeutsche? Wie erklären Sie sich den Rechtsruck? Die Direktorin des Georg Kolbe Museums Berlin wird dieses Jahr den Deutschen Pavillon der Venedig-Biennale kuratieren. Und an den Reaktionen kann man sehen, wie wenig normal es noch immer ist, dass jemand, der aus dem Osten kommt, diese Position einnimmt.

Reinhardt, die in den 1980er-Jahren in Sonderhausen geboren wurde, spielt das in dem Gespräch, das Sarah Alberti für den Freitag mit ihr geführt hat, ganz lässig runter. Es gebe ja nicht nur den einen Osten, sondern viele. Und der sei nicht ein einziger weißer Raum. Es gehe ihr um jüngere, gegenwärtige Kunst und nicht darum, „zu erklären, wie die Ostdeutschen funktionieren“. Sie wirkt angenehm bodenständig und will sich nicht auf Identitätsdebatten festnageln lassen, auch wenn ihre Herkunft natürlich mitschwingt.

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Alle zwei Jahre eröffnet die Kunstbiennale in Venedig, eine der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt. Wer im Deutschen Pavillon ausstellt, steht im Fokus der nationalen wie internationalen Aufmerksamkeit. 1938 im Auftrag Hitlers umgebaut und danach kaum verändert, ist jede Ausstellung in diesem Gebäude auch ein Kommentar zu deutscher Geschichte und Identität. Kathleen Reinhardt, Direktorin des Georg Kolbe Museums in Berlin, wurde 2025 zur Kuratorin des Pavillons ernannt, im Mai ist die Eröffnung. Reinhardt ist die erste Ostdeutsche in dieser Funktion und wird mit Henrike Naumann und Sung Tieu auch zwei ostdeutsche Künstlerinnen ausstellen.

der Freitag: Frau Reinhardt, in den Vorberichten zum Deutschen Pavillon wird gerne von den „drei jungen ostdeutschen Frauen“ für Venedig gesprochen. Wie nehmen Sie das wahr?

Kathleen Reinhardt: Wir haben in beiden Pressemitteilungen zu Venedig das Wort „Ostdeutschland“ sehr bewusst nicht benutzt. Henrike setzt immer „(DDR)“ hinter ihren Geburtsort Zwickau. Das war der einzige Verweis. Für uns war es interessant, zu sehen, wie die Presse die Ankündigungen aufgenommen und weiter interpretiert hat. Ich wurde in den Interviews bisher fast ausschließlich zu Ostdeutschland befragt, aber kaum zur Kunst. Für mich stand eine ganz andere Frage am Beginn: Welche künstlerischen Positionen können 2026 einen Zeitgeist erfassen?

➜ zum ganzen Text

Das war’s von mir für heute, die Woche schwankt Richtung Ende. Und ob Piste oder Park: Hauptsache an die frische Luft!

Viele Grüße,

Ihre Maxi Leinkauf

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