Auktionsvorschau aus Paris: Kunst zum Anbeißen

Bei den kommenden Pariser Frühjahrsauktionen mit Kunst des Impressionismus, der Moderne und Gegenwart wartet Christie’s mit dem umfangreichsten Programm auf. In sechs Versteigerungen kommen mehr als vierhundert Lose unter den Hammer, wobei die Gesamterwartung zwischen 58 und 86 Millionen Euro liegt.

Den Auftakt machen drei reizvolle Sammlungsauktionen. Am 14. April werden sechzig Gemälde, Zeichnungen und Lithographien von Pierre Bonnard aufgerufen, die aus der Kollektion von Claude Terrasse stammen, dem Großneffen und Patenkind des Künstlers. Die Gesamttaxe beläuft sich auf 1,9 bis 2,9 Millionen Euro. Das Gemälde „Midi au jardin“ zeigt den Garten von Bonnards Anwesen „Le Bosquet“ auf den Anhöhen des Mittelmeerstädtchens Le Cannet (Taxe 400.000 bis 600,000 Euro). Das Haus und seine Umgebung spielen eine wichtige Rolle im Werk des Malers. Gemälde wie „Nature morte aux pêches“ (250.000/350.000) oder „Ruelle du midi“ (150.000/250.000) lassen in Motiven und Farben den Hochsommer in der Provence spüren.

Blätter von Matisse

Eine respektvolle Freundschaft verband Bonnard mit dem zwei Jahre jüngeren Henri Matisse. In einer Onlineauktion versteigert Christie’s noch bis zum 17. April 67 Werke des Malers auf Papier, darunter Aktstudien, Porträts und mediterrane Szenen. Die Blätter kommen aus der Stiftungssammlung des Sohnes Pierre Matisse und dessen Frau Tana (Gesamterwartung 925.000/1,3 Millionen).

Unter dem Titel „Radical Genius“ bringt Christie’s am 15. April 35 Lose mit herausragenden Werken auf Papier einer anonymen Privatsammlung unter den Hammer, darunter Arbeiten von Piet Mondrian, Alfred Kubin oder Paul Klee. Die auf 3,5 bis 5,5 Millionen Euro geschätzte Aquarellstudie „Femme assise (Madame Cézanne)“ von Paul Cézanne gehörte einst Ambroise Vollard und danach Paul Rosenberg. Eine Aktzeichnung Pablo Picassos von 1906 hat Gertrude Stein direkt beim Maler gekauft (1,2/1,8 Millionen). Die Auktion soll zwischen 11,8 und 18,5 Millionen Euro umsetzen.

Wahrscheinlich Berthe Morisots Tochter

Am selben Tag hält Christie’s die prestigevolle Abendauktion mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ab. Das Angebot ist mit 51 Losen und einer Gesamttaxe von 31 bis 45 Millionen Euro stärker als das des Vorjahrs. Zu den Spitzenlosen gehört der spektakuläre, 2,5 Meter hohe „Apfel von New York“ von Claude Lalanne. Die Bronzeskulptur ist mit 5 bis 7 Millionen Euro bewertet. Mit der gleichen Erwartung wurde „Femme au chapeau“ von Maurice de Vlaminck versehen. Neben Werken von Gerhard Richter, Edgar Degas oder Pierre Soulages stehen zwei Gemälde von Berthe Morisot – eher selten auf dem Markt – bereit. „Jeune fille accoudée“ zeigt wahrscheinlich ihre Tochter Julie Manet (700.000/eine Million).

Bei Sotheby's: Claude Monet, „Vétheuil, effet du matin“, 1901, Öl auf Leinwand, 89,1 mal 92,1 Zentimeter, Taxe sechs bis acht Millionen Euro
Bei Sotheby’s: Claude Monet, „Vétheuil, effet du matin“, 1901, Öl auf Leinwand, 89,1 mal 92,1 Zentimeter, Taxe sechs bis acht Millionen EuroSotheby’s

Sotheby’s bietet am 16. und 17. April in einer Abend- und einer Tagesauktion insgesamt 162 Werke moderner und zeitgenössischer Kunst an. Die Gesamterwartung liegt zwischen 30 und 43 Millionen Euro. Unter den 36 Losen der Abendauktion, die 22 bis 32 Millionen Euro einspielen sollen, sticht ein „Königlicher Tiger“ von Rembrandt Bugatti ins Auge, dessen Haltung und Laufbewegung genau von dem Bildhauer beobachtet wurde. Die zwischen 1922 und 1927 bei Hébrard gegossene Bronzefigur war immer in Besitz derselben Familie (1,2/1,5 Millionen).

Ein ganz besonderes Ereignis ist die Versteigerung von zwei Landschaftsgemälden Claude Monets, die erst kürzlich in Privatsammlungen wiederentdeckt wurden und seit hundert Jahren nicht mehr öffentlich zu sehen waren. „Les Îles de Port-Villez“ entstand im Jahr 1883, kurz nachdem sich Monet in Giverny niedergelassen hatte (3/5 Millionen). 1901 malte der Impressionist „Vétheuil, effet du matin“. Das Gemälde zeigt den Blick über die in pastelligem Licht schimmernde Seine hinweg auf das zwanzig Kilometer von Giverny entfernte Dörfchen Vétheuil (6/8 Millionen).

Source: faz.net