Ausbleibende Gaslieferungen: Die Iran-Krise offenbart Deutschlands Abhängigkeit

Das Emirat Qatar hat nach iranischen Drohnenangriffen die Produktion von Flüssigerdgas und verbundenen Produkten eingestellt. Wann Produktion und Lieferungen wieder aufgenommen werden, ist unklar. Das kleine Land liegt an der Ostküste der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf. Selbst wenn Qatar produzieren würde, könnten die Tankschiffe mit dem verflüssigten Erdgas die Straße von Hormus derzeit nicht passieren.

Das kleine Qatar ist ein globaler Riese, wenn es um Gaslieferungen geht. Bundesbürgern ist es geläufiger, seit der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) 2022 einen langfristigen Liefervertrag für verflüssigtes Gas vereinbarte. Deutschland musste sich verzweifelt Lieferungen sichern, nachdem der viel zu lange – speziell von der sozialdemokratischen Elite – hofierte Schurkenstaat Russland nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht mehr tragbar war. Der Krieg mit Iran legt nun weitere Verwundbarkeit Deutschlands offen.

Flüssigerdgas aus den USA entschärft aktuelle Lage

Um wie viel schwieriger wäre die Versorgungslage jetzt, hätten die Vereinigten Staaten nicht vor zehn Jahren begonnen, verflüssigtes Erdgas zu exportieren. Der Fracking-Boom wandelte die USA binnen einer Dekade vom Importeur zum weltgrößten Erdgasexporteur – vor Qatar, Russland und Australien. Die USA sind zu einem der wichtigsten Lieferanten Deutschlands geworden. Präsident Donald Trump hat die Exporte stets begünstigt und befürwortet. Doch es gibt politischen Widerstand, der sich immer dann regt, wenn Gaspreise in den USA steigen. Dann wollen einige Politiker zurück in die Zeit, in der Gasausfuhren untersagt waren.

In Deutschland sollte die Dankbarkeit, dass die USA in die Bresche sprangen, durch die nüchterne geostrategische Erwägung ergänzt werden, eine zu große Abhängigkeit zu vermeiden. Deutschland hat eigene bedeutende Gasvorkommen, deren Förderung deutlich umweltfreundlicher wäre als die meisten Import­alternativen, weil die aufwendige Verflüssigung und Regasifizierung wegfielen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die heimische Förderung wieder ermöglichen. Es ist höchste Zeit.